Journalismus-Portal :
Alpha-Journalisten trommeln für Krautreporter

Jens Weinreich, Tilo Jung, Anne-Philippi, Stefan Niggemeier und weitere renommierte Kollegen machen in einem Spot für ihr werbefreies Onlinemagazin Kautreporter Werbung, das im Sommer an den Start gehen soll.

Es dürfte eines der ehrgeizigsten journalistischen Gründerprojekte seit dem Erfolg des niederländischen Online-Magazins "De Correspondent" sein: Aus dem Crowdfunding-Portal für journalistische Einzelprojekte -  Krautreporter - soll ein veritables, täglich aktualisiertes,  journalistisch anspruchsvolles Online-Magazin werden, das komplett von seinen Lesern finanziert wird. De Correspondent hat seit seinem Start bis heute über 30 000 Abonnenten eingesammelt.

25 renommierte Journalisten verschiedener Disziplinen, darunter Peer Schader,  Thomas Wiegold oder Sportjournalist Jens Weinreich glauben daran, dass auch in Deutschland die Zeit für ein Projekt reif ist, das tiefergehende Geschichten hinter den Nachrichten bietet. In einem Video auf www.krautreporter.de werben sie für werbefreien Journalismus, der nicht über Hypes, Boulevardisierung  oder übertriebene Marktschreierei die Klickzahlen in die Höhe treibt, sondern dem Leser soviel Substanz bietet, dass er bereit ist fünf Euro pro Monat zu investieren. Die Texte werden zwar frei verfügbar sein,  aber nur Abonnenten bekommen Zugang zur Kommentarfunktion, zu tiefergehenden Rechercheergebnissen oder zusätzlichen Videos und Interviews.

Die Gründer Philipp Schwörbel und Sebastian Esser sowie Chefredakteur Alexander Streit (Ex-"Wired") wollen ab heute bis zum 13. Juni 900.000 Euro Startkapital in Form von 15.000 Jahresabos à 60 Euro einsammeln.  "Onlinejournalismus ist kaputt und über Werbung nicht finanzierbar", sagt Philipp Schwörbel. "Alles oder nichts"  heißt es im Film und für die Autoren und Gründer - kommt die Summe nicht zusammen, gibt es auch kein Magazin.

Finden sich genügend zahlungswillige Leser, soll es zwei Redaktionszellen geben - in München und  Berlin. Auch Dokumentation und Fotoredaktion sollen aufgebaut werden. Die Autoren sollen mit einer festen Pauschale bezahlt werden und dafür eine Geschichte pro Woche sowie eine längere Recherche im Jahr abliefern.  Eine Ressortaufteilung wird es nicht geben, aber täglich vier bis fünf neue Stücke aus den Themenschwerpunkten der Autoren. Sie sollen sich von den Inhalten der persönlichen Blogs der Autoren  allerdings unterscheiden. Die Gründer verfolgen das Ziel,  in Zukunft für größere Geschichten Teams aus Filmern, Fotografen, schreibenden Journalisten und Datenspezialisten zusammenzustellen.  Der Anspruch ist hoch: "Wir wollen Teil der öffentlichen Debatte sein," sagt Schwörbel.


Autor:

Judith Pfannenmüller
Judith Pfannenmüller

ist Korrespondentin für W&V in Berlin. Sie schaut gern hinter die Kulissen und stellt Zusammenhänge her. Sie liebt den ständigen Wandel, den rauhen Sound und die thematische Vielfalt in der Hauptstadt.



1 Kommentar

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Anonymous User 13. Mai 2014

...sympathisch. Wenn allerdings ein Philipp Albert Schwörbel mit an Bord ist, kommen einem leise Zweifel an der Seriosität des Unternehmens.
Das von ihm betriebene Lokalblog "Prenzlauer Berg Nachrichten" fällt vor Ort durch die Verbreitung von Falschnachrichten auf, bei denen zuweilen sogar der Vorsatz nachweisbar ist.

Undurchsichtige Kungeleien mit hiesigen Immobilienunternehmen (die das Blog nach Schwörbels eigenen Worten hauptsächlich finanzieren) und verdeckte Einnahmen über einen sogenannten "Freundeskreis" runden das Bild des sympathischen Herren ab.
Dennoch hat der Vorzeige-BWLer Schwörbel mit seinem "Geschäftsmodell" Prenzlauer Berg Nachrichten" binnen ziemlich kurzer Zeit ein (bisher ständiges wachsendes) Defizit "erwirtschaftet". Die aktuellste veröffentlichte Bilanz seiner "ACTA URBIS GmbH weist einen Verlustvortrag von fast 60.000 Euro aus - bei einem Haftungskapital von nur 25.000 Euro. Wer ihm die Verluste bisher finanziert hat, ist unklar. Weiteres ist hier beschrieben: http://www.prenzlberger-stimme.de/?p=75049

Wieso lässt sich partout der Gedanke nicht aus dem Hinterkopf vertreiben, dass es Herrn Schwörbel vor allem erst einmal darum geht, seine aktuellen Verluste zu kompensieren?

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