Analyse MA 2012 Radio I: Antenne Bayern und Radio NRW im Glück

Goldener Mittwoch in München und Oberhausen: Antenne Bayern kann bei der jetzt vorgelegten MA 2012 Radio I die vormaligen Verluste mehr als ausgleichen - und Radio NRW erstürmt nie gekannte Höhen.

Text: Petra Schwegler

Die Stunde des Vergleichs im deutschen Radiomarkt schlägt erneut – am Mittwoch liegt die MA 2012 Radio I vor und zeigt: Es geht doch noch weiter nach oben bei Radio NRW. Das Mantelprogramm der NRW-Lokalsender hat laut AG.MA 1,737 Millionen Fans pro Werbestunde – so viele wie noch nie. Auch deutlich: Die Verlierer vergangener Media-Analysen haben an sich gearbeitet und wieder dazugewonnen, allen voran Antenne Bayern. Mit 206.000 Hörern mehr pro beworbener Durchschnittsstunde hat der Münchner Privatsender extrem viel wieder an Boden wettgemacht, steht an Platz eins der Gewinner nach absoluten Zahlen und meldet mit nun 1,105 Millionen Hörern einen neuen Spitzenwert. Der freie Fall der letzten MA ist vergessen. Bemerkenswert auch: Hessens Marktführer FFH überspringt endlich wieder die magische Hürde von 500.000 Durchschnittsstundenhörern und kommt auf starke 529.000 Fans pro Werbestunde.

Bemerkenswert ist beim Blick auf Gesamtdeutschland, dass die ARD-Wellen im Großen und Ganzen verloren, der Privatfunk und vor allem die großen Kommerzwellen Terrain erobert haben. Alles in allem hat der Werbefunk aber an Reichweite zugelegt .

Bitterer Anblick beim ersten Durchforsten der Reichweitenlisten: Viele wichtige ARD-Wellen haben deutlich Feder gelassen. Dazu zählen das junge WDR-Angebot 1Live (minus 74.000 Hörer), Bayern 3 (minus 46.000 Hörer) und auch WDR4 (minus 45.000 Hörer). Freilich verlieren diese Sender auf sehr hohem Niveau: 1Live bleiben noch 1,011 Millionen Durchschnittsstundenhörer, Bayern 3 satte 804.000 und WDR4 842.000 Hörer. Da aber auch die SWR-Kultwelle SWR3 um 39.000 Hörer auf 1,086 Millionen Hörer nachgegeben hat, machen sich die Ergebnisse in den deutschlandweiten Kombis der ARD-Werbung wie etwa der A&S Radio Deutschland-Kombi durchaus bemerkbar. Auf der anderen Seite kann das RMS-Konterfei RMS Super Kombi von den teils tollen Gewinnen im privaten Lager profitieren und deutlich zulegen.

Bei der MA 2012 Radio I am Mittwoch gibt es auch klare Sieger nach Prozenten. Ganz nach oben aufs Treppchen kommt das kleine lokale Donau 3FM aus der Region Ulm mit 87,5 Prozent Zuwachs – allerdings auf niedrigem Niveau und jetzt 45.000 Hörern. Auch im Badischen macht sich die Arbeit am lokalen Markt bezahlt – Baden.FM hat laut AG.MA 61,5 Prozent mehr Hörer bei 21.000 Fans absolut. Starke Zuwächse kommen dieses Mal von Radio Teddy. Die Berliner Kinderwelle steht mit plus 45,5 Prozent auf jetzt 32.000 Hörer ab zehn Jahren in der durchschnittlichen Werbestunde in den MA-Listen.

Den größten Zuwachs in absoluten Zahlen verzeichnet dieses Mal das oben bereits erwähnte Antenne Bayern. Die Münchner führen die Riege der Reichweitengewinner der MA 2012 Radio I mit 206.000 Hörern mehr in der beworbenen Durchschnittsstunde bei nun 1,105 Millionen Hörern an. Damit ist der höchste Zuwachs drei Mal höher als zur Sommer-MA 2011 ausgefallen. Danach folgt Radio NRW mit weiteren 71.000 Hörern auf die oben erwähnte Rekordzahl von über 1,7 Millionen Fans. Glück gehabt: Trotz Verlusten kann der WDR mit 1Live seinen einzigen Hörfunk-Millionär halten.

