VPRT-Analyse :
Bezahlfernsehen boomt, Umsatz wächst weiter

Mehr Programme, mehr Abonnenten, mehr Einnahmen: Der Branchenverband VPRT meldet erneut Rekordwerte für Abo-Fernsehen und bezahlte Video-on-Demand-Angebote.

Sky-Chef Carsten Schmidt bedient mit seinen Programmen lineares wie nonlineares Fernsehen.
Sky-Chef Carsten Schmidt bedient mit seinen Programmen lineares wie nonlineares Fernsehen.

Mehr Programme, mehr Abonnenten, mehr Einnahmen: Der Branchenverband Verband Privater Rundfunk und Telemedien VPRT meldet erneut Rekordwerte für Abo-Fernsehen und bezahlte Video-on-Demand-Angebote. Die zum vierten Mal durchgeführte Befragung der Marktteilnehmer ergab: Die Abo-Erlöse stiegen 2015 um 12 Prozent auf rund 2,49 Milliarden Euro (2014: 2,22 Milliarden Euro), im deutschsprachigen Raum wurden rund 2,7 Milliarden Euro (2014: 2,4 Milliarden Euro) erzielt - die Erwartungen aus dem Vorjahr (2,4 Mrd./2,6 Mrd.) wurden damit sogar noch leicht übertroffen.

Das ist ein sattes Plus - verglichen mit der ersten VPRT-Erhebung 2012 sind die Umsätze mit zahlenden Zuschauern sogar um mehr als 30 Prozent gestiegen. Auf die werbefreien Video-on-Demand-Angebote von Anbietern wie Netflix, Amazon Prime oder Maxdome entfallen von den knappen 2,5 Milliarden Umsatz nur etwa 0,3 Mrd. Euro - der ganze Rest geht an die Pay-TV-Anbieter und deren Abrufprogramme. Doch seien die VoD-Anbieter eine Bereicherung für den Markt und helfen der positiven Entwicklung im Abo-Fernsehen, sagt Katharina Behrends, Managing Director German Speaking Territories von NBC Universal International Networks.

Der VPRT geht für den Gesamtmarkt trotz der Rekordwerte von weiterem Wachstum aus. Für 2016 prognostiziert der Verband für den Pay-TV- und Paid-Video-on-Demand-Markt einen Anstieg des Umsatzvolumens um 8 bis 11 Prozent auf ca. 2,8 Milliarden Euro in Deutschland, rund 3 Milliarden Euro in der DACH-Region.

VoD bringt weniger in die Abo-Kassen, wächst aber stärker (Grafik: VPRT).

VoD bringt weniger in die Abo-Kassen, wächst aber stärker (Grafik: VPRT).

Ein Ende scheint also noch nicht in Sicht. Behrends von NBC Universal: "Pay-TV ist nach wie vor ein starker Wachstumsmarkt im deutschsprachigen Raum." Als einen der Treiber dieser Entwicklung sieht sie "klar positionierte Genresender, die jeweils exklusive, hochwertige und innovative Programme linear und nonlinear anbieten". Ein anderer sei "die Programmvielfalt, die über alle Genres hinweg keine Wünsche offen lässt", fasst Frank Giersberg zusammen, Mitglied der Geschäftsleitung, Markt- und Geschäftsentwicklung, beim VPRT.

Der Pay- und VoD-Boom bedeutet also nicht das Ende des linearen Fernsehens, sondern eine Ergänzung. Da sind sich alle Pay-TV-Vertreter einig, die bei der Präsentation der erfreulichen VPRT-Ergebnisse anwesend waren. "Wir bedienen beides", stellte Sky-Geschäftsführer Carsten Schmidt klar.

Die Zahl der in Deutschland abonnierbaren Pay-TV-Programme liegt mittlerweile bei 105 Sendern (2014: 90). Dieses Angebot nutzen in Deutschland rund 7,4 Millionen Abonnenten (Vorjahr: 7 Mio.) und etwa 8,2 Millionen in der DACH-Region (Vj.: 7,7 Mio.). Auch hier geht der Verband davon aus, dass sich weitere Kunden gewinnen lassen, nämlich rund 400.000 Neukunden für 2016 in Deutschland, eine runde Million im deutschsprachigen Sendegebiet.

