Analyse zur MA 2016 Radio II :
6 Lehren aus der Radio-MA

Täglich erreicht Hörfunk 57 Millionen Hörer deutschlandweit. Wie sich die Fans auf die Einzelwellen verteilen, weiß die MA 2016 Radio II.

Text: Petra Schwegler

Es ist wieder MA-Tag - und viele Radiosender wähnen sich als Gewinner.
Es ist wieder MA-Tag - und viele Radiosender wähnen sich als Gewinner.

Mehr Plus als Minus bei der MA 2016 Radio II: Auf hohem Niveau agiert der Werbefunk. Insgesamt 258.000 Hörer ab 10 Jahren pro beworbener Durchschnittsstunde mehr gegenüber der Frühjahrs-MA zählt die Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (agma).

5 Lehren lassen sich aus dem Datenmaterial ziehen, das die agma am Dienstag veröffentlicht hat:

Erstens. Die Fanbasis wird größer.
Mit einem Ausbau der Reichweite innerhalb eines Jahres um über 1,1 Millionen auf über 57 Millionen tägliche Hörer hat sich Radio als mobiles Medium bewährt. 78,7 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung (57,004 Millionen Menschen) schalten wochentags ihr Radio ein. Das bedeutet einen Zuwachs von fast 900.000 Menschen. Die tägliche Hördauer liegt im Schnitt bei 190 Minuten.

Zweitens. Jugend bleibt dem Radio treu.
Als "besonders erfreulich" bezeichnet die Gattungsinitiative Radiozentrale den überproportionalen Anstieg bei den jungen Hörern unter 30 Jahren um 3,1 Prozent seit dem letzten Sommer. "Es konnte damit wieder die 70-Prozent-Marke bei den jungen Hörern unter 30 Jahren geknackt werden", heißt es aus Berlin. Ein Ergebnis, das in Zeiten der Vielzahl neuer Medienangebote und digitaler "Zeitfresser" besonders hoch zu schätzen sei. Jeden Tag knapp über 70 Prozent der Jungen drei Stunden lang zu erreichen, sei für die Werbekommunikation "ein Pfund, das seines Gleichen sucht".

Drittens. An den Platzhirschen ist (trotz Verlusten) nicht zu rütteln.
Die Nase vorne haben in der MA 2016 Radio II einmal mehr der Lokalradio-Verbund Radio NRW (1,69 Millionen Hörer, plus 56.000) und Antenne Bayern als weiterhin größter Einzelsender (minus 56.000 auf 1,2 Millionen Hörer). Es folgen SWR3 (1,09 Millionen, minus 46.000), die junge WDR-Welle 1Live (1,07 Millionen, plus 55.000) und WDR 2 (1,04 Millionen, plus 4000) aus dem Reich der rührigen Radiodirektorin Valerie Weber. WDR 4, das aufgrund des neuen NRW-Gesetzes ab 2017 werbefrei wird, stagniert bei rund 700.000 Hörern. Nicht mehr im Millionärsclub – aber immer noch ganz vorne – spielt das öffentlich-rechtliche Bayern 1 mit (985.000 Hörer, minus 42.0000).
Neu im siebenstelligen Bereich ist das Bayern Funkpaket, der Vermarktungsverbund des weiß-blauen Lokalfunk. Er erreicht erstmals 1,02 Millionen Hörer pro Werbestunde. 

Viertens. Plus und Minus in Maßen.
Auf und Abs im sechsstelligen Bereich fehlen in dieser MA – wie schon in der Frühjahrs-Analyse der agma. Die Fan-Basis hat sich bei den meisten Wellen eingependelt. Hier die Gewinner und Verlierer der MA 2016 Radio II im Überblick (nach absoluten Zahlen, gegenüber der MA 2016 Radio I), wobei die Veränderungen bei Klassik Radio und Antenne Niedersachsen zu den deutlichsten der aktuellen Analyse zählen:

Prozentual konnte der Karlsruher Sender Die neue Welle am stärksten zulegen (plus 67,6 Prozent).

Nach Prozenten hat Big FM Saarland mit 48,5 Prozent weniger Hörern gegenüber der Frühjahrs-MA die meisten Federn lassen müssen. 

Fünftens. Besonders treue Radiofans hören in Schleswig-Holstein, NRW und (eingeschränkt) in Berlin.
Auf die einzelnen Bundesländer bezogen, gibt es nur in Schleswig-Holstein keinen einzigen Sender mit Hörerverlusten. Den stärksten Zuwachs im Land mit 11.000 Hörern fährt dabei die Regiocast-Welle R.SH ein.
Für NRW sind nur in zwei Fällen "homöopathische" Hörerverluste zu verzeichnen – und das beim einstrahlenden NDR 2 (minus 3000) und bei WDR 4 (minus 1000).
Wenn, dann nur minimalen Schwund verzeichnen auch die Berliner Wellen. Das Maximum liegt hier bei 8000 Hörern weniger – für 104.6 RTL und die einstrahlende Antenne Brandenburg.
Anders Bundesländer wie Hessen oder Bayern: Dort hat die ganze Gattung verloren.

Sechstens. Die Nase vorn im Werbefunk hat das ARD-Lager.
Die ARD-Sender haben ihren Vorsprung gegenüber der Privatkonkurrenz auf dem deutschen Radiomarkt ausgebaut. Die öffentlich-rechtlichen Wellen werden täglich von Montag bis Freitag von 38,511 Millionen Menschen eingeschaltet. Die Privatsender, gebündelt vor allem in der RMS, erreichen 31,532 Millionen Hörer. Die ARD-Wellen haben laut agma bei den Hörern 2,1 Prozent hinzugewonnen, die Privaten erreichen 1,1 Prozent mehr.

Die Media-Analyse wird zweimal im Jahr veröffentlicht. Fünf unabhängige Marktforschungsinstitute haben mehr als 70.000 Telefoninterviews (Festnetz und Mobil) geführt. Insgesamt wurden Daten für über 400 Sender erhoben. Befragt wurden deutschsprachige Personen ab zehn Jahren. Die detaillierten Daten für alle von der agma abgefragten Radio-Angebote finden Sie unter anderem hier.

ps (mit mks)


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.