In Deutschland ist der bekannteste Versuch, unterschiedliche Zielgruppen auf jeweils eigenen Kanälen erreichen zu wollen, sicherlich Gabor Steingarts Media Pioneer mit einer Mischung aus Newslettern, Podcasts und Events. Die aktuelle kontroverse Diskussion (hier und hier) zu diesem Angebot zeigt aber auch, dass zum Start eines diversifizierten Angebotes Geld und Reichweite hilfreich sind, um die notwendige Aufmerksamkeit zu schaffen. Am anderen Spektrum gibt es bereits viele kleinere Newsletter-Angebote, die deutlich fokussierter auf ihre Zielgruppe eingehen. Unser Portfolio-Unternehmen Followistic kann Verlagen dabei helfen, das Nutzer*innen-Engagement zu erhöhen, indem automatisch generierte Themen-Newsletter speziell für die einzelnen Leser*innen versendet werden.

Wenn die These von Jeff Jarvis stimmt, dann stellen sich vor allem zwei Fragen: Ist Deutschland als Medienmarkt für florierende Nischen groß genug und gibt es genügend Journalist*innen, die den Mut haben, neue Formate auszuprobieren und diese dann auch konsequent selber zu monetarisieren? Die über Jahrzehnte gelernte Trennung von Redaktion und Verlag / Vermarktung muss hier zwangsläufig überwunden werden, was ein Umdenken erfordert, dass durchaus herausfordernd sein kann. Und andersherum gilt es zu beantworten: Wann ist der Leidensdruck der Leser*innen so groß, dass kein Interesse mehr am herkömmlichen Modell besteht? Und trifft das auf einen entsprechenden Überdruss bei den Angestellten in den Verlagen, um gemeinsam neue Projekte jenseits des guten alten Massenformates zu starten?

Der Markt wird weiter in Bewegung bleiben und für die großen Medienhäuser wird es immer schwieriger werden, ihre gewachsenen Apparate mit den Anforderungen der Leser*innen überein zu bringen. Zum Abschluss ein Beispiel, das Mut macht: RUMS aus Münster hat es geschafft, über einen kostenfreien Newsletter eine Conversion von Interessent*innen in zahlende Abonnent*innen für lokalen Qualitätsjournalismus zu erreichen. Zwar ist RUMS bisher nicht gewinnorientiert aufgestellt, aber ein mutmachender erster Schritt auf dem Weg in eine neue Medienvielfalt.

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