Reichweitenmessung :
AGF stellt Weichen für Kooperation mit Google & Co.

Die gemeinsame Quotenforschung der TV-Sender steht vor einer grundlegenden Reform. Als potenzielle, neue Gesellschafter könnten Google, Facebook und Sky davon profitieren.

Text: Thomas Nötting

Martin Berthoud, Vorstandsvorsitzender der AGF.
Martin Berthoud, Vorstandsvorsitzender der AGF.

Die Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) steht vor einer umfassenden Erneuerung. Dies berichtet W&V in seiner aktuellen Ausgabe. Die Organisation, welche im Auftrag der deutschen Fernsehsender die Einschaltquoten und TV-Reichweiten ermittelt, soll in eine GmbH umgewandelt werden. Davon versprechen sich die AGF-Gesellschafter mehr Flexibilität und Schnelligkeit. Die AGF könnte zudem künftig von einem Geschäftsführer geleitet werden.

Die Umwandlung in eine GmbH würde potenziellen, neuen Gesellschaftern die Tür öffnen. Das wäre vor allem der Digitalkonzern Google. Das US-Unternehmen hatte bereits vor einem Jahr erklärt, sich mit seiner Tochter Youtube an der Messung der Online-Video-Reichweiten des deutschen Joint-Industrie-Committees beteiligen zu wollen. Das Vorhaben ist aber ins Stocken geraten. Vordergründig können sich beide Seiten nicht auf eine einheitliche Messtechnik einigen. Ebenfalls im Gespräch sind die AGF-Sender mit Facebook. Der Social-Media-Gigant wird für den Markt mit Bewegtbild-Werbung immer wichtiger. Ein weiterer Gesellschafterkandidat ist der Pay-TV-Konzern Sky.

Die derzeitige Struktur der AGF stammt noch aus der Zeit kurz nach der Einführung des privaten Fernsehens. 1988 beauftragten ARD und ZDF gemeinsam mit Sat.1 und RTL das Nürnberger Marktforschungsinstitut GfK mit der Quotenmessung. Die bisherige Rechtsform ist seitdem eine BGB-Gesellschaft. Das Quartett aus öffentlich-rechtlichen Sendern, RTL- und ProSiebenSat.1-Gruppe stellt bis heute die Gesellschafter. Die übrigen Sender, darunter auch Sky, sind als Lizenznehmer am System beteiligt.

Die AGF bestätigt das Reformprojekt, will sich aber zu Einzelheiten nicht äußern. "Es handelt sich um einen laufenden Prozess, wir sind mitten in der Beratungsphase", erklärt der Vorstandsvorsitzende Martin Berthoud. Die Aufnahme neuer Gesellschafter sei Teil der Überlegungen, so der ZDF-Manager. "Wir denken darüber nach, die AGF auf mehr Füße als bislang zu stellen."

Der Werbungtreibendenverband OWM hatte kürzlich öffentlich eine "Strukturreform der AGF" gefordert.