TV-Quoten :
Dschungelcamp schließt mit Traumquote

Die Macher bei RTL sind zufrieden: Mit einem Marktanteil von 34 Prozent und ordentlich Social-Media-Getöse hat sich "Ich bin ein Star - holt mich hier raus!" gelohnt.

Text: Susanne Herrmann

Die Macher bei RTL sind zufrieden: Mit einem Marktanteil von 34 Prozent und ordentlich Social-Media-Getöse hat sich "Ich bin ein Star - holt mich hier raus!" 2016 gelohnt. Das große Finale ab 22.15 Uhr sahen zwischendurch sogar bis zu 9,23 Millionen Zuschauer. Im Schnitt waren es 8,6 Millionen. In der Zielgruppe der 14- bis 59-Jährigen, die RTL ausweist, lag der Marktanteil sogar bei 43,3 Prozent (6,72 Mio.). So verwundert es kaum, dass RTL weiter auf das Format setzen wird: Nach Angaben des Privatsenders ist für 2017 nach derzeitigem Stand wieder eine Dschungelshow geplant. Ein "Sommercamp" aber wie 2015 werde es in diesem Jahr nicht geben.

Sieger der Jubiläumsstaffel ist Menderes Bagci. 81,11 Prozent der Zuschauer wählten den 31-Jährigen zum Dschungelkönig. Platz zwei ging an It-Girl Sophia Wollersheim, 28, Dritter wurde Ex-Fußballprofi Thorsten Legat, 47. Die vorher abgegebenen Prognosen erwiesen sich damit als falsch. Laut einer Yougov-Umfrage waren 23 Prozent der Befragten davon ausgegangen, dass Brigitte Nielsen erneut gewinnen würde. Allerdings gaben sich 29 Prozent "ratlos", machten keine Angabe oder sagten "Weiß nicht". Immerhin 11 Prozent sahen Bagcis Sieg kommen. Der Castingshow-Teilnehmer und Dauer-DSDS-Kandidat hatte Tränen in den Augen, als er Samstagnacht auf den Dschungelthron stieg und von den Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwich Zepter und Krone überreicht bekam. "Ich bin einfach völlig baff", sagte der neue Dschungelkönig. 

Es ist ein Sieg der Freundlichkeit über das Dauer-Mobbing, ein Sieg der schüchternen Mittelmäßigkeit über Zickenkrieg und Attitüden: Bagci trat stets ruhig und zuvorkommend auf - und erwies sich als widerstandsfähiger, als so mancher dem ewig Scheiternden zugetraut hatte. "Ich hatte einige negative Phasen in meinem Leben. Die haben mich so geprägt und so belastet, dass ich die Phase, in der es mir wieder gut ging, viel mehr geschätzt habe", erklärt Menderes Bagci. Bis dahin war er der Fernsehgemeinde allein durch sein immer wieder vergebliches Antreten bei der Casting-Show "Deutschland sucht den Superstar" bekannt gewesen. Bagci auf dem Dschungelthron: "Das ist ein tolles Gefühl, dass man jetzt hier gewonnen hat, weil ich bisher noch nie was gewonnen habe." 

2015 hatten 7,43 Millionen Menschen das Finale eingeschaltet - damals hatte die einstige "Glücksrad"-Buchstabenfee Maren Gilzer gewonnen. Im Staffelschnitt erreichten die 16 Ausgaben des RTL-Dschungelcamps 2016 stets zwischen 6 und 8 Millionen Menschen. Die zehnte Staffel kommt auf einen Seherdurchschnitt von 7,1 Millionen Zuschauern (MA: 28,6 %). Damit lag die Staffel über der Vorjahresausgabe und war beim Gesamtpublikum sowie in der Zielgruppe die vierterfolgreichste aller zehn bisherigen Dschungelstaffeln. Der Schnitt der Vorjahres-Staffel lag bei 6,8 Millionen Menschen. Damals hatte es viel Kritik gegeben: zu oft Langeweile, zu wenig Kracher. Darauf hatten die Macher 2016 mit neuen Regeln und einem erweiterten Teilnehmerkreis reagiert - das Rezept ging auf. 

Casting und Dramaturgie seien in der jetzigen Staffel deutlich besser gewesen, sagt die Fernsehforscherin Joan Kristin Bleicher von der Universität Hamburg der DPA. Einzelne Teilnehmer wie Bagci hätten die Zuschauer überrascht - oder wie TV-Anwältin Helena Fürst polarisiert. Dennoch: Immer gleiche Dschungelprüfungen hätten sich nach zehn Staffeln abgenutzt, resümiert Bleicher.

