Bordexemplare kosten Sprit :
Der Umwelt zuliebe: Lufthansa ersetzt Printhefte durch E-Paper

Die Lufthansa-Fluggäste erhalten ab 21. Januar weniger gedruckte Zeitungen und Zeitschriften an Bord der Maschinen. Das Unternehmen setzt auf umweltfreundlichere E-Journals.

Text: Petra Schwegler

15. Jan. 2016 - 2 Kommentare

Die Lufthansa reduziert ab 21. Januar die Print-Auflage bei Zeitungen und Magazinen zugunsten von digitalen Ausgaben. Das Unternehmen begründet den Schritt damit, dass weniger Gewicht an Bord mitfliegen müsse, was einen geringeren Kerosinverbrauch zur Folge habe. Der Konzern muss sparen. E-Journals seien zudem umweltfreundlicher und nachhaltiger, da kein Papier, keine Druckfarben und keine Logistik für die Distribution benötigt würden, wie die Fluggesellschaft am Donnerstag verkündet.

Die Lufthansa tröstet die Verlage, die die Flugzeige noch mit ihren Bordexemplaren bestücken, mit der Aussicht auf den Mehreinsatz von E-Paper-Ausgaben: Die Einführung von E-Journals verbessere das Angebot für Kunden, heißt es weiter. Das Unternehmen verspricht den Fluggästen künftig eine "deutlich erweiterte Auswahl von deutschsprachigen und internationalen Magazinen und Zeitungen" durch die verstärkte Nutzung von E-Paper-Angeboten der Medien.

Mit der Digitalisierung ihres Leseangebotes sieht sich die Lufthansa voll im Trend: Rund zweieinhalb Stunden am Tag nutzen Menschen in Deutschland durchschnittlich ihr Smartphone oder Tablet. Auch ein Großteil der Fluggäste führe mindestens ein mobiles Endgerät auf Reisen mit sich, so die Lufthansa. Die Voraussetzung zum Konsum der digitalen Ausgaben sieht die Fluggesellschaft ergo gegeben.

Das Prozedere: Ab 21. Januar können alle Lufthansa-Fluggäste ab drei Tagen vor ihrem Flug mit der Eingabe ihres Buchungscodes oder der Ticketnummer und des Namens online zwei E-Journals ihrer Wahl auf ihr elektronisches Gerät herunterladen. Fluggäste, die per E-Mail vor dem Flug eine Benachrichtigung mit Details zu ihrer Reise erhalten, haben diese Möglichkeit bereits seit Anfang Januar. Ab März wird die Lufthansa in einem zweiten Schritt ihren Gästen, je nach Reiseklasse und Vielfliegerstatus, unterschiedlich viele Downloads anbieten. Zusätzlich ist es möglich, weitere Digital-Zeitungen oder -Zeitschriften gegen eine Gebühr zu erwerben. Die Lektüre steht nach dem Flug als PDF-Datei unbegrenzt zur Verfügung.

Ganz ohne Papier geht es dann doch nicht: In den Lounges, auf Flügen in der First- und Business Class sowie an den Flughäfen in Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Stuttgart, Frankfurt und München werden zusätzlich auch weiterhin Zeitungen und Magazine in der gedruckten Version angeboten.

Bord-Zeitschriften wurden ohnehin seit Jahren reduziert. Nie gab es mehr als im Jahr 2008. Damals waren es mehr als 3,8 Millionen. Seitdem gehen die Zahlen jedoch beständig zurück. Anfang 2010 waren es erstmals wieder weniger als drei Millionen Bordexemplare. Immer mehr Verlage verzichten aufgrund der hohen Kosten für die künstliche Auflagen-Steigerung inzwischen komplett auf die mitfliegenden Titel. Das könnte sich mit den digitalen Ausgaben wieder ändern.


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.



2 Kommentare

Kommentieren

Anonymous User 15. Januar 2016

Finde ich gut, hauptsächlich geht es hier natürlich um den geringeren Kerosinverbrauch durch die Gewichtsersparnis und um das breitere Angebot bei e-papern.
Die "Kraniche" haben es übrigens gesagt, dass sie dadurch Geld sparen weil sie weniger Kerosin verbrauchen. Die CO2-Ersparnis bei jeder Gewichtsreduktion ist ein angenehmer Nebeneffekt.
Und klar ist drucken nicht so schädlich wie fliegen, aber ein Heft das nicht gedruckt werden muss ist immer noch besser als eines, dass einfach nur rumliegt, genau wie ein voller Flugzeugsitz umwelttechnisch besser ist als ein leerer Sitz.

Anonymous User 15. Januar 2016

Liebe Kraniche,
selbstverständlich steht es jedem frei, sich gegen Print- und für E-Zeitungen zu entscheiden. Dies jedoch damit zu begründen, es sei „umweltfreundlicher und nachhaltiger, da kein Papier, keine Druckfarben (...) benötigt würden“, nimmt man Euch – ausgerechnet einer Fluggesellschaft – wohl kaum ab.
Seid doch einfach ehrlich und sagt, dass Ihr noch eine Möglichkeit gefunden habt, ein paar Euros zu sparen. Leider auf Kosten des Lesevergnügens Eurer Passagiere – die Umwelt merkt davon gar nichts. Denn Drucken per se ist nicht umweltschädlich. Es unterliegt insbesondere in Deutschland strengsten gesetzlichen Auflagen. Zudem wird Papier recycelt, Farben sind abbaubar, viele Druckereien überprüfen freiwillig regelmäßig ihre Energie- und CO2-Bilanz bzw. kompensieren ihre Produktionen durch Investitionen in international anerkannte Emissionsminderungsprojekte. Damit gehört die Druckindustrie seit Jahren zu den grünen Vorreitern in Deutschland.
Statt also eine ziemliche saubere Branche öffentlich in Misskredit zu bringen, könntet Ihr vielleicht mal wieder Geschirr spülen, statt es wegzuwerfen und auch ansonsten gern noch etwas vor dem eigenen Nest kehren.

Weitere Infos über klimafreundliches Drucken gibts beim Bundesverband Druck und Medien unter: www.bvdm-online.de/themen/umwelt

Diskutieren Sie mit