Festival of Media :
Breaking-Bad-Macher Gilligan: "Kein Vorwurf" an illegale Seriengucker

Welche kreativen Tipps der "Breaking-Bad"-Macher Vince Gilligan der beim Festival of Media versammelten Media-Gemeinde gibt.

Text: Thomas Nötting

Die amerikanische Erfolgserie "Breaking Bad" ist ein Social-Media-Phänomen. Über neun Millionen Fans zählt die Geschichte vom Familienvater, der zum skrupellosen Drogenboss wird, inzwischen auf ihrer Facebook-Fanseite. Für den Produzenten und Macher der Serie, Vince Gilligan, ist das Zusammenspiel von Social Media und Streaming-Angeboten wesentlich für den Erfolg der Serie. "Heute kann jeder eine bequem eine Serie schauen, wann er möchte", sagte der Produzent am Dienstag im Rahmen des Media-Kongresses Festival of Media. "Früher haben serielle Formate nicht so gut funktioniert. Das hat sich völlig verändert."

Die Kehrseite: Immer mehr Zuschauer laden sich Serien wie "Breaking Bad" illegal im Netz herunter. "Diesen Leuten", will Gilligan "aber nicht wirklich einen Vorwurf machen." Verantwortlich seien die Unternehmen, die es nicht schafften, "dass eine Serie auf der ganzen Welt zur gleichen Zeit verfügbar ist". Dies sei die einzige Möglichkeit, illegale Downloads zu begrenzen. Der Erfolgsproduzent wurde am Dienstagmorgen per Videokonferenz der Konferenz zugeschaltet, die derzeit in Rom stattfindet. Der TV-Macher hatte auch einige Ratschläge an die dort versammelten Media- und Marketing-Experten.

Wie entwickelt man eine solch erfolgreiche Idee wie die TV-Serie "Breaking Bad"? Gilligans Rezept ist einfach und schwer zugleich - wie wohl jeder kreative Prozess. Geboren wurde die Idee zur Serie bereits 2004 "in einem Telefonat mit einem Freund", so Gilligan. Der machte damals eine berufliche Durststrecke durch und scherzte bitter, ob es nicht besser sei, "ein Christal-Meth-Labor zu eröffnen". "Seitdem war diese Idee in meinem Kopf", sagte der Produzent. Einige Jahre "war ich selbst in diesem mittleren Alter wie der Protagonist Walter White, so wurde die Idee konkret". Im Kern habe er erzählen wollen, "wie ein Good Guy zu einem Bad Guy wird". Dass die Serie ein Erfolg würde, stellte sich allerdings erst recht spät heraus: "Noch in der zweiten Staffel gab es Überlegungen, die Serie zu beenden."

Wie überzeugt man Geldgeber von einer Idee? Gilligans Ratschlag an die Werbe-Manager: "Sei begeistert von deinem Produkt." Als Produzent müsse man "ein guter Verkäufer" sein. Dazu brauche man "echte Leidenschaft" um Studios und TV-Unternehmen zu überzeugen. Ein anderer Rat, der auf die Welt des Marketings übertragbar ist: "Kreation ist Teamarbeit." Nicht er allein, ein ganzes Autorenteam habe die Geschichte rund um Walter White geschaffen. "Man muss dabei den Autoren wirklich das Gefühl von Teilhaberschaft geben", so Gilligan. Während des kreativen Prozesses können sich Ideen stark verändern. So sollte die zweite Hauptfigur Jessie Pinkman, gespielt von Aaron Paul, eigentlich am Ende der ersten Staffel sterben. "Doch das kam uns dann nicht mehr richtig vor." Über die Serie hat Gilligan bereits im Herbst 2013 mit W&V Online gesprochen. Hier das Video:


Autor:

Thomas Nötting
Thomas Nötting

ist Leitender Redakteur bei W&V. Er schreibt vor allem über die Themen Medienwirtschaft, Media und Digitalisierung.