TV-Marktanteile :
Allzeithoch dank Allzeitsieg: WM-Triumph zieht Deutsche vor die Bildschirme

Das ZDF jubelt: Ein phänomenaler Sieg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Gastgeber Brasilien im WM-Halbfinale schafft einen TV-Rekord! Auch die Tageszeitungen sind aus dem Häuschen - bis auf eine......

Text: Petra Schwegler

Die deutsche Nationalmannschaft hat mit einer Rekord-Tor-Bilanz die Brasilianer im WM-Halbfinale geschlagen. Das unglaubliche 7:1 der deutschen Elf mit allein fünf Toren in der ersten halben Stunde hat so viele Deutsche wie noch nie vor die Bildschirme gezogen – egal ob im First oder via Second Screen. Sprich: Es wurde geglotzt, getwittert und gepostet wie nie. Der unglaubliche Triumph der deutschen Elf schreibt daher TV-Rekorde: Im Schnitt haben 32,57 Millionen Fans am Dienstagabend im ZDF den Einzug der DFB-Elf ins Endspiel am Sonntag verfolgt, das ab 21.00 Uhr in der ARD übertragen wird. In der Spitze bis zu 33,86 Millionen Fußballfans live zählen die Mainzer. Der Gesamtmarktanteil beträgt 87,8 Prozent, ein Wert hauchdünn unter dem des WM-Endspiels 1990 (87,9), als Deutschland gegen Argentinien seinen dritten WM-Titel gewann. Nie zuvor in der deutschen Fernsehgeschichte haben mehr Menschen nach absoluten Zahlen hierzulande ein Ereignis vor den TV-Geräten verfolgt - und das nach 22 Uhr. Die alte Bestmarke von 31,10 Millionen stammte vom Halbfinale der WM 2010 in Südafrika. Die Sportredaktion des Zweiten bedankt sich zeitgemäß via Twitter:

Apropos Twitter: Das Halbfinale der Fußball-WM ist zudem laut dem Kurznachrichtendienst das meistkommentierte Sportereignis seit Bestehen – und das weltweit. Der offizielle Twitter-Account für Großbritannien schreibt, dass während der Partie 35,6 Millionen Tweets über die deutsche 7:1-Gala gegen den Gastgeber abgesetzt wurden. Die meistgenannten Spieler in den Kurznachrichten sind auf deutscher Seite Rekordtorschütze Miroslav Klose und Matchwinner Toni Kroos, auf brasilianischer Seite Torwart Julio Cesar. Auch Google gratuliert den Deutschen mit einem eigenen Froogle: Finale (Agentur: Labamba, Hamburg).

Und die deutsche Presse? Wirkt tatsächlich stellenweise um Worte verlegen. Vor allem Springers sonst so vorlaute "Bild" ist sprachlos. Die nie dagewesene Klatsche für die brasilianische Elf betitelte das Boulevardblatt mit: "Ohne Worte".

Bitter ist der Tag nach dem Finale aber für die die Münchner "Abendzeitung": Das Blatt, das neuerdings in der Straubiger Druckerei seines neuen Verlegers Martin Balle gedruckt wird, konnte auf das späte Spiel nicht mehr reagieren und dürfte mit der Headline "Immer mehr Senioren trinken" heute bleischwer am Kiosk liegen. In einem Schwabinger Supermarkt wurde die einst ruhmreiche "AZ" am Mittwochmorgen wie Bückware platziert:

(Foto: Frank Zimmer)


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.