Kennzeichnen von unbearbeiteten Fotos :
Bildagentur Getty nimmt den Kampf gegen Photoshop auf

Die US-Bildagentur Getty reagiert auf ein neues Gesetz in Frankreich, das Fotografen dazu verpflichtet, retuschierte Bilder von Models zu kennzeichnen.

Text: Petra Schwegler

Photoshop-Panne im Sommer 2016: Die Achseln dieses indischen Models waren zu perfekt, um wahr zu sein.
Photoshop-Panne im Sommer 2016: Die Achseln dieses indischen Models waren zu perfekt, um wahr zu sein.

Medienhäuser wissen ab sofort bei der Abnahme von Modelaufnahmen aus dem Hause Getty Images, ob die Motive der jungen Frauen mit Photoshop nachbearbeitet wurden. "Seit dem 1. Oktober 2017 übernimmt Getty Images als weltweit erste Bildagentur keine Bilder mehr von Models in die Datenbank, deren Körperform retuschiert wurde, um sie schlanker oder fülliger erscheinen zu lassen", heißt es in einer Ankündigung vom Mittwoch.

Zwar orientiert sich Getty  mit diesem Beschluss an einem neuen Gesetz in Frankreich, das Fotografen ab sofort dazu verpflichtet, Bilder zu kennzeichnen, bei denen die Figur von Models verändert wurde. Doch engagieren sich die Amerikaner bereits seit 2014 dafür, dass die Zahl realistischer authentischer Bilder von Frauen im eigenen Bildbestand zunimmt. Stichwort: "Getty Images Lean In Collection".

Mit Inkrafttreten der neuen Pariser Regelung will Getty nun nach eigenen Angaben, "dass etwaige Bilder gar nicht erst Teil des Stockangebots werden können". Und rollt den neuen Standard zur Einreichung von Creative-Bildern zur kommerziellen Nutzung weltweit aus.

Getty verzeichnet steigende Nachfrage

Geschäftsschädigend dürfte sich der Verzicht auf Photoshop-Ergebnisse nicht auswirken, bemerkt doch die Bildagentur nach eigenen Angaben eine erhöhte Kundennachfrage nach "realistischen authentischen Frauenbildern". So seien beispielsweise Suchbegriffe wie "Authentizität" und "Real Life" um 104 Prozent und 99 Prozent im letzten Jahr bei Getty Images gestiegen, heißt es.

Retusche ist das Eine – Jugendschutzorganisiationen kritisieren etwa seit Jahren das vorzugsweise magere Bild in Medien und Mode, dem junge Frauen auf Kosten ihrer Gesundheit nachzueifern versuchen. Doch so manch einer übertreibt und tappt regelrecht In die "Photoshop-Falle" – wenn etwa der Bauchnabel auf dem Foto oder gar eine ganze Pobacke fehlt. Die Kosmetikmarke Dove hat dem retuschierten Ideal aus der Werbung seit Jahren den Kampf angesagt. 


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.