Die Möglichkeit, feste Presseplätze anderen akkreditierten Journalisten zu überlassen, hat das Gericht dieses Mal eingeräumt. So ist dieser nachträgliche Tausch möglich. Verlage wie Gruner + Jahr, Springer oder auch Süddeutscher Verlag sind zumindest vertreten – auch wenn die Vergabe an ihre Titel "Brigitte", "Bild" und "SZ Magazin" erst einmal für Kopfschütteln gesorgt hat. Die Profiteure – kleine Lokalsender wie etwa die nichtkommerziellen Angebote Radio Lora München und Radio Lotte Weimar – könnten indes von ihrem Los profitieren und sich neue Hörerschichten erarbeiten. Die Chefredaktion von Radio Lotte kann die Verärgerung einiger Medien nach dem Losentscheid über die Presseplätze beim Münchner NSU-Prozess aber durchaus nachvollziehen. "Wenn sie das jetzt juristisch austragen wollen, kann man ihnen das nicht verwehren", meint Chefredakteur Shanghai Drenger gegenüber der "dpa". Er persönlich finde den Ausgang auch etwas unglücklich, das Auslosen sei aber legitim gewesen. Das kleine Weimarer Bürgerradio wird mit einem eigenen Reporter in München vor Ort sein. Der Sender und mit ihm andere Bürgermedien in Thüringen (unter anderem Radio F.r.e.i. Erfurt, Wartburgradio Eisenach und OK Gera) würden mit Friedrich Burschel einen erfahrenen Journalisten und Experten für Neonazismus in Deutschland entsenden, der an mehrere Jahre als Leiter der bundesfinanzierten Netzwerkstelle gegen Rechtsextremismus bei Radio Lotte und eine kurze Phase als unser Chefredakteur anknüpfen könne, heißt es auf Anfrage in der Programmdirektion.

Unterdessen steht fest, dass das OLG zumindest eine Nachverlosung einplanen muss - wegen Pannen bei der Vergabe von Plätzen an ARD-Sender. Der WDR gibt in der Folge ein Kontingent zurück, weil es fälschlicherweise und trotz Rückzug des Senders vom Gericht verteilt worden ist. Zudem überlegt ein freier Journalist den Gang nach Karlsruhe, weil er im ersten Anlauf einen Platz als Prozessberichterstatter ergattert hat, im Losverfahren dann aber nicht mehr zum Zuge gekommen ist.


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.