Medienaufsicht eingeschaltet :
Fall von Lynchjustiz: NLM prüft RTL-Bericht über Pädophile

War ein RTL-Bericht über Pädophile der Auslöser für einen Fall von Selbstjustiz in Bremen? Die Medienanstalt NLM hört Senderverantwortliche dazu an.

Text: Petra Schwegler

Die RTL-Aufsichtsbehörde nimmt einen umstrittenen RTL-Beitrag aus dem Mittagsjournal unter die Lupe.
Die RTL-Aufsichtsbehörde nimmt einen umstrittenen RTL-Beitrag aus dem Mittagsjournal unter die Lupe.

Für RTL bleibt der Fall von Lynchjustiz vergangene Woche in Bremen nicht ohne Folgen. Die Medienwächter schalten sich nun ein. Wie eine Anfrage bei der für den Kölner Privatsender zuständigen Landesmedienanstalt NLM in Hannover ergeben hat, liegt dort inzwischen eine Beschwerde gegen den RTL-Beitrag vor, der als Auslöser für den Lynchmob gilt.

Kurz zur Erklärung: Ein Tatverdächtiger und weitere Männer hatten vergangene Woche einen 50-Jährigen in Bremen nach Zeugenaussagen für einen Pädophilen gehalten, der angeblich in einem Bericht der RTL-Sendung "Punkt 12" zu sehen gewesen war. Sie verprügelten den Mann; das 50-jährige Opfer war zeitweise in Lebensgefahr.

Tatsächlich handelte es sich dabei aber um einen anderen Mann. Wie die Ermittlungen der Polizei ergaben, steht der Mann in keinem Zusammenhang mit dem in der Sendung dargestellten Fall der Pädophilie. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln nach der Lynchjustiz wegen versuchten Totschlags.

Warum die NLM nachfragen wird

RTL kam umgehend nach den Vorfällen zu Wort: "In dem Beitrag ist zu keinem Zeitpunkt behauptet worden, dass der Mann pädophil ist. Wir haben nur die Recherche abgebildet", so ein Sendersprecher vergangene Woche. Zudem sei der Mann verpixelt worden, um ihn unkenntlich zu machen.

Nun kontert die NLM, dass nach ihrer Auffassung die Anonymisierung des "Verdächtigen" nicht hinreichend wirksam gewesen sei. "Verpixelt wurde lediglich der Oberkörper. Deshalb waren die Statur, der Gang und eine auffällige kurze Hose zu sehen. Damit könnte RTL gegen journalistische Grundsätze in Ziffer 8 Pressekodex verstoßen haben. Wir bejahen einen Anfangsverdacht und hören jetzt an", heißt es aus Hannover.

In der RTL-Reportage hatte sich ein Reporter in einem bei Pädophilen beliebten Internetportal als Mädchen ausgegeben. Bei ihm meldete sich nach Senderangaben ein Mann, der sich mit dem Mädchen treffen wollte. Am Treffpunkt tauchte der Mann auf, der sich später im Fernsehen selbst erkannte und bei der Polizei meldete. Nach Angaben des RTL-Sprechers habe er sich auffällig verhalten und sei dann plötzlich verschwunden.