RTL jubelt auch über weitere Formate seines Samstagabends: "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) holte in der Primetime "neue Staffel-Rekordwerte bei Gesamtpublikum und Zielgruppe", teilt der Sender mit: 5,76 Millionen (MA: 17,7%) sahen die Musik-Castingshow. Das bescherte RTL des Tagessieg am Samstag mit einem Tagesmarktanteil von 14,8 Prozent (ARD 13,3%; ZDF 9,3%). Um 20.15 Uhr landete das ZDF mit dem Krimi "München Mord: Kein Mensch, kein Problem" (5,59 Millionen, 17,1%) auf dem zweiten Rang. Für Konkurrenz blieb da wenig Platz: Das Drama "Im Zweifel" in der ARD sahen 3,11 Millionen Zuschauer (9,5%), die Komödie "Prakti.com" auf ProSieben 1,28 Millionen (4,0%).   (sh/dpa)

Und hier noch für eingefleischte Fans von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" die skurrilsten Zitate aus 16 Tagen Dschugelcamp:

"Ich geh' mit allem rein, was ich hab. Das ist nicht viel."
(It-Girl Sophia Wollersheim vor dem Camp-Einzug)

"Mir ist ein großes Herz lieber wie die deutsche Sprache."
("Big Brother"-Teilnehmer Jürgen Milski über Ex-Fußballer Thorsten Legat (47))

"Es gibt nur ein Wort dafür: niveaulos, charakterlos und schamlos."
(Legat, während Sänger Günther Gabriel vor laufender Kamera ins Meer pinkelte)

"Kasalla!"
(Legat immer mal wieder)

"Pisst einer im Stehen und ich soll das sehen, knall' ich ihn weg."
(Legat mit klarer Ansage)

"Mein körperlicher Zustand ist erbärmlich."
(Gabriel vor seinem freiwilligen Auszug aus dem Camp.)

"Ich hatte 'ne kleine Konfro mit der Nathalie."
(TV-Anwältin Helena Fürst nach den ersten Zickereien mit Ex-"Topmodel"-Kandidatin Nathalie Volk im Camp)

"Ich wusste genau, worauf ich mich einlasse. Ich komme von RTL."
(Fürst ganz generell)

"Die hat doch nichts erreicht, die Furzfrau."
(Legat über Fürst)

"Du hast Protagonisten-Erfahrung."
(Fürst zu Legat)

"Wer A sagt, muss auch B vertragen können."
(Fürst nach einem Streit mit Legat)

"Ich könnte mich mit dem Holz unterhalten. Das würde mich eher verstehen."
(Fürst nach etlichen Diskussionsrunden)

"Die Veganer, das ist ein Volk, die sind voll intelligent."
(Schauspieler David Ortega über seine Pläne, Ketchupburger im Veganstyle zu vertreiben)

"Meine Cojones sind aktiviert und möchten was sagen."
(Ortega mit unklarer Äußerung)

"Ich bin unterfragt."
(Ortega, als er zum Thema Orgasmus befragt wurde)

"Am Ende ist es ein Punkt. Ein Punkt, bis hierhin, und jetzt kann ich schlafen."
(Ortega zur selben Frage)

"Pflanzen sind die allerintelligentesten Lebewesen auf der ganzen Welt. (...) Pflanzen sind introvertiert, so dass sie sich gar nicht zeigen wollen."
(Ortega über Pflanzen)

"Ich finde, es ist ja nicht negativ wie ich bin."
("DSDS"-Dauerkandidat Menderes Bagci über die Kritik an ihm)

"Deswegen bin ich ja auch engagiert worden, um einen kulturellen Touch hier reinzubringen."
(Schauspieler Rolf Zacher über seine Qualifikation)

"Ich hätte für sie gesungen, ich hätte für sie gepupst."
(Ex-TV-Talker Ricky Harris nach einer gemeinsamen Dschungelprüfung mit Fürst, die diese abgebrochen hat)

"Es war das schwierigste Dschungelcamp überhaupt für mich."
(Volk, nachdem sie das erste Mal dabei war)

"Jetzt spielt die Raffinesse auch eine besondere, klare Antwort."
(Legat an Tag 13)

"Ich glaube, ich verlasse das Camp nicht als Normaler."
(Legat mit Blick aufs Ende)


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Und setzt sich als ehemalige Textchefin und Gelegenheitslektorin für Sprachpräzision ein. Ihre Lieblingsthemen reichen von abenteuerlustigen Gründern über Super Bowl bis Video on Demand – dazwischen bleibt Raum für Medien- und Marketinggeschichten.