Der Datenbestand, der vor über einem Jahr in die Hände der Enthüller gelangte, ist riesig: insgesamt 2,5 Millionen Dokumente wie E-Mails, PDF-Dateien, Tabellen oder Powerpoint-Präsentationen im Gesamtumfang von 260 Gigabyte. Laut Mondial hat niemand bisher in den Medien "jemals mit so großen Datenmengen gearbeitet". Mit Blick auf den Quellenschutz macht das ICIJ nur sehr allgemeine Angaben zur Herkunft der Daten: Sie "sind von Servern abgeschöpft worden, die über das Internet zugänglich waren", erklärt Mondial gegenüber "dpa". Die Anzahl von Kopien der Daten sei bewusst klein gehalten worden, die Daten selbst seien sicher verschlüsselt.

Während der ersten Prüfung der Daten haben die ICIJ-Experten zunächst geprüft, dass sie nicht einer raffinierten Fälschung aufgesessen sind. "Die zweite Phase begann dann nach der Entdeckung von zwei Datenbanken, die detaillierte Angaben enthielten, welche Offshore-Firmen mit welchen Personen verknüpft waren", erklärt Mondial. Daraufhin wurden weitere Medien einbezogen - mit dabei sind etwa "Le Monde" in Frankreich, der britische "Guardian", die BBC und die "Washington Post".

Offshore Leaks zeigt die Richtung auf, wie Qualitätsjournalismus in Zukunft funktioniert: vernetzt, kritisch, analytisch. Die Datenmenge sei 150 Mal größer als der Umfang der Botschaftsdepeschen von WikiLeaks, so Bastian Brinkmann von der "Süddeutschen Zeitung". Vor der journalistischen Recherche sei daher die Arbeit der Computer-Forensiker erforderlich gewesen. Die Arbeit an den Daten ist nach den ersten Veröffentlichungen vom Donnerstag nicht abgeschlossen: Mit dem Schwung der jetzigen Veröffentlichung wollen die beteiligten Journalisten die Recherchen weiter vorantreiben. So kommt nun die Deutsche Bank ins Visier: Nach Recherchen des NDR und der "SZ" hat die Großbank im Auftrag von Kunden allein über ihre Niederlassung in Singapur mehr als 300 Firmen und Trusts in Steuerparadiesen gründen lassen.

ps/dpa


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.