Wündrich: "Bloß nicht aufgeben!"

Bettina Wündrich ist Chefredakteurin von "Season" - und Beirat beim W&V Frauen-Netzwerk. Im Interview erzählt sie von Höhe- und Tiefpunkten im Beruf, und wie man auch durch Rückschläge an die Spitze kommen kann. Wündrich: "Am Ende wartet immer etwas Schönes."

Text: Irmela Schwab

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Mit "Season" (G+J) hat Bettina Wündrich gerade eine neue Frauen-Zeitschrift entwickelt und auf den Markt gebracht. Nach "Emotion" und "Glamour" ist das nun bereits der dritte Titel der Diplom-Journalistin, den sie selbst kreiert hat. Zuvor war sie u.a. Vize-Chefin bei "Elle". Die Erfahrungen ihrer eigenen Karriere hat Wündrich 2011 im Buch "Einsame Spitze" festgehalten. Ihre Beobachtung: Anstatt sich gegenseitig zu unterstützen, machen sich Frauen untereinander oft das Job-Leben schwer. Im Interview mit dem W&V Frauen-Netzwerk erzählt Wündrich, 51, über ihren größten Erfolgsfaktor: ihren Spaß am Job.

Was ist Ihr "Secret of Success"?
Ich glaube nicht, dass es so etwas wie eine geheimnisvolle Erfolgsformel gibt - es ist eigentlich ganz schnell und einfach gesagt: Immer versuchen, den größtmöglichen Spaß an seinem Beruf zu haben. Und wenn der Weg, den man eingeschlagen hat, auf Dauer unbefriedigend ist oder echt an die Nerven geht, ausscheren und sich auf einen Nebenweg begeben, der auch zum Ziel führt. Das mit der "Freude am Job" meint aber nicht, dass man jeden Morgen pfeifend zur Arbeit geht (und die Sache beim ersten Frusterlebnis gleich hinschmeisst). Freude ist etwas, das wächst: Wenn einem eine Sache besonders geglückt ist und man dafür Lob oder - noch besser - mehr Geld bekommt. Wenn man etwas plötzlich "wuppt", von dem man nie vermutet hätte, dass man es kann. Mein Antreiber ist die Freude, die ich empfinde, wenn ich mit einem Team ein Zeitschriftenkonzept entwickle und dieses dann schließlich in den "reality check" geht. Wenn es dann funktioniert - Bingo!

Coaches raten einem ja oft dazu, seine Ziele zu visualisieren: Haben Sie solche Techniken angewandt?
Ein Wahnsinns-Dienstwagen, das "Corner Office", Statusprivilegien - diese Visualisierungen funktionieren bei Frauen als Anreiz nicht. Ich denke, Frauen müssen für sich selbst Bilder finden, die ihnen verdeutlichen, dass auch Tiefpunkte oder Rückschläge auf dem Karriereweg ganz normal sind, aber am Ende immer etwas Schönes wartet: selbst Bestimmerin zu sein und nicht bestimmt zu werden. Ich selbst, als Münchnerin, mag den Vergleich mit einer Bergwanderung: Man bricht gutgelaunt und bestens präpariert auf - meint man. Bei der ersten Hütte belohnt man sich schon mal, feiert glücklich die erste Etappe. Dann geht`s weiter - und man realisiert: zu früh gefreut! Jetzt wird`s richtig anstrengend. Die Beine sind schon müde, Erschöpfung macht sich breit, das Rüstzeug genügt vielleicht nicht den Ansprüchen. Wie weit mag es noch sein? Der Gedanke, jetzt einfach umzukehren, nistet sich im Kopf ein. Würde ja keinem auffallen, wenn man jetzt einfach kehrt machte - aber: Bloß nicht aufgeben! Die Gewissheit, den inneren Schweinehund erfolgreich niedergerungen zu haben, macht glücklich. Und die Aussicht auf der Bergspitze riecht nach Freiheit.

Haben Sie sich während Ihrer Karriere je von Männern ausgebootet gefühlt?
Es ist ja nicht so, dass Männer Frauen "rausmobben", sie grenzen sie sogar meist nicht mal bewusst aus - das funktioniert viel subtiler. Es gibt den Begriff der "homosozialen Orientierung", der bedeutet vereinfacht gesagt, dass Gruppen sich unter ihresgleichen immer wohler fühlen, und deshalb dazu tendieren, das Gleiche im anderen zu suchen und Abweichungen versuchen zu vermeiden. Konkret heisst das, dass in Bewerbungssituationen derjenige - oder besser: diejenige - es am schwersten hat, die ihrem Gegenüber am wenigsten gleicht. Das ist auch ein Grund, weshalb ich eine Befürworterin der Frauenquote zum Beispiel in den Medien bin. Männer - und die sind es ja, die in der Regel diese Jobs zu vergeben haben - trauen Frauen eher zu, eine Frauenzeitschrift zu leiten, als zum Beispiel ein Nachrichtenmedium. Männer hingegen trauen Männer die Chefredaktion eines Frauenmagazins ohne weiteres zu.

Glauben Sie, dass Kinder tatsächlich einen Karriereknick für Frauen bedeuten?
Ganz sicher bedeuten sie das. Mütter mit kleinen Kindern werden weniger gern eingestellt - das Kleine könnte ja von einem zum anderen Tag krank werden. Es ist ja leider auch so, dass die meisten Mütter, wenn sie weitereinsteigen, das nur in Teilzeit tun. Und wer einige Jahre "nur" halbtags gearbeitet hat, schafft keinen Karrieresprung mehr, das bestätigen leider die Statistiken.


Autor:

Irmela Schwab
Irmela Schwab

ist Autorin bei W&V und LEAD digital. Die studierte Germanistin interessiert sich besonders dafür, wie digitale Technologien Marketing und Medien verändern. Dazu reist sie regelmäßig in die USA und ist auf Events wie South by Southwest oder der CES anzutreffen. Zur Entspannung macht sie Yoga und geht an der Isar und in den Bergen spazieren.



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