Die Politiker sind laut Gäbler als eingeladene Gäste fast zur Randgruppe geworden. Von den 152 Gästen in den ersten 32 Sendungen seien gerade einmal 30 aktive Politiker gewesen. "Die größte Gästegruppe sind Medienfiguren, vor allem Menschen, die bereits aus dem Fernsehen bekannt sind: Journalisten, Moderatoren, Köche, Big-Brother-Teilnehmer, Schauspieler etc.", hält der Medienexperte fest. Er nennt Dieter Thomas Heck, Peter Kraus, Howard Carpendale, Jürgen Milski aus "Big Brother", RTL-Moderatorin Nazan Eckes, Tim Mälzer, Tim Raue oder Veronica Ferres.

ARD-Neuzugang Jauch habe beispielsweise sein Gespräch mit Kanzlerin Angela Merkel souverän gemeistert. Aber er stellt auch einen gravierenden Nachteil fest. "Es ist die Haltung, respektive die Frageperspektive, die Günther Jauch eingenommen hat: Ich will verstehen, bitte erklär mir die Welt. Jauch macht sich zum Anwalt der Zuschauer, indem er deren einfache Fragen stellte. So etwas kann immer wieder erhellend sein. Es beschränkt aber auch die eigene Aktionsmöglichkeit. Er kann nicht zum Wissenden wechseln, der Kanzlerin nicht Zahlen, Daten oder frühere Beschlüsse vorhalten. Er kann nicht eine radikale Gegenposition beziehen."

Bernd Gäbler gilt nicht als Freund der neuen ARD-Strategie. Schon vor Beginn der neuen Programmierung hat er die Strategie bemängelt, verstärkt auf Talk zu setzen. In seiner Otto-Brenner-Untersuchung "...und unseren täglichen Talk gib uns heute!" hat er unter anderem die mangelnde Vielfalt der Sendungen, oft wiederkehrende Gäste und den Talk als Ersatzparlament kritisiert. Nach Marktanteilen hat sich die Reform nicht ausgezahlt: Alle Talkmaster, die bereits im Herbst 2010 im Ersten zu sehen gewesen sind, haben an Zuschauern sowie Marktanteilen verloren. Einzig Günther Jauch bringt mal mehr, mal weniger stabile Quoten - mit der starken Vorlage durch den Sonntags-"Tatort".


Autor: Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.