Trotz der Wiedererstarkung von Antenne Bayern (und dem Lohn der Arbeit es Teams um Karlheinz Hörhammer und Valerie Weber) können beim öffentlich-rechtlichen BR Sektkorken knallen. Das 2010 so starke Bayern 1 erholt sich wieder mit einem kleinen Zuwachs von 6.000 auf jetzt 1,143 Millionen Durchschnittsstundenhörer. Alle anderen Wellen der Münchner ARD-Anstalt müssen mehr oder weniger abgeben – wie etwa die Popwelle Bayern 3 (minus 46.000), das dank der starken Zuwächse der Vorjahre aber immer noch 804.000 Fans pro Werbestunde zählt. Nicht alles läuft so rund bei Antenne Bayern: Die Tochterwelle Rock Antenne muss die Gewinne der letzten MA komplett wieder abgeben und meldet nun 87.000 nach 98.000 Durchschnittsstundenhörern der Sommer-MA 2011.

Im hart umkämpften Berliner Markt findet Altbewährtes zu neuer Stärke: So melden der Berliner Rundfunk (plus 22.000 auf nun 160.000 Hörer), BB Radio (weitere 32.000 auf nun 235.000 Hörer) und Antenne Brandenburg (zusätzlich 36.000 Hörer auf 240.000 Hörer). Doch das gilt nicht für alle: Die großen und alten Berlin-Wellen 94,3 rs2 und 104.6 RTL verlieren, wenn auch teils unwesentlich auf nun 152.00 beziehungsweise 208.000 Fans pro Durchschnittstunde.

Ein Blick auf den hessischen Radiomarkt? Platzhirsch FFH geht es wie erwähnt jenseits der 500.000-Hörer-Marke wieder gut. Die Tochter-Oldie-Welle Harmony FM dagegen stagniert bei 24.000 Hörern, Planet Radio verliert sogar 5.00 auf jetzt 125.000 Durchschnittsstundenhörer. Das noch recht frisch relaunchte Energy Rhein-Main, das zuletzt auf nur noch 4000 Hörer pro Werbestunde gekomme ist, findet sich gar nicht in den MA-Listen. HR1 macht ein Plus von über sechs Prozent und meldet nun 206.000 Hörer pro Werbstunde; HR3 verliert leicht, ist aber mit 387.000 Hörern der reichweitenstärkste ARD-Sender in Hessen. Federn lässt diese Mal Radio Bob, das sich unter der Regie des neuen Eigners Regiocast über die letzten MAs deutlich gesteigert hat und nun 18.000 Fans auf jetzt 45.000 Hörer abgeben muss.

Im Saarland erholt sich Radio Salü bei einem Plus von 5000 Hörern auf 86.000 deutschsprachige Hörern ab zehn Jahren. Erholen kann sich auch die öffentlich-rechtliche SR1 Europawelle mit 11,0 Prozent minus. Dafür verliert die Schwester, SR3 Saarlandwelle, ein weiteres Mal – 9000 Fans auf nun 79.000 Hörer in der beworbenen Durchschnittsstunde.

In Baden-Württemberg kann Baden.FM wieder die Verluste der vergangenen MAs wettmachen (wie oben erwähnt steht der Sender auf dem Treppchen der prozentualen Gewinner weit oben. In der Region Stuttgart verliert Antenne 1 weitere Teile seiner Fans – minus 23.000 heißt es dieses Mal. Halbwegs stabil auf gutem Niveau: Radio Regenbogen mit einem leichten Verlust von rund einem Prozent beziehungsweise 3000 Hörern. Damit hat der Sender nur wenige der neuen Hörer aus der letzten MA verloren und kommt nun auf 249.000 Hörern pro Werbestunde. In Rheinland-Pfalz kann RPR1 deutlich gewinnen – und zählt mit knapp neun Prozent Plus nun 244.000 Hörer. Schwester Big FM gewinnt im gesamten Südwesten weiter dazu, um satte 14 Prozent auf jetzt 406.000 junge Fans.

