"Informieren, nicht spekulieren“ :
DJV verteidigt Sorgfalt vieler Medien nach Silvester-Vorfällen

Der Deutsche Journalisten-Verband nimmt Medien gegen Vorwürfe der Parteilichkeit für Flüchtlinge und der Nachrichtenunterdrückung über gewalttätige Vorfälle in der Silvesternacht in Schutz.

Text: Petra Schwegler

Sind Medien träge und verschleiern sie Vorgänge, wenn sie wie im Fall der Silvester-Vorfälle in Köln und Hamburg erst nach umfassender Recherche einige Tage später berichten? Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) nimmt jedenfalls die Medien am Dienstag gegen einseitige Vorwürfe der Parteilichkeit für Flüchtlinge und der Nachrichtenunterdrückung über gewalttätige Vorfälle in der Silvesternacht in Schutz. Nachrichtenflaggschiffe wie die "Tagesschau" der ARD oder Spiegel Online haben erst zu Beginn dieser Woche die Ausschreitungen thematisiert und teils fiese Kommentare im Social Web für die aus Sicht der User späte Berichterstattung kassiert.

"Journalisten müssen informieren, aber nicht spekulieren", stellt der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall in einer Mitteilung klar. Nur spärlich seien Informationen über gewalttätige Ausschreitungen gegenüber Frauen am Kölner Hauptbahnhof und auf der Hamburger Reeperbahn durchgesickert. Dass es sich bei den Tätern um Bewohner von Flüchtlingsheimen mit nordafrikanischer Herkunft handeln solle, sei bis jetzt nicht polizeilich bestätigt. "Eine nicht durch solide Recherchen gedeckte Verdachtsberichterstattung ist nicht nur unvereinbar mit den Prinzipien des professionellen Journalismus, sondern auch innenpolitisch brandgefährlich", so Überall.

Der DJV stehe hinter allen Medien, die den Pressekodex einhielten, bekräftigt Überall. In Richtlinie 12.1 des Pressekodex heißt es: 

"In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte.

Inzwischen hat die Kölner Polizei eingeräumt, dass erste Meldungen zu den Vorfällen nicht gestimmt hätten. Dass regionale Medien wie etwa der Kölner "Express" bereits wenige Stunden später mit teils reißerischen Schlagzeilen über die Eskalationen berichteten, nehmen Beobachter den Blättern übrigens übel. Das Netz geht mit den Redaktionen der Kölner Zeitungen hart ins Gericht. Hier ein Beispiel:

Update: Das ZDF, das noch später als die ARD über die Ereignisse in Köln berichtete und am Dienstagabend ein Special nach der "heute"-Sendung platzierte, räumt inzwischen ein, die Brisanz des Themas nicht richtig eingeschätzt zu haben.


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.