Duales System in Schiefstlage? Streit um ARD-Sportradio schwelt weiter

VPRT-Vizepräsident Klaus Schunk meldet sich erneut zu Wort und ist sauer, dass der WDR das Vorhaben eines EM-Sportradios nicht komplett zu den Akten legt...

Text: Petra Schwegler

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Auch wenn der WDR einen Rückzieher beim geplanten ARD-Sportradio gemacht und die Verbreitung auf dem bundesweiten Digitalkanal Event abgeblasen hat – die Wogen glätten sich nicht.

Nochmals meldet sich VPRT-Vizepräsident Klaus Schunk zu Wort und wirkt alles andere als "amused“ darüber, dass der WDR das Vorhaben nicht komplett zu den Akten legt. "Der Verzicht auf die Ausstrahlung über DAB+ kann nur als Farce bezeichnet werden, wenn das Projekt im Internet und über Mittelwelle fortgeführt werden soll, der WDR dies aber in seiner Pressemitteilung mit keinem Wort erwähnt“, moniert der Radio-Regenbogen-Chef mit Blick auf die Pressemitteilung des WDR vom Freitag, in dem der Rückzieher bekannt gegeben worden ist. Schunk erinnert die ARD-Granden an folgenden Umstand: "Auch neue Internetangebote unterliegen rechtlichen Voraussetzungen und müssten bei der Konzeption eines Sportkanals etwa einen Drei-Stufen-Test mit Prüfung der Auswirkungen auf andere Marktteilnehmer durchlaufen."

Der WDR hat am Freitag erklärt, die "ins Kraut schießenden Spekulationen um angebliche Pläne für ein bundesweites Sportradio der ARD für beendet" anzusehen. Er bezieht sich unter anderem auf Schunks erste Äußerungen, auf 90elf-Geschäftsführer Florian Fritsche. Am Wochenende hat der Privatfunkverband APR schon verkündet, dass in der Sache das letzte Wort noch nicht gesprochen sei.

Schunk mutmaßt am Montag weiter, "dass die ARD mit ihren offensichtlich auf die Etablierung eines bundesweiten Radioprogramms zielenden Plänen gegen ihren staatsvertraglich festgelegten Auftrag“ verstoße. Danach habe allein das Deutschlandradio eine Legitimation zur Veranstaltung bundesweiter öffentlich-rechtlicher Programme. "Die ARD sollte sich auf ihren Grundversorgungsauftrag konzentrieren, anstatt sich bei ihrer Entwicklung fortgesetzt als direkter Wettbewerber zu privaten Programmen auszurichten", so Schunk, dem ebenso wie Fritsch aufstößt, dass der für das Sportradio federführende WDR in Sachen EM-Sportradio ARD-intern von einer "Konkurrenz“ zu 90elf sprechen würde.

Dass ein "Projektradio“ solche Wellen schlägt, zeigt, wie sehr die Nerven in der Hörfunkszene blank liegen – nach vielen Jahren Gezerre im dualen System zwischen kommerziellem und öffentlich-rechtlichen Radio (und auch TV). In den vergangenen Jahren hat sich vor allem der Wettbewerb auf dem Werbemarkt zwischen den zwei Hörfunklagern verschärft, nachdem der ARD-Vermarkter AS&S Radio dem privaten Mitbewerber RMS in Hamburg mit der Deutschland Kombi und diversen Varianten derselben der RMS Super Kombi starke Konkurrenz macht. Der VPRT und diverse Medienanstalten wollen daher die Werbezeiten der öffentlich-rechtlichen Sender beschränken. Das jahrelange Gerangel um die bewährten UKW-Frequenzen und die immer wieder auch vom VPRT beklagte "Überversorgung“ der ARD-Wellen mit Antennen-Kapazitäten ist das eine. Dass nun aber auch im digitalen Radio ähnliche Strukturen erschaffen werden könnten, scheucht die privaten Radiomacher regelrecht auf. Das duale System scheint aktuell einmal mehr in "Schiefstlage“ zu geraten.


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.



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