Ebiquity zum Bruttowerbeumsatz :
"DSDS" überzeugt Werbekunden

In Zeiten erlöschender Lagerfeuer ist jedes Wachfeuer willkommen. Was TV-Höhepunkte für Werbekunden betrifft, bleibt die RTL-Show "Deutschland sucht den Superstar" ein Sammelpunkt.

Text: Susanne Herrmann

Freude: Hier jubelt der Sieger von "DSDS" 2017, Alphonso Williams (M.). Auch für RTL war "Deutschland sucht den Superstar" Grund zur Freude.
Freude: Hier jubelt der Sieger von "DSDS" 2017, Alphonso Williams (M.). Auch für RTL war "Deutschland sucht den Superstar" Grund zur Freude.

1985: 23,42 Millionen. 1999: 18,06 Millionen. 2014: 5,85 Millionen.

Spätestens das darauf bald folgende Aus für "Wetten, dass ...?" machte noch dem Letzten deutlich: Die Zeiten, in denen sich zig Millionen Menschen gleichzeitig vor dem Fernseher dieselbe Sendung anschauen, sind vorbei. (Sieht man einmal von Spielen der deutschen Fußballnationalmannschaft bei WM und EM ab, reißt maximal ein guter "Tatort" noch die zweistellige Millionengrenze.)

Die Samstagabendshow ist nicht tot, aber sie muss sich in Zeiten digitaler Konkurrenzangebote bescheidener geben. Die Währung ist der Marktanteil, insbesondere der bei den werberelevanten Zielgruppen.

Und da gehört "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS), seit 2002 im Repertoire von RTL, zu den letzten Leuchttürmen. Selbst die jüngste Staffel, am vorigen Wochenende mit schwächeren Quoten als gewohnt zu Ende gegangen, kann sich durchaus sehen lassen, was die Beteiligung der Zuschauer zwischen 14 und 49 Jahren angeht. Zwar musste sie sich hin und wieder den Krimis im Öffentlich-rechtlichen geschlagen geben, vergleicht man die jungen Marktanteile jedoch mit den Samstags-Primetime-Shows der Wettbewerber, lag "DSDS" bei 18 Shows 2017 lediglich zweimal zurück (am 8. April gegen die Elstner-Gala "Top, die Wette gilt" und am 1. April gegen "Verstehen Sie Spaß", beide ARD).

Werbekunden wissen "DSDS" zu schätzen

Blöd nur: Bei ARD und ZDF läuft am Hauptabend keine Werbung. Bei RTL dagegen schon. Genau 515,9 Minuten inklusive Sonderformate waren es bei den "DSDS"-Folgen der Staffel 14. Das hat Ebiquity für W&V berechnet. Hellmut Fischer, General Manager Ebiquity DACH: "Die abgelaufene Staffel von 'Deutschland sucht den Superstar' verdeutlicht anhand der Brutto-Werbeausgaben, dass das Format weiterhin Relevanz bei den Werbungtreibenden genießt."

In Summe bedeutet das für RTL sehr erfreuliche 66,98 Millionen Euro Einnahmen - brutto. Auch wenn das ein bisschen weniger ist als 2016 (minus 6,3 Prozent) - aber viel mehr als 2014 und 2015. Und massiv mehr als im reichweitenstarken Dschungelcamp, das 2017 den Brutto-Rekord von 38 Mio. Euro erzielte (aber mit ein paar Sendetagen weniger als "DSDS").

Wer jetzt noch behauptet, "DSDS" sei für RTL kein Erfolg, ist vielleicht ein bisschen naiv.

Auswertung von Ebiquity zu den Brutto-Werbeausgaben für "Deutschland sucht den Superstar".

Auswertung von Ebiquity zu den Brutto-Werbeausgaben für "Deutschland sucht den Superstar".

Am meisten Werbeeinnahmen brachte die Show vom 8. April (4,34 Millionen Euro brutto). Die teuerste Werbesekunden in "DSDS" gab es am 4. März mit einem Durchschnittspreis von 2860 Euro pro Sekunde. Folge 3 am 18. Januar kam hier auf 1.749 Euro.

Fischer: "Das Format 'DSDS' hat so gesehen bei der Werbewirkung durchaus noch Strahlkraft und stößt bei den Werbekunden auf Zuspruch, wenn es darum geht, eine breitere Zielgruppe zu einer attraktiven Sendezeit zu erreichen. Gleichzeitig dürfte es spannend sein, wie viel Aufmerksamkeit die etablierte Sendung mit konstantem Musik-Castingshow-Konzept für Werbungtreibende auch in Zukunft bieten kann."

RTL ist "sehr zufrieden"

Wenn die Werbekunden glücklich sind, ist es auch der Kölner Privatsender. Zum Beispiel, was die Auslastung angeht: "Alle klassischen Werbeplätze waren verkauft, was die Nachfrage nach reichweitenstarken Umfeldern widerspiegelt", erklärt Cordelia Wagner, die Sprecherin des RTL-Vermarkters IP Deutschland.

Die Kölner haben ja vor vier Jahren ihre werberelevante Zielgruppe nach oben erweitert - und verweisen auf die so erreichten "potenziellen Konsumenten" von 14 bis 59. Hier seien im Durchschnitt 2,5 Millionen Zuschauer pro "DSDS"-Folge dabei gewesen - das spreche "eine eindeutige Sprache".

Wer wirbt bei "DSDS"?

Wrigley’s hatte eine spezielle Markeninszenierung gebucht: Die "Time to Shine"-Lounge bot einen Rückzugsort für die Kandidaten. Das Product-Placement wurde durch Framesplits ergänzt.

Am intensivsten warben im "DSDS"-Umfeld der IP zufolge die Branchen Kommunikation, Ernährung, Verkehrsmittel, Körperpflege, Handel, Touristik, Getränke, Pharmazie, Finanzen sowie Haus- und Gartenausstattung. Ein breiter Branchenmix für eine erwartbar breite Zielgruppe.

Die Sonderwerbekunden (Sponsoring, Promotion) hat Ebiquity nach ihren Werbeausgaben ermittelt. Hier investierte (brutto nach Listenpreisen) die dänische Reisesuchmaschine Momondo am meisten. Gut dabei waren wie in den Vorjahren Brauereien und Filmproduktionen.

Was geht non-linear?

Soweit das lineare Fernsehen. Hinzu kommen die Onlineabrufe- und -werbebuchungen. Die Bewegtbild-Werbeplätze, meldet die IP, waren ebenfalls ausgelastet.

An Zuschauern kommen zum linearen Staffelschnitt von 3,64 Millionen pro Show noch einmal mehrere Millionen dazu, die "Deutschland sucht den Superstar" online gesehen haben, zum Beispiel via TV Now und RTL.de. Die Reichweite aus Sicht der Werbekunden damit erfrischend hoch.


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Die Lieblingsthemen von @DieRedakteurin reichen von abenteuerlustigen Gründern über Medien und Super Bowl bis Streaming. Marketinggeschichten und außergewöhnliche Werbekampagnen dürfen aber nicht zu kurz kommen.