Das sei heute noch nicht so, die Inhaltelieferanten bekämen nur die Brosamen, sagt Döpfner. Der Staat sei in der Pflicht, der "alltäglichen Enteignung ein Ende zu setzen". Der neue BDZV-Präsident fordert eine europäische Lösung und ein Modell, das Verlage angemessen an der Wertschöpfung über diese Plattformen beteiligt. Die EU-Kommission hat das in Aussicht gestellt. 

Je mehr Vermarktung und Vertrieb, also die alten Geschäftsmodelle auf den Kopf gestellt werden, desto mehr müssten sich Verleger überlegen, was Grundlage ihres Geschäftes sei, so Döpfner weiter. Und das hieße eben nicht, Anzeigen und Abonnements zu verkaufen. Dies sei nur Mittel zur Erreichung des eigentlichen Geschäftszweckes: Durch kritische Recherche der Wahrheit näher zu kommen.

Nach der Silvesternacht in Köln hätten Journalisten und Verleger dabei zuerst keine gute Figur abgegeben. Sie hätten aber anschließend ihre Fehler eingestanden und schonungslos dokumentiert und aufgearbeitet - ein Beweis für die selbstregulierenden Mechanismen der Medien. Guter Journalismus also ist in der hysterischen digitalen Welt wichtiger denn je, gut recherchiert, unaufgeregt, nüchtern einordnend, glaubwürdig. Döpfner "Je schneller sich die Medienlandschaft dreht, desto mehr gilt: Wir müssen unsere Marken stärken."

Die Rede Döpfners in voller Länge.

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Autor:

Judith Pfannenmüller
Judith Pfannenmüller

ist Korrespondentin für W&V in Berlin. Sie schaut gern hinter die Kulissen und stellt Zusammenhänge her. Sie liebt den ständigen Wandel, den rauhen Sound und die thematische Vielfalt in der Hauptstadt.