RTL - ProSiebenSat.1 - Ströer :
Digitalumsätze halten Medienkonzerne auf Kurs

Das Fernsehgeschäft bringt kein fettes Wachstum mehr für die Sendergruppen RTL und ProSiebenSat.1. Ebenso wie beim Außenvermarkter Ströer mehren sich vor allem die Geschäfte im Digitalen.

Text: Susanne Herrmann

Konzernzentrale von Ströer in Köln.
Konzernzentrale von Ströer in Köln.

Deutschlands größte Sendergruppen RTL und ProSiebenSat.1 sind durchwachsen in das Geschäftsjahr gestartet. Die Zahlen fürs erste Quartal weisen deutliche Unterschieden bei Umsatz und Gewinn aus. Auch Außernwerbevermarkter Ströer legte seine Quartalszahlen vor. Ein Überblick.

RTL

Die Bertelsmann-Tochter RTL Group ist im Jahresvergleich schwach in das neue Geschäftsjahr gestartet. Umsatz und operativer Gewinn (Ebitda) gingen um 1,9 auf 1,4 Milliarden Euro und 8,3 Prozent auf 264 Millionen Euro zurück. Als Grund gibt die Bertelsmann-Tochter weggebrochene Produktionserlöse nach dem Auslaufen der Sendung "American Idol" vor einem Jahr im US-Sender Fox an. Das Umsatzwachstum bei der deutschen Sendertochter RTL Deutschland habe diesen Effekt nicht vollständig ausgleichen können.

Die RTL Group betreibt im Gegensatz zu ProSiebenSat.1 keine Internetportale, sondern treibt die Digitalisierung und das Produktionsgeschäft neben dem klassischen Sendergeschäft voran. Nach Angaben des Unternehmens, zu dem 57 Fernseh- und 31 Radiosendern in Europa zählen, ist der Digitalumsatz mit der Produktion und Vermarktung zum Beispiel von Videos bei Youtube im ersten Quartal um rund 48 Prozent gewachsen. Detailzahlen nennt die RTL Group nicht.

RTL Deutschland erwirtschaftete 168 Millionen Gewinn (erstes Quartal 2016: 169 Mio. Euro). Erfreut teilt der Sender mit, dass hinsichtlich der Zuschauermarktanteile zum Beispiel das Schwesterprogramm Vox Wettbewerber ProSieben überholt hat.

Das RTL-Management bleibt aber bei seiner Prognose für das Gesamtjahr mit einem Umsatzplus von 2,5 bis 5 Prozent - als Triebfeder dafür nennt die Unternehmensführung die Digitalgeschäfte und RTL Deutschland. "Nach einem außerordentlich starken ersten Quartal 2016 mit frühen Osterfeiertagen sind wir im ersten Quartal 2017 jetzt zu einem normalen Geschäftsverlauf zurückgekehrt", teilten die Unternehmenschefs Bert Habets und Guillaume de Posch mit.

Der Mutterkonzern Bertelsmann meldete für das erste Quartal 2017 einen Gewinnzuwachs von 7 Prozent auf 198 Millionen Euro. Der Umsatz fiel leicht (minus 0,25 Prozent) auf 3,94 Milliarden Euro. Neben RTL gehören unter anderem der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr, der Dienstleister Arvato, der Buchverlag Penguin Random House und BMG als Musikrechteverwerter zu Bertelsmann.

ProSiebenSat.1

Für das 1. Quartal 2017 meldete der Fernsehkonzern dank der Übernahme der Partnervermittlungen Parship und Elite-Partner zwar einen Umsatzschub. Aber der Gewinn vor Zinsen und Steuern sank um 11 Prozent auf 109 Millionen Euro.

Die Erlöse stiegen um 13 Prozent auf 910 Millionen Euro. Doch die Kosten legten noch stärker zu. Wichtigste Säule des Unternehmens war weiterhin das werbefinanzierte Fernsehen, mit einem Umsatzanstieg um zwei Prozent auf 502 Millionen und einem Anstieg des Betriebsergebnisses (Ebitda) um 4 Prozent auf 137 Millionen Euro. Aber: Die TV-Werbeumsätze machen den Münchnern Sorge. Nachdem das erste Halbjahr schwächer als erwartet ausfallen wird, rechnet ProSiebenSat.1 mit einem Wachstum des deutschen TV-Werbemarkts um 1,5 bis 2,5 Prozent. Damit senkte der Konzern die Spanne leicht; erwartet worden waren zunächst 2 bis 3 Prozent.

Das Geschäft mit Internetportalen wie Parship oder Verivox und Onlineshops wie Flaconi bringt zwar deutlich weniger Rendite, wächst aber kräftig: Der Umsatz dieser Sparte legte - vor allem dank der Übernahmen - auf 229 Millionen Euro zu, das Betriebsergebnis auf 37 Millionen Euro.

Insgesamt generierte ProSiebenSat.1 zum Abschluss des Quartals bereits 50 Prozent der Umsätze außerhalb des TV-Werbegeschäfts (Vorjahr: 43 Prozent) und hat etwa 70 Prozent seines mittelfristigen Umsatzwachstumsziels für das Jahresende 2018 erreicht.

Konzernchef Thomas Ebeling bekräftigte die Finanzziele für das laufende Jahr. Ein Umsatzlpus im hohen einstelligen Prozentbereich soll es werden. Der Umsatz 2018 soll bei 4,5 Milliarden Euro liegen, davon werden wohl 37 Prozent die Digitalgeschäfte beisteuern.

Ströer

Der Werbevermarkter Ströer ist unter anderem dank Übernahmen und einem hohen Wachstum im Digitalgeschäft stark gewachsen. Nach den ersten drei Monaten des Jahres liegt der Konzern auf Kurs zu seinen Jahreszielen. Der Umsatz sei im ersten Quartal um 24 Prozent auf 281 Millionen Euro gestiegen. Bereinigt um Übernahmeeffekte habe das Wachstum nahezu neun Prozent betragen.

Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen sei um ein Fünftel auf 56 Millionen Euro gestiegen. Damit erfüllte Ströer bei beiden Werten in etwa die Markterwartungen. Konzerngründer und Co-Chef Udo Müller bestätigte auf Basis der Zahlen des ersten Quartals erwartungsgemäß die Prognosen für das laufende Jahr. Demnach soll der Umsatz auf rund 1,3 (2016: 1,12) Milliarden und das operative Ergebnis von 285 Millionen Euro im Vorjahr auf mehr als 320 Millionen Euro zulegen.

Der Umsatz stieg bei Ströer Digital um satte 59 Prozent auf 148 Millionen Euro, der Gewinn auf 35 Mllionen. Out-of-Home Deutschland legte um immerhin 5 Prozent auf 114 Millionen Euro Umsatz zu, Out-of-Home International (Türkei, Polen) schloss 3,5 Millionen Euro unter Vorjahr mit 26,6 Millionen Euro.

Ströer hatte zuletzt einige andere kleinere Wettbewerber, aber auch das Internetportal T-Online und den Statistikanbieter Statista gekauft. Mit diesen Übernahmen will Ströer unabhängiger vom Stammgeschäft mit der Außen- und Plakatwerbung werden. So betreibt das Kölner Unternehmen unter anderem schon die Seiten Giga.de, Spieletipps.de und Wetter.info.

sh/mit dpa


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Und setzt sich als ehemalige Textchefin und Gelegenheitslektorin für Sprachpräzision ein. Ihre Lieblingsthemen reichen von abenteuerlustigen Gründern über Super Bowl bis Video on Demand – dazwischen bleibt Raum für Medien- und Marketinggeschichten.