Gehaltstabelle :
Das verdient heute ein Redakteur

Die Krise der Medienbranche lässt sich an den Löhnen ablesen. Eine exklusive Gehaltstabelle für W&V Online zeigt, dass Jungredakteure ebenso deutlich unterbezahlt sind wie junge Agenturmitarbeiter. Ein Tarifvertrag bleibt mehr Traum als Wirklichkeit.

Text: Anja Janotta

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Die Medienbranche steckt in der Krise. Wenn man es nicht schon wüsste, könnte man es spätestens an der Gehaltstruktur ablesen - denn die spricht eine deutliche Sprache, wie eine exklusive Auswertung von Gehalt.de für W&V Online zeigt. Bei 40.400 Euro liegt demnach das durchschnittliche Jahresgehalt der Medienschaffenden. Rechnet man das auf 12 Monate um, kommt man gerade mal auf ein Gehalt von 3367 Euro und einen Stundenlohn von knapp unter 20 Euro.

Auch Tarifverträge scheinen keine Richtschnur mehr zu sein. Das gilt vor allem für junge Redakteure, die für ihren Traumjob offenbar auch eine geringe Entlohnung in Kauf nehmen. 30.200 Euro Jahresgehalt verdient im Schnitt ein Redakteur mit unter drei Jahren Berufserfahrung und ohne Personalverantwortung - knappe 2.500 im Monat (Stundenlohn: 14,70 Euro). Auch mit einer Berufserfahrung von drei bis sechs Jahren reicht es laut der Erhebung nur für 36.700 Euro im Jahr - oder: 3058 Euro im Monat. Oder, umgerechnet auf ein Stundengehalt in einer 40-Stunden-Woche: 18 Euro.

Zum Vergleich: Der Tarifvertrag für Tageszeitungsredakteure sieht zum Beispiel deutlich mehr vor. Im ersten bis dritten Jahr sollen es 3155 Euro pro Monat sein, im Jahr vier bis sechs immerhin 3661 Euro. Wohlgemerkt, ein Redakteur erhält laut Tarif nicht 12, sondern 13,5 Monatsgehälter. Erst ab dem neunten Berufsjahr nähern sich Wirklichkeit und geforderte Tarifhöhe ein wenig aneinander an: 4216 Euro im Monat (oder 50.600 Euro im Jahr) verdient nach der Erhebung von Gehalt.de ein Redakteur mit dieser Berufserfahrung. Der Tarifvertrag weist 4224 Euro für Redakteure aus, die keine besonderen Aufgaben oder Führungsverantwortung und mindestens neun Jahre Berufserfahrung haben. Aber auch hier müssten noch Weihnachts- und Urlaubsgeld eingepreist werden, die der Tarifvertrag einfordert, von Augenhöhe kann deswegen nicht die Rede sein.

Der Tarifvertrag gilt zudem längst nicht mehr für alle Tageszeitungsredakteure. Offizielle Daten fehlen, aber in der Branche wird geschätzt, dass nur noch die Hälfte der Redaktionsleute die Vorteile eines Tarifvertrags genießt. Auffällig an der Gehaltstabelle ist aber, dass einige wenige ältere Redakteure durchaus noch "Goldene Zeiten" und eine Tarifbindung erlebt haben. Medienarbeiter mit über 45 Jahren Alter verdienen im Schnitt zwar auch nur 50.100 Euro im Jahr, aber immerhin markieren 65.500 Jahresgehalt die obere Grenze. Das entspricht in etwa den tariflich vorgesehenen 4684 Euro eines Redakteurs mit über 15 Jahren Berufserfahrung.

Damit dürfte die Gehaltsmisere der Medienbereich in etwa vergleichbar sein mit der Kreativbranche, die oft wegen ihrer geringen Einstiegsgehälter gescholten wird. Eine jüngst bei W&V Online erschienene Gehaltstabelle für Kreativarbeiter weist auch nur ein durchschnittliches Jahresgehalt von 42.900 Euro aus. Mit 29.600 Euro durchschnittlichem Jahresgehalt kann ein Anfänger mit unter drei Jahren Berufserfahrung rechnen.

Die vorliegende Gehaltstabelle fußt auf 797 Datensätzen von Redakteuren in verschiedenen Medien, die keine Personalverantwortung haben. Teilzeitgehälter wurden auf Vollzeitgehälter umgerechnet.


Autor:

Anja Janotta, Redakteurin
Anja Janotta

seit 1998 bei der W&V - ist die wohl dienstälteste Onlinerin des Hauses. Am liebsten führt sie Interviews – quer durch die ganze Branche. Neben der W&V-Morgenpost, Kreativ- und Karrierethemen schreibt sie ab und zu was völlig anderes - Kinderbücher. Das jüngste dreht sich um  ein paar nerdige Möchtegern-Influencer.



7 Kommentare

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Anonymous User 30. September 2015

Sind da die Zuwendungen durch die Automobil-/Tourismusbranche schon mit drin?

