Darum nimmt RTL-Group-Chef Gerhard Zeiler seinen Hut

Erstmals äußert sich der scheidende RTL-Group-Chef Gerhard Zeiler über die Gründe für seinen Wechsel zu Turner - an seinem letzten Arbeitstag in Luxemburg.

Text: Petra Schwegler

18. Apr. 2012

Am Mittwoch, 18. April, am letzten Arbeitstag von Gerhard Zeiler nach neun Jahren als CEO der RTL Group, wird klar, warum der Österreicher Europas größten TV-Konzern verlässt: "Für mich ist es reizvoll, mich mit neuen Ländern und Märkten zu beschäftigen. Da sehe ich Möglichkeiten, die ich bei der RTL Group nicht hatte", sagt der 56-Jährige jetzt der Wochenzeitung "Zeit" – bevor er an die Spitze von Turner Broadcasting International wechselt. Die Überschneidungen bei den Märkten der beiden internationalen Fernsehkonzerne seien nicht sehr groß, sagt Zeiler weiter. "Ob das Konkurrenz ist, darüber gehen die Betrachtungen auseinander. Aber auf einen Streit wollte sich niemand einlassen, weder Bertelsmann noch ich."

Zeiler, der bei Bertelsmann einen bis 2015 laufenden Vorstandsvertrag hatte, bestreitet gegenüber der "Zeit“, vertragsbrüchig geworden zu sein. Gerhard Zeiler wörtlich: "Als CEO der RTL Group hatte ich einen luxemburgischen Arbeitsvertrag ohne Befristung. Der Arbeitnehmer kann nach einer Kündigung spätestens nach drei Monaten gehen. Der Arbeitnehmer bin in dem Fall ich." Noch ein letztes Mal nimmt er die RTL-Familie in Schutz –und reagiert auf den Vorwurf des neuen ZDF-Intendanten Thomas Bellut, RTL transportiere in seinem Programm ein fragwürdiges Menschenbild. "Bei RTL ist es wie mit Bayern München. An dem Starken reibt man sich. Wenn der neue Intendant in die Zeitung kommen will, sagt er etwas gegen RTL", kontert Zeiler, der in den vergangenen Jahren immer wieder gern als Spitzenpolitiker oder TV-Manager in seinem Heimatland Österreich gehandelt worden ist.

Gelassen reagiert der Fernsehmanager in dem "Zeit“-Gespräch auf die neue Konkurrenz durch die Web-Giganten und Technologiekonzerne. "Was die Werbung betrifft, tritt YouTube zu uns in Konkurrenz wie andere Onlineanbieter auch. Aber auch Google und Apple werden unsere Inhalte benötigen, wenn sie mitspielen wollen." Zur Erinnerung: Die Bertelsmann-Tocher RTL Group ist mit einem Umsatz von 5,8 Milliarden Euro das größte Rundfunkunternehmen Europas und betreibt 46 TV- und 29 Radiosender in neun Ländern. Die Aufgaben Zeilers bei der RTL Group übernehmen ab Donnerstag gemeinsam die deutsche RTL-Chefin Anke Schäferkordt, Guillaume de Posch, seit Kurzem im Board der RTL Group für das internationale Fernsehgeschäft zuständig, und an ihrer Seite weiterhin Finanzer Elmar Heggen.


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.



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