Denn umgekehrt haben auch die Vermieter derzeit wenig bis kein Interesse, Gewerbemietern zu kündigen, sogar wenn diese in finanziellen Schwierigkeiten sein sollten. Die Suche nach Nachmietern wäre derzeit schwierig. "Kurzfristig geht es eher den Vermietern beziehungsweise Eigentümern von Gewerbeimmobilien um die Stabilisierung, darum durchzuhalten, bis wir zurück in einer "neuen Normalität" sind", sagt Finanzmarktexperte Philipp Wackerbeck von Strategy&, der Unternehmensberatung der internationalen WirtschaftsprüfergesellschafT PwC.

"Man tut als Vermieter beziehungsweise Eigentümer alles, um den Bestand zu erhalten, auch wenn das Einschränkungen bei den Mieteinnahmen bedeutet. Viele Immobilien in Deutschland sind solide finanziert, deswegen kann man das eine Zeit lang aushalten."

Unsichere Prognosen

Und wie sieht es langfristig aus? Manch einer munkelt bereits, das Büro sei ein altmodischer Arbeitsplatz der Vergangenheit, quasi zum Aussterben verurteilt. "Das Thema wird heiß diskutiert, aber die Wahrheit ist: Wir wissen es alle nicht", sagt Wirtschaftsforscher Ralph Henger vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln.

Ein prominentes Großunternehmen, das auch nach Corona dauerhaft einen Teil seiner Mitarbeiter im Homeoffice beschäftigen will, ist Siemens. Zielvorstellung ist, dass Büroangestellte künftig zwei bis drei Tage pro Woche daheim arbeiten können. Ob Siemens aber künftig weniger Bürofläche benötigt, lässt sich nicht abschätzen, wie ein Sprecher der Immobiliengesellschaft des Münchner Dax-Konzerns sagt.

Eine Frage, die nicht nur Siemens umtreibt: "In Zukunft brauchen viele Firmen möglicherweise weniger Bürofläche, weil die Mitarbeiter mehr und mehr von zu Hause arbeiten", sagt Unternehmensberater Wackerbeck. "Allerdings wird das nicht im Verhältnis eins zu eins möglich sein, weil man Mitarbeiter auch nach der Pandemie wahrscheinlich auf größere Büros verteilt als vorher. Man braucht vielleicht wieder mehr Fläche pro Mitarbeiter, um Abstandsregeln und dergleichen einzuhalten."

Bisher habe noch niemand die langfristigen Gesamteffekte vollständig analysiert. "Büro ist nicht Büro, es hängt auch von der Lage ab", sagt Wackerbeck. "Immobilien, und zwar sowohl Büros als auch Wohnimmobilien, werden in den A-Lagen wertstabiler sein als in B- und C- Lagen."

Die Nachfrage nach Büros habe in den vergangenen ein, zwei Monaten sogar wieder angezogen, sagt Ökonom Henger vom IW Köln. "Das Thema Homeoffice kann in der Zukunft wichtig werden, bislang zeigt es aber kaum Wirkung." Viele Unternehmen könnten ihre Arbeit aus organisatorischen Gründen nicht von heute auf morgen verlagern.

Auch die Psychologie spielt eine Rolle. Traditionelle Vorbehalte, dass die Belegschaft daheim faulenzen könnte, sind nicht über Nacht verschwunden. Manche Unternehmen wollten gar nicht so flexibel sein, meint Henger dazu. "Die sehen ihre Mitarbeiter am liebsten im Büro." Wie sich die Nachfrage nach Büros im nächsten und übernächsten Jahr entwickeln werde, sei offen. "Der zentrale Faktor ist die Konjunkturentwicklung."

Die Pandemie wird also aller Voraussicht nach durchaus einen langfristigen Effekt auf die Arbeitsorganisation haben - aber Genaueres lässt sich noch nicht sagen. "Es wird sich etwas ändern, aber der Anpassungsprozess wird viele Jahre dauern", meint Savills-Experte Pink. "Die wichtigere Frage: Was für eine Art Büro brauchen wir in der Zukunft und wo?"

Einige Beispiele, wie Unternehmen das Thema Büro angehen:

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