Im hohen Norden verliert Radio Nora erneut: Die Kieler geben zum dritten Mal in Folge ab – dieses Mal ein Viertel der Hörer auf nun 30.000 Fans in der Werbestunde. Delta Radio kann in Schleswig-Holstein das gute Niveau nicht halten ; die Welle fährlt nach einem satten Plus von 22,4 Prozent in der letzten MA nun ein Minus von rund fünf Prozent ein und vereint 78.000 Radiofans auf sich. Auch R.SH muss leicht abgeben und kommt nun auf 256.000 Hörer ab zehn Jahren. Bitter: Gewinne meldet in Hamburg kein Sender, doch mit nur einem kleinen Hörerverlust thront Radio Hamburg mit 221.000 Durchschnittsstundenhörern als Marktführer weit über allen anderen.

Im Osten der Republik ist nach den teils schönen Ergebnissen aus dem Sommer 2011 wieder das Minus eingezogen. In Sachsen etwa kann nur die PSR-Tochter R.SA leicht dazugewinnen; PSR selbst, Hitradio RTL Sachen oder Energy Sachsen müssen ein Minus hinnehmen, PSR muss wohl auch für die alte Morgenshow büßen, die erst zum Ende der Befragungswelle der MA erneuert worden ist. Über den gesamten Osten hinweg steht der öffentlich-rechtliche MDR1 gut da mit einem leichten Zuwachs auf nun insgesamt 740.000 Durchschnittsstundenhörer; das junge MDR Jump hält sich stabil. Niels von Haken, Chef der MDR Werbung blickt nun vor allem auf die Samstage, an denen er sich weiterhin in Sachsen, aber nun auch in Sachsen-Anhalt und Thüringen als Marktführer wähnt. Der Sales-Manager lobt die getrennte Ausweisung der Wochenenden, die die AG.MA vor einem Jahr eingeführt hat, ermöglicht es doch den Kunden aus dem Bereich der schnelldrehenden Konsumgüter, am Einkaufstag Samstag detaillierte Werbeumfeld-Daten zu bekommen. Zurück zu den Zahlen, die belegen, dass im Osten Fehler schnell bestraft werden: Während Antenne Thüringen dieses Mal verliert (minus 22 Prozent), meldet die Landeswelle bei der ersten MA des Jahres 2012 ein Plus von elf Prozent auf 130.000 Hörer. In Sachsen-Anhalt muss Radio SAW mehr Hörer abgeben, als bei der letzten MA hinzugekommen sind – nämlich 40.000 auf jetzt 335.000 Hörer pro Werbestunde.

Den Zweikampf in Niedersachsen entscheidet dieses Mal wieder keiner für sich – nur die Verluste fallen unterschiedlich groß aus. Weitere 64.0000 Hörer muss Hit-Radio Antenne abgeben – auf nun 315.000 Fans. Radio FFN lässt nur 4000 Hörer ziehen – und zählt immerhin noch 469.000 Hörer. Der Abstand wird damit immer größer. Zu den Gewinnern zählen auch bundesweite Wellen wie das junge Techno-Radio Sunshine Live (plus 14,2 Prozent), das erneut wächst.

In der zweimal jährlich veröffentlichten Erhebung untersucht die Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (AG.MA) die Radionutzung der deutschen Bevölkerung ab zehn Jahren. Die Reichweite aller Werbewellen steigt bei der MA 2012 Radio I leicht an um 0,14 Prozent oder 33.000 Hörer. Eine Durchschnittsstunden-Reichweite von 23,34 Millionen attestiert die AG.MA allen ausgewiesenen beworbenen Sendern. Die ARD-Wellen haben bei der MA 2012 Radio I erneut leicht abgegeben – um 0,8 Prozent. Das heben die Privaten dieses Mal mehr als wieder auf – und gewinnen insgesamt 1,1 Prozent Reichweite hinzu.

Befragt hat die Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse mehr als 65 000 Menschen nach ihren Lieblingswellen. Zum dritten Mal wird die Radionutzung für Werktage und für das Wochenende separat ausgewiesen. Zuvor sind die Reichweite pro Stunde von Montag bis Samstag ermittelt worden. Erfreulich - die Hördauer bleibt mit 199 Minuten auf sehr hohem Niveau (siehe unten).


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.