BDZV-Kongress :
Facebook ist das neue Grosso: Mathias Döpfners Brandrede

Der neue BDZV-Präsident Mathias Döpfner schwört beim Zeitungskongress die Verleger auf die Zukunft in der digitalen Welt ein und stänkert gegen Google. W&V-Korrespondentin Judith Pfannenmüller war dabei

Text: Judith Pfannenmüller

Springer-CEO Mathias Döpfner ist neuer Präsident des BDZV.
Springer-CEO Mathias Döpfner ist neuer Präsident des BDZV.

Witze hat man auf einem Zeitungskongress schon lange nicht mehr gehört. Aber jetzt ist Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner BDZV-Präsident und führte sich mit einer fulminanten Rede ins Amt ein. Und mit einem selbst ausgedachten Witz. Der Witz geht so:

Im Paradies soll ein neues Nachrichtenportal gelauncht werden. Eine Ausschreibung läuft. Als erstes reagiert ein deutscher Zeitungsverleger. Wieviel die Sache koste, fragt Petrus nach einer Tour durch den neuen Newsroom des Verlags. "10 Millionen Euro", sagt der Zeitungsverleger. "Und was wollen Sie mit dem Geld machen?", fragt Petrus. "Ein Drittel für die besten Journalisten des Landes, ein Drittel für die Aufbereitung der Inhalte auf allen Plattformen und ein Drittel als Gewinn." Als Zweiter legt ein ARD-Manager umfangreiche Pläne vor und fordert für gute öffentlich-rechtliche Wertarbeit 20 Millionen Euro: Je ein Drittel für Verwaltung, ein Drittel für Spesen und ein Drittel für Altersversorgung. Der dritte Bewerber, Founder eines großen Social Media Unternehmens, verlangt 30 Millionen Euro. "Was? Soviel für ein Nachrichten-Portal? Wie wollen Sie das viele Geld denn verwenden?", fragt Petrus entgeistert. "Ganz einfach: 10 Millionen sind für dich, 10 Millionen für mich. Und für den Rest lassen wir den Verleger die Arbeit machen."

Döpfners Witz bringt das Dilemma der Verlage in der digitalen Welt auf den Punkt. Sie bespielen die Plattformen kostenlos mit ihren Inhalten. Das Geld jedoch verdienen zu fast 100 Prozent die anderen  - Plattformen wie Google und Facebook leiten in den USA inzwischen 69 Prozent aller digitalen Werbegelder in ihre Taschen, 88 Prozent des Wachstums der digitalen Werbeeinnahmen werden von den Plattform-Giganten vereinnahmt.

Doch für die Verlage gilt gleichzeitig: Sie müssen mit ihren Inhalten auf den Plattformen vertreten sein. "Das Grosso heißt jetzt Facebook. Social Distribution ist der Vertriebsweg der Zukunft. Hier ein Geschäftsmodell für Verlage zu etablieren, muss eine Priorität des BDZV werden", sagt Döpfner. Verlage müssten bei der Social Distribution auch etwas verdienen.

Das sei heute noch nicht so, die Inhaltelieferanten bekämen nur die Brosamen, sagt Döpfner. Der Staat sei in der Pflicht, der "alltäglichen Enteignung ein Ende zu setzen". Der neue BDZV-Präsident fordert eine europäische Lösung und ein Modell, das Verlage angemessen an der Wertschöpfung über diese Plattformen beteiligt. Die EU-Kommission hat das in Aussicht gestellt. 

Je mehr Vermarktung und Vertrieb, also die alten Geschäftsmodelle auf den Kopf gestellt werden, desto mehr müssten sich Verleger überlegen, was Grundlage ihres Geschäftes sei, so Döpfner weiter. Und das hieße eben nicht, Anzeigen und Abonnements zu verkaufen. Dies sei nur Mittel zur Erreichung des eigentlichen Geschäftszweckes: Durch kritische Recherche der Wahrheit näher zu kommen.

Nach der Silvesternacht in Köln hätten Journalisten und Verleger dabei zuerst keine gute Figur abgegeben. Sie hätten aber anschließend ihre Fehler eingestanden und schonungslos dokumentiert und aufgearbeitet - ein Beweis für die selbstregulierenden Mechanismen der Medien. Guter Journalismus also ist in der hysterischen digitalen Welt wichtiger denn je, gut recherchiert, unaufgeregt, nüchtern einordnend, glaubwürdig. Döpfner "Je schneller sich die Medienlandschaft dreht, desto mehr gilt: Wir müssen unsere Marken stärken."

Die Rede Döpfners in voller Länge.

Und hier die besten Zitate des Kongresses auf Twitter:


Autor:

Judith Pfannenmüller
Judith Pfannenmüller

ist Korrespondentin für W&V in Berlin. Sie schaut gern hinter die Kulissen und stellt Zusammenhänge her. Sie liebt den ständigen Wandel, den rauhen Sound und die thematische Vielfalt in der Hauptstadt.