Studie :
Automatisierter Journalismus wird bleiben

Das Tow Center for Digital Journalism der Columbia Journalism School hat eine Analyse veröffentlicht, die sich mit automatisiertem Journalismus und seinen Folgen befasst.

Text: Susanne Herrmann

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Algorithmen, die Nachrichten generieren? Die aufkeimende Automatisierung der Redaktionen durchzuckte die Branche: Würden Journalisten nun arbeitslos? Werden Nachrichten damit billiger für die Medienhäuser - und besser und glaubwürdiger für die Leser? Das Tow Center for Digital Journalism der Columbia Journalism School hat eine Analyse veröffentlicht, die sich mit automatisiertem Journalismus und seinen Folgen befasst. Der Verfasser Andreas Graefe ist auch für die LMU in München tätig und hat schon für den Pay-TV-Sender Sky gearbeitet. Der "Guide to Automated Journalism" fasst unter anderem den aktuellen Stand der Forschung zum Thema Roboterjournalismus zusammen und geht den eingangs gestellten Fragen nach.

Graefe kommt zu dem Schluss, das automatisierter Journalismus dann gut funktioniere, wenn es um wiederkehrende Themen auf Basis klarer Daten gehe. "Dann sind Algorithmen in der Lage, Nachrichten schneller, umfassender und mit weniger Fehlern zu erstellen als menschliche Journalisten." Algorithmen könnten mit denselben Daten Themen von verschiedenen Blickwinkeln aus darstellen, in verschiedenen Sprachen und auf den Leser zugeschnitten.

Nicht geeignet sei der automatisierte Journalismus, wenn es keine oder nur wenige Daten gebe. Auch könnte er nicht neue Phänomene erklären oder Gründe, warum etwas geschieht, liefern. "Während Algorithmen beschreiben können, was geschieht, können sie keine Interpretationen liefern, warum etwas geschieht", schreibt Graefe. Daher seien sie begrenzt in ihren Möglichkeiten, die Gesellschaft zu beobachten oder journalistische Aufgaben wie Orientierung und Meinungsbildung zu erfüllen.

Dennoch werde die Automatisierung die Art journalistischer Arbeit verändern - abhängig von den Aufgaben und Fähigkeiten der einzelnen Journalisten. Denen rät Gräfe, sich auf Aufgaben zu konzentrieren, die Algorithmen nicht erledigen können: Analysen, Interviews, Investigativrecherche. Wer nur Routineaufgaben erledige, werde nach und nach ersetzt.

Was die Leser angeht, so würden sie nach aktuellem Stand der Technik, der hauptsächlich automatisierte Nachrichten aus den Bereichen Sport und Finanzen liefert, diese zwar als eher langweilig, aber auch ein wenig glaubwürdiger empfinden als die Nachrichten von Menschenhand. 

"Der automatisierte Journalismus ist angekommen - und wird bleiben", prophezeit Graefe. Nicht zuletzt aufgrund der zunehmenden Datenvolumina und der Sparbestrebungen der Medienhäuser. Was bleibt ist die Frage, wie transparent die Unternehmen ihren Umgang mit Algorithmen machen.


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Und setzt sich als ehemalige Textchefin und Gelegenheitslektorin für Sprachpräzision ein. Ihre Lieblingsthemen reichen von abenteuerlustigen Gründern über Super Bowl bis Video on Demand – dazwischen bleibt Raum für Medien- und Marketinggeschichten.



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