Schunk mutmaßt am Montag weiter, "dass die ARD mit ihren offensichtlich auf die Etablierung eines bundesweiten Radioprogramms zielenden Plänen gegen ihren staatsvertraglich festgelegten Auftrag“ verstoße. Danach habe allein das Deutschlandradio eine Legitimation zur Veranstaltung bundesweiter öffentlich-rechtlicher Programme. "Die ARD sollte sich auf ihren Grundversorgungsauftrag konzentrieren, anstatt sich bei ihrer Entwicklung fortgesetzt als direkter Wettbewerber zu privaten Programmen auszurichten", so Schunk, dem ebenso wie Fritsch aufstößt, dass der für das Sportradio federführende WDR in Sachen EM-Sportradio ARD-intern von einer "Konkurrenz“ zu 90elf sprechen würde.

Dass ein "Projektradio“ solche Wellen schlägt, zeigt, wie sehr die Nerven in der Hörfunkszene blank liegen – nach vielen Jahren Gezerre im dualen System zwischen kommerziellem und öffentlich-rechtlichen Radio (und auch TV). In den vergangenen Jahren hat sich vor allem der Wettbewerb auf dem Werbemarkt zwischen den zwei Hörfunklagern verschärft, nachdem der ARD-Vermarkter AS&S Radio dem privaten Mitbewerber RMS in Hamburg mit der Deutschland Kombi und diversen Varianten derselben der RMS Super Kombi starke Konkurrenz macht. Der VPRT und diverse Medienanstalten wollen daher die Werbezeiten der öffentlich-rechtlichen Sender beschränken. Das jahrelange Gerangel um die bewährten UKW-Frequenzen und die immer wieder auch vom VPRT beklagte "Überversorgung“ der ARD-Wellen mit Antennen-Kapazitäten ist das eine. Dass nun aber auch im digitalen Radio ähnliche Strukturen erschaffen werden könnten, scheucht die privaten Radiomacher regelrecht auf. Das duale System scheint aktuell einmal mehr in "Schiefstlage“ zu geraten.



Petra Schwegler, Redakteurin
Autor: Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.