"Freewheel Video Monetization Report" :
Adblocker, Methbot und Fake News überschatten Video-Boom

Bewegtbild ist bei Usern und Werbern beliebt. Doch der "Freewheel Video Monetization Report" nennt diverse Bremsfaktoren. 

Text: Petra Schwegler

Lang-Formate wie Netflix-Serien sind bei Europas Werbekunden beliebt.
Lang-Formate wie Netflix-Serien sind bei Europas Werbekunden beliebt.

Bewegtbild liegt weiter im Trend. Die Wachstumsraten bei Video-Views sind enorm - und Ad-Views nehmen im großen Stil zu. Soweit die Kernaussagen zu den Entwicklungen des Vorjahres im Bewegtbild-Markt, die der aktualisierte "Freewheel Video Monetization Report" trifft.

Die Kehrseite des Booms verschweigt der Report nicht: So haben sich die Platzierungen von Programmatic-Video-Ads im vergangenen Jahr gegenüber 2015 verdoppelt. "Parallel dazu wächst jedoch die Sorge vor den Risiken automatisierter Platzierungen in Bezug auf Brand Safety und Compliance weiter", heißt es da.

Auch führe die zunehmende Flut an digitaler Werbung und "nervenden Bannern" zu einem rasanten Anstieg der Adblocker-Raten. Darauf müssten Broadcaster reagieren, empfiehlt Freewheel. "Sie müssen bessere Formate und nativere Umfelder finden, um ihren Nutzern Video-Werbung zu zeigen und das lineare Nutzungserlebnis zu replizieren", heißt es im "Freewheel Video Monetization Report".

Zunehmend Sorgen machen den Studienautoren auch Themen wie Ad Fraud, Fake News und Methbot. Video-Anbieter stünden immer mehr in der Verantwortung, Werbetreibenden sichere Werbeumfelder zu bieten und das Nutzererlebnis zu verbessern, um der immer stärker werdenden Werbemüdigkeit der Nutzer erfolgreich entgegenwirken zu können, heißt es da.

Hier weitere Details aus dem "Freewheel Video Monetization Report". Er wirft einen Blick auf das gesamte Jahr 2016 und spezifische Trends im letzten Quartal 2016:

- "Premium Video" wächst das sechste Jahr in Folge deutlich. Ende 2016 sind demnach Content Views um 20 Prozent und Ad Views um 17 Prozent gestiegen. Übers ganze Jahr hinweg liegen die Zuwächse bei 26 (Content Views) und 24 Prozent (Ad Views).            

- "Live Video" hat 2016 laut dem Report "wesentlich größere Zuschauerzahlen" verzeichnet. Das liegt Freehweel zufolge unter anderem an weltweit relevanten Events wie der Olympia in Rio und der US-Wahl im November.

- Hervorgehoben wird unter anderem der starke Kontrast im Konsumverhalten der Nutzer in Europa und den USA: Während in Amerika über die Hälfte aller Werbeanzeigen in Kurz- und Live-Formaten ausgespielt wurden, platzierte man in Europa über 87 Prozent aller Werbeanzeigen in Lang-Formaten wie beispielsweise Netflix-Serien aus. "Live-Formate spielten in Europa mit einem Anteil von 3 Prozent fast gar keine Rolle", heißt es.

- Live Content wird sich laut Freewheel dennoch weiterhin durchsetzen – und zwar im Kabel-TV via Internet-Stream, im Social Web wie etwa mit Facebook Live oder mit Live-Abo-TV, worunter beispielsweise die Sport-Streamingplattform Dazn fällt.

- Während in den USA Nachrichten-Formate und Sportereignisse – vor allem im letzten Quartal rund um die Präsidentschaftswahlen - zu einer Steigerung der Views von Short-Form-Ads führte, dominierte in Europa weiterhin der Bereich Entertainment. "Hervorzuheben sind hier, dass 93 Prozent der Video Ads in Europa über Entertainment-Formate ausgegeben wurden. In den USA waren es lediglich 46 Prozent), heißt es da.

- "Lineares Fernsehen bleibt weiterhin wichtig" – heißt es auch im "Freewheel Video Monetization Report". Der Konsum von Premium-Video-Inhalten verschiebe sich sichtbar zurück zum TV-Gerät. "Der zunehmende Shift weg vom Laptop und stationären PC ist auf das Wachstum im Bereich OTT (Over the top content) und STB VOD (Set Top Box Video On Demand) zurückzuführen", heißt es.

Der "Freewheel Video Monetization Report" basiert auf Analysen aus knapp 200 Milliarden Video Views. 


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.