Blöd nur, dass diese Nutzer von der Reichweitenmessung nicht vollständig erfasst werden; das erschwert nicht zuletzt die Werbevermarktung der Angebote von Plattformvermarktern wie Sky Media. Die durchschnittlich erfasste monatliche Reichweite von Pay-TV-Programmen in Deutschland lag 2015 bei 11,73 Millionen Zuschauern pro Monat (Vorjahr: 10,31; Quelle: AGF) und im ersten Halbjahr 2016 bei 12,42 Millionen TV-Sehern pro Monat.

Es fehlen hier aber die nonlinearen Abrufe. Und diese Portale nehmen an Bedeutung - auch für die Reichweiten - zu. Wie aktuell eine Studie der Bitkom bestätigt, streamen 77 Prozent aller Internetnutzer ab 14 Jahren Videoinhalte, 25 Prozent über kostenpflichtige Dienste. Vor allem die 14- bis 49-Jährigen 

Sky-Chef Schmidt ist folglich nicht zufrieden damit, wie die Reichweiten abgebildet werden. Während er weiter mit der AGF den Dialog über die Erfassung nonlinearer TV-Nutzung führt, hat Sky Media eine eigene Messung eingeführt, um die "Verbreitungswege besser zu kapitalisieren", sagt Schmidt. Mit dem Projekt 15K (W&V berichtete) baut Sky Media ein Panel auf, mit dem das Mediennutzungsverhalten in 15.000 Sky-Haushalten direkt über die Set-Top-Boxen gemessen wird. In der AGF sind Schmidt zufolge 440 Sky-Haushalte vertreten.

Bei der Reichweitenmessung sind nur wenige Abo-Haushalte vertreten, nonlineares Fernsehen wird nicht abgebildet (Grafik: VPRT).

Bei der Reichweitenmessung sind nur wenige Abo-Haushalte vertreten, nonlineares Fernsehen wird nicht abgebildet (Grafik: VPRT).

Was die Werbeerlöse angeht, ist ja ohnehin im Pay-TV-Segment noch Luft. Der Gesamtwerbemarkt (Free- und Pay-TV) wird dem VPRT zufolge dieses Jahr leicht wachsen (netto um 2 bis 3 Prozent). Für 2017 bis 2021 geht der Verband davon aus, dass die linearen Angebote hinsichtlich der Werbeeinnahmen stabil bleiben, während nonlineare und interaktiv verbreitete Inhalte "eine hohe Wachstums- und Innovationsdynamik" entwickeln.

Wie groß die Toleranz der Zuschauer für Werbung innerhalb der Bezahlangebote ist, bleibt abzuwarten. Solange es keine Unterbrecherwerbung gibt und die Prerolls kurz sind, wird es wohl dabei bleiben, dass trotz einer Prise Werbung "der deutsche Zuschauer bereit ist, für Inhalte zu bezahlen", wie Marco de Ruiter sagt, Geschäftsführer der Fox Networks Group.

Damit es bei diesem Wachstum der Abo-Erlöse bleibt, investieren die Pay-TV-Anbieter derzeit massiv in ihre Programme, sowohl was Einkäufe angeht als auch Eigenproduktionen und technische Leistungen. Denn am Ende muss der Konsument glücklich sein - egal, ob er sich linear berieseln lässt oder sein Lieblingsprogramm auf Abruf genießt.

Die VPRT-Studie "Pay-TV in Deutschland 2016" können Sie hier herunterladen. Die Marktdaten basieren auf Expertenbefragungen, eigenen Erhebungen des VPRT und Hochrechnungen sowie der Auswertung von Sekundärquellen.  


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Und setzt sich als ehemalige Textchefin und Gelegenheitslektorin für Sprachpräzision ein. Ihre Lieblingsthemen reichen von abenteuerlustigen Gründern über Super Bowl bis Video on Demand – dazwischen bleibt Raum für Medien- und Marketinggeschichten.



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