M.DuMont Schauberg :
Aus für die "Frankfurter Rundschau"

"Eine unverzichtbare Stimme": Überraschend hat der Verlag der "Frankfurter Rundschau" Insolvenz angemeldet. Herbe Anzeigenverluste sind eine der Gründe.

Text: Gregory Lipinski

Die zu M.DuMont Schauberg (MDS) gehörende "Frankfurter Rundschau" steht vor dem Aus. Die Geschäftsführung der Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main (Frankfurter Rundschau) hat an diesem Dienstag beim Amtsgericht Frankfurt Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter ist Rechtsanwalt Frank Schmitt bestellt worden. Derzeit werde die aktuelle Vermögenslage der Gesellschaft eingesehen und geprüft, sowie mögliche Sanierungsansätze besprochen, heißt es vom Verlag.

Massive Umsatzverluste im Anzeigen- und Druckgeschäft in der ersten Hälfte des laufenden Jahres, seien der Grund für den Antrag. Man habe keine Chance mehr auf ein "Verlassen der Verlustzone" und keine Perspektive zur Fortführung der Tageszeitung mehr gesehen.

Die Hauptgesellschafter M. DuMont Schauberg (MDS) und Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft (ddvg) lobten zwar den Sparwillen der Redaktion:  "Es ist in den vergangenen Jahren mit großem Einsatz sowohl der Geschäftsführung in Frankfurt als auch der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gelungen, ehrgeizige Kostenziele zu erreichen." Aber dennoch wären die Einbrüche im Anzeigen- und Druckmarkt zu groß gewesen. Man habe als Hauptgesellschafter in den vergangenen acht Jahren einen beachtlichen Millionenbetrag in das Verlagshaus investiert. Und auch die Mitarbeiter der "Frankfurter Rundschau" hätten durch Gehaltsverzicht ihren Beitrag geleistet, um die Zeitung zu retten. "Unser Ziel war es, der deutschen  Medienlandschaft eine aus unserer Sicht unverzichtbare Stimme zu erhalten". Große Gewinne habe man nie erwartet. Aber die hohen Verluste seien dennoch "nicht länger darstellbar". Es sei nun bitter für die Mitarbeiter, besonders weil es auch gelungen wäre, über das Tabloid-Format und die App neue junge Zielgruppen zu gewinnen.

Um 14.30 Uhr waren am Dienstagnachmittag die Führungskräfte über das weitere Schicksal der Zeitung informiert worden, anschließend die Mitarbeiter. Die Geschäftsführung der "FR" will nun offenbar mit dem vom Gericht eingesetzten Sachwalter ein Konzept entwickeln, um den Titel weiter zu führen. Fraglich ist allerdings, was dann aus der Zeitung wird: Überlebt das Blatt weiter in Digitalform oder wird sie am Ende komplett eingestellt?

Mit der Insolvenz steht eine Ikone des deutschen Journalismus vor dem Ende. Die Zeitung hatte in den vergangenen Jahren mit verschiedenen Maßnahmen versucht, aus der Verlustzone zu steuern. Dafür nahm sie gravierende Veränderungen in Kauf. Sie änderte ihr Format auf Tabloid, um mehr Leser zu gewinnen. 2010 bildet sie mit der "Berliner Zeitung", dem "Kölner-Stadt-Anzeiger" eine Redaktionsgemeinschaft, um aus der finanziellen Misere zu kommen. Nichts von alledem half gegen den weiter schleichenden Untergang der überregionalen Tageszeitung. gl/aj