Goldmedia-Studie :
Deutsche Serienjunkies schauen lieber fremd

Enormes Potenzial für TV-Sender und Streaming-Portale: 73 Prozent der Deutschen schauen laut Goldmedia regelmäßig mindestens eine Serie im TV oder online. Deutsche Produktionen laufen jedoch Gefahr, abgehängt zu werden.

Text: Nicole Mork

Die Deutschen sind Serienjunkies. Für viele Zuschauer sind die Sendungen mit meist großen Emotionen ein fester Anker in ihrem Alltag und nicht mehr wegzudenken. Besonders serienaffin sind die jüngeren Zielgruppen. Fast 90 Prozent der 18- bis 19-Jährigen haben eine Lieblingsserie. Das Angebot der Sender RTL, ProSieben und ARD kommt besonders gut an, gefragt sind aber vor allem US-amerikanische Serien. Das zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Befragung der Forschungs- und Beratungsgruppe Goldmedia.

Während drei Viertel der im Juni 2015 befragten Erwachsenen mindestens eine Serie regelmäßig anschauen, verfolgen 38 Prozent zwei bis drei Sendungen und 23 Prozent sogar vier und mehr. Das beliebteste Format ist die "Soap" oder auch "Doku-Soap", gefolgt von Krimi und Thriller sowie Comedy.

Während bei den älteren Zuschauern fast 40 Prozent der über 50-Jährigen die Soap zu ihrem Lieblingsserienformat zählen, sind die Vorlieben der 18- bis 29-jährigen Zuschauer wesentlich breiter gefächert. Von Comedy über Soaps bis hin zu Drama, Fantasy und Krimi ist alles dabei. Speziell die Us-amerikanischen Serien haben es dem Nachwuchs dabei angetan. Erst mit zunehmendem Alter werden die Produktionen aus Deutschland/Europa wieder interessant.

"Über 80 Prozent der Lieblingsserien der 18- bis 39-Jährigen kommen aus den USA. Positiv formuliert, gibt es für deutsche Produktionen in Sachen Serien noch viel Luft nach oben. Content is and will be king – der Inhalt ist es, dem die Zuschauer über alle Plattformen folgen", sagt Florian Kerkau, Geschäftsführer Goldmedia.

Auch bei den beliebtesten Serienanbietern unterscheiden sich die Ergebnisse nach Altersgruppe. Zu den Top-Seriensendern zählt neben RTL und ProSieben auch die ARD. Bemerkenswert allerdings ist, dass sich mit Amazon und Netflix bereits zwei reine Video-on-Demand-Channels in die Top-Ten-Liste der beliebtesten Serienanbieter eingereiht haben. Bei den jungen Zuschauern rücken die beiden VoD-Anbieter sogar in die Top 5 vor.

Wie die Befragung von Goldmedia zeigt, haben Jüngere Zuschauerdie jüngeren Zielgruppen eine deutlich höhere Affinität zu Serien, allerdings verbunden mit vielfältigen Genrevorlieben. Sie wünschen sich flexible Vod-Angebote, die über einen linearen 24-Stunden-Programmplan weit hinausgehen. "Gefragt ist mittelfristig mehr Mut zum Risiko bei Programm-Akquisitionen und Eigen- oder Auftragsproduktionen. Wenn Fernsehsender keine Antwort auf die erfolgreichen Serien der Genres Krimi/Thriller und Comedy der anderen Anbieter finden, werden wenige private und besonders VoD-only-Angebote à la Netflix und Amazon Prime Instant Video bei den jüngeren Zuschauern weiter punkten", sagt Mathias Wierth, Associate Partner Goldmedia.