Anonymous User 30. September 2015

Da ich dummerweise nicht zu den Alltagsnazis von Pegida gehöre, sondern im Gegenteil der Meinung bin, dass in diesem Boot noch mehr Platz ist, kommt mir das Wort "Lügenpresse" nicht über die Lippen oder die Finger. Die einzigen, die lügen, sind die der BILD. Der Rest der Journaille betreibt wahlweise PR oder propagandistisches Appeasement bei Parteien und Eliten, mit denen sie sich solidarisieren, weil sie glauben, dass sie mit ihnen im letzten Waggon sitzen dürfen, der vielleicht an der Kante hängenbleibt, wenn der vordere Rest des Zuges in den Abgrund fällt. Beispiele gefällig?
"Wir müssen Gerhard Schröder dankbar sein" - Ulf Poschardt, Welt, 2013
"Die Agenda 2010 mag Deutschland vorangebracht haben, aber sie hat dieses Land auch gespalten." - Marc Brost, Die ZEIT, 2013
"Die Kürzung [der Bezugszeit für Arbeitslosengeld] ist dennoch berechtigt, weil Fordern heute wichtiger ist als Fördern." - Marc Beise, Süddeutsche, 2010
"Die Flächentarifverträge aufbrechen; den Kündigungsschutz einschränken; befristete und geringfügige (325-Euro-Jobs) Beschäftigung ausweiten. Die Arbeitslosenversicherung schrittweise abschaffen. (...) Auch in Deutschland könnte endlich ein Niedriglohnsektor für Geringqualifizierte entstehen." - Michael O. R. Kröher und Henrik Müller, Manager Magazin, 2002
"Stattdessen soll die geplante "Radikalkur gegen Arbeitslosigkeit" (SPIEGEL 27/2002) Punkt für Punkt in Gesetzesform gegossen werden - auch wenn die Besitzstandswahrer noch so mosern." - Michael Sauga, Spiegel, 40/2002
Über die Verflechtung von Politik und Verlagen (Springer/Union, Madsack/SPD, Bertelsmann/FDP...) ist an anderer Stelle Zeit und Raum. Auch für Uwe Krüger.

Anonymous User 30. September 2015

@ jj Preston: Das ist ja mal ein spannender Standpunkt. Wann fällt das Stichwort "Lügenpresse"? Klingt nach wilden Verschwörungstheorien. Schon mal in eienr Redaktion gewesen? Ich schon: Alles nicht haltbar. Dass nicht mehr jedes Presserzeugnis höchste Qualität liefert, ist leider eine Tatsache. Der Rest dieses Geschwurbels vom Journalisten, der Verleger und Politik dient, krude Fantasie.

Anonymous User 30. September 2015

Tja, vielleicht wird es Zeit, sich einem seriöseren Berufsbild zuzuwenden? Denn seien wir doch mal ganz ehrlich: Es gibt doch kaum noch Medien, die etwas anderes sind als Verkündungsautomaten für Regierungspositionen und Unternehmensinteressen. Tages- und Wochenzeitungen sowie wöchentliche Magazine gehören doch in geradezu inzestuöser Weise einer Handvoll Multimullionärsfamilien - Funke/Grotkamp, duMont, Springer, Bertelsmann/Mohn, Madsack+DDVG/SPD, Burda, Schaub. Da sind die Madsacks schon die ärmsten, weil sie als einzige nicht zu den 500 reichsten Deutschen gehören. Dann kommen die duMonts auf Platz 330...

Das ist halt die Strafe dafür, dass man willfährig auf Geheiß der Schröder-Freunde für Hartz IV und Arbeitspräkarisierung getrommelt hat und heute kritiklos zur Alternativlosigkeit der Vermerkelung steht. Nun trifft halt die schreibende Zunft die eigene Medizin. Ich hab da genau so viel Mitgefühl wie die bertelsmanngetriebenen Schreiberlinge damals mit Arbeitslosen und den kommenden Zeitarbeitern...

Wenn's Euch nicht passt - in den Müllverbrennungsanlagen werden jederzeit Produktionshelfer aus der Zeitarbeit gesucht, um sortenfremden Abfall vor der Verbrennung vom Laufband zu ziehen...

Anonymous User 29. September 2015

Hier geht es doch um das Gehalt der Branche und nicht um Männer oder Frauen. Das ist ein anderes Thema und hat hier nichts verloren. Danke.

Anonymous User 29. September 2015

Mir wird ebenfalls schlecht, wenn ich lese, was eine Frau in einer Führungsposition hier von sich gibt. "Dabei können gerade Frauen viele Dinge besser als Männer".
Gleichstellung 4.0 oder was? Unabhängig vom Geschlecht gibt es gute und schlechte Führungskräfte.
Außerdem sollten Sie an Ihrer Rechtschreibung und Orthographie arbeiten. Oder sind Frauen da einfach schlechter als Männer? :-)

Anonymous User 28. September 2015

Mir wird ganz schlecht. Frauen verdienen immer viel weniger weil es immer so war. Dabei können gerade Frauen viele Dinge besser als Männer z.B. Führen. Als ich noch rein journalistisch gerarbeitet habe habe ich immer darauf geachtet das ein Mann nicht mehr verdient als ich. Deshalb bin ich Führungskraft geworden und das lasse ich mir auch nicht mehr nehmen,. Fraen müssen lernen für Ihre Rechte einzustehe.

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