Allein 15 Prozent des Gender Pay Gaps liegen nach Untersuchungen des Instituts der deutschen Wirtschaft an der Branche. Und das Gefälle lässt sich klar entlang klassischer Männer- und Frauenberufe ablesen. Laut der Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung lag der Stundenlohn in Berufen, in denen überwiegend Frauen arbeiten, 2014 im Schnitt um acht Euro niedriger als in männlichen dominierten Berufen bei gleicher Ausbildungszeit.

Die Gründe dafür sieht Corinna Kleinert vom Leibniz-Institut für Bildungsverläufe in Bamberg teilweise in der historischen Entwicklung. Die Bezahlung von Berufen sei lange gewachsen. "Historisch galten Frauen als weniger kompetent und leistungsfähig im Bereich der Erwerbsarbeit als Männer." Ihnen standen daher vor allem haushaltsnahe Berufe offen, und solche "typisch weiblichen" Tätigkeiten wurden in der Folge auch geringer entlohnt. "Daher wird auch von einer bis heute anhaltenden Entwertung von Frauenberufen gesprochen."

Technische Berufe würden dagegen traditionell häufiger von Männern ausgeübt und daher höher entlohnt. "Ein weiteres Merkmal dieser Berufsgruppen ist, dass es ihnen gelang, Zugänge dazu stärker zu begrenzen und sich stärker gewerkschaftlich zu organisieren als in Frauenberufen", sagt Kleiner. Auch dadurch konnten sie höhere Löhne erzielen. "Kindergärtnerinnen haben es nie geschafft, ihren Beruf so stark zu schließen und diese Schließung in Lohnvorteile umzuwandeln wie Ingenieure."

Die Unterschiede sind deutlich: 14 Euro pro Stunde verdient eine Erzieherin, 16 Euro ein Sozialpädagoge. Ein Techniker bekam nach einer Auswertung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Jahr 2014 hingegen 18 Euro und ein Ingenieur sogar 29 Euro.

"Jobs in der Industrie werden im Durchschnitt besser vergütet als beispielsweise im Gesundheitswesen", stellt Oliver Stettes vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft in Köln fest. "Das hat viel mit der Wertschätzung des Produktes durch die Kunden zu tun", sagt er. Viel hänge an der Zahlungsbereitschaft der Menschen. (mit dpa)


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Anja Janotta, Redakteurin
Anja Janotta

seit 1998 bei der W&V - ist die wohl dienstälteste Onlinerin des Hauses. Am liebsten führt sie Interviews – quer durch die ganze Branche. Neben Kreativ- und Karrierethemen schreibt sie ab und zu was völlig anderes - Kinderbücher. Eines davon dreht sich um ein paar nerdige Möchtegern-Influencer.