"365 Oneworld": So sieht Beate Wedekinds Magazin aus

Die frühere Chefredakteurin von "Bunte" und "Elle" hat ihr Herzensprojekt abgeschlossen: ein monothematisches jährliches Magazin, dessen erste Ausgabe das Land Äthiopien portraitiert - und dabei mit dem Klische der Armut in Afrika aufräumen will. W&V Online zeigt erste Seiten.

Text: Julia Kloft

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Es ist Beate Wedekinds Herzensprojekt. Seit mehr als zwei Jahren arbeitet sie an "365 Oneworld", einem monothematischen Magazin, das jährlich herauskommen und in jeder Ausgabe ein anderes Vorurteil aufgreifen soll. Die erste Heftfolge widmet sich Äthiopien. Wedekind, die selbst regelmäßig in den ostafrikanischen Staat reist, will darin mit den Klischees über die Armut in Afrika aufräumen und ein Land zeigen, in das es sich zu investieren lohnt.

Der Titel sollte ursprünglich bereits im April 2011 herauskommen - zum 30. Jubiläum von Karlheinz und Almaz Böhms Äthiopienhilfe "Menschen für Menschen". Doch dann entschied sich Wedekind, zwei Magazine zu machen. Ihre Vorstellung von der Zeitschrift passte mit den Themen einer Hilfsorganisation nicht zusammen. „Es ist ein völlig anderer Ansatz, wenn man den Gedanken weglässt, dass Äthiopien eines der ärmsten Länder der Welt ist“, sagt die 60-Jährige, die sich unter anderem als Chefredakteurin von Zeitschriften wie "Bunte" und "Elle" einen Namen gemacht hat.

Ein Jahr nach dem Menschen-für-Menschen-Jubiläumsheft ist nun auch das eigentliche Projekt fertig: Auf der Berliner Tourismusmesse ITB will Wedekind "365 Oneworld" am 8. März vorstellen - zunächst als 76-seitige Preview-Ausgabe. Am 19. April soll dann das 364 Seiten starke "Bookazine" erscheinen – in Deutschland und Äthiopien, weshalb die Artikel auf Englisch und Deutsch geschrieben sind. Wedekinds Kooperationspartner ist der äthiopische Medien-Unternehmer Khalid Abdullahi. Der 34-Jährige betreibt in Addis Abeba eine Kommunikationsagentur und gibt das Lifestyle-Magazin "Guzomag" heraus, das auch "365 Oneworld" als Hauptstadtmagazin beiliegt. Er sei ein exzellenter Berater, sagt Wedekind, die schon immer gezielt und gern mit jüngeren Menschen zusammengearbeitet hat.

„365 Oneworld“ will mit Reportagen, Interviews, Essays und Fotostrecken die Potenziale und Perspektiven Äthiopiens zeigen. So portraitiert das Magazin etwa junge Unternehmer sowie erfolgreiche Frauen in dem Land, beschreibt die Fortschrittpläne der äthiopischen Regierung und befasst sich mit der Zukunft der Kinder, die in Stämmen im Süden des Landes leben. Auch die Kooperationen zwischen Deutschland und Äthiopien und der Tourismus bilden Schwerpunkte.

Rund 50 Prozent der Inhalte hat Wedekind selbst geschrieben. Zum Team zählen zudem Autoren wie dpa-Ostafrika-Korrespondentin Carola Frentzen, Philipp Hedemann, der aus Addis Abeba für Titel wie „Welt“, „Die Zeit“ und „FASZ“ schreibt oder die Fotografin Brigitte Maria Mayer, Witwe des Dramatikers Heiner Müller. Außenminister Guido Westerwelle ist mit einem Essay über die Schlüsselrolle Äthiopiens in der Entwicklung Afrikas vertreten. Art Director ist Walter Schönauer, der bereits für Titel wie "Rolling Stone", "Vanity Fair" oder "Tempo" gearbeitet hat.

Die Finanzierungsgrundlage bilden Vorbestellungen von Organisationen, Unternehmen und Einzelpersonen, die die Exemplare an ihre Kunden, Freunde und Geschäftspartner weitergeben können. 5000 Exemplare sollen im Zeitschriftenhandel in Deutschland (3000 Stück) und Äthiopien erhältlich sein, doch der Kiosk ist nur eine Ergänzung im Vertrieb. „Allein über meine Facebook-Seite habe ich 1100 Abonnenten gewonnen“, so Wedekind. Die Gesamtauflage liegt bei 15.000 Exemplaren, der Copypreis bei 20 Euro.

Die Themen für die nächsten beiden Ausgaben hat Wedekind bereits geplant. 2013 soll es um die Angst vor dem Älterwerden gehen und darüber, was Altern in den verschiedenen Kulturkreisen der Welt bedeutet. Für 2014 will Wedekind das Thema Nachhaltigkeit angehen - ein Phänomen, dass es ihrer Meinung nach gar nicht gibt. Schon das Äthiopien-Heft entstand mit einer sehr dezentral arbeitenden Redaktion. Für die kommenden Ausgaben werden die Autoren wohl auf allen Kontinenten der Welt sitzen.


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