Carola Poyer von Vienna Wedekind mit "F.A.Q."

Printprodukte und digitale Influencer: Kann das überhaupt funktionieren? Oder ist es vielleicht sogar genial? Noch läuft die Auswertung. Franziska Kipper-Schreyer, Sprecherin der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", hat uns erste Einblicke gegeben.

Welche Erwartungen verbinden Sie mit diesem über 200-Seiten-starken Magazin über die Zukunft?

Das Magazin rundet das Portfolio der "FAZ" ab und zeigt, was die "FAZ" im Spektrum ihrer Marke alles leisten kann. Journalisten unseres Hauses können sich in den langen Stücken in "FAQ" besonders intensiv mit Themen beschäftigen und damit anspruchsvolle Leser auch im Bereich Lifestyle überzeugen.

"FAQ" ist außerdem ein deutliches Signal an den Anzeigenmarkt – vor allem an die Kunden im Luxusbereich. Wir zeigen mit unserem neuen Hochglanzmagazin einmal mehr, dass wir ein attraktives Umfeld für eine sehr attraktive Zielgruppe bieten.

Sie selbst sprechen davon, dass "Quarterly" Wagnis und Notwendigkeit zugleich sei. Genauso könnte man das auf Ihre Kommunikationsstrategie beziehen. Denn: Sie haben sich dafür entschieden, Ihr Marketingbudget für "Quarterly" in Influencer zu investieren. Warum eigentlich?

Wir wollten gleich zum Verkaufsstart eine größtmögliche Aufmerksamkeit für "FAQ" schaffen. Dazu gehörte neben der klassischen PR-Arbeit im Hinblick auf die Fach- und Publikumspresse auch die Nutzung der Social Networks. Unser neues Magazin ist aufgrund seiner Themen und Machart hervorragend geeignet, um dort platziert zu werden. Daher haben wir für "FAQ" erstmals mit Bloggern kooperiert.

"FAQ" widmet sich bevorzugt den sinnlichen Seiten des Lebens. Die Redaktion beschäftigt sich mit Architektur, Wohnen, Luxus, Lifestyle und Kultur. Natürlich werden auch Politik- und Wirtschaftsthemen behandelt. Doch die Gewichtung ist anders als in der "FAZ", vor allem in der Darstellungsweise: großes Format, gutes Papier, verschiedene Papiersorten, viele Bilder. Dieser hohe optische Anspruch lässt sich auf Blogs und Instagram sehr gut inszenieren. Außerdem erreichen wir mit passenden Social Media Accounts die Zielgruppe, die wir ansprechen wollen.

Bei der Auswahl der Blogger haben wir den Fokus auf jene gelegt, die eine Affinität zu "FAQ" aufweisen. Auf Blogger, die glaubwürdig über unser Produkt sprechen können. Natürlich hatten wir auch die Reichweite im Blick. Doch diese alleine nützt wenig, wenn Marke und Produkt nicht zum Blog passen. Fehlende Authentizität wird von Followern abgestraft.

Welche neuen Zielgruppen wollen Sie mit dem Magazin ansprechen?

Was die Leserinnen und Leser betrifft, so wendet sich "FAQ" an anspruchsvolle, vielseitig interessierte und einkommensstarke Männer und Frauen. Menschen, die am Berufs- und Gesellschaftsleben teilnehmen, gut informiert und permanent online sind. Zeit ist für sie Luxus. Wenn sich diese Männer und Frauen Zeit zum Lesen auf Papier nehmen, wollen sie auf höchstem Niveau unterhalten werden: inhaltlich, stilistisch, optisch.

Was den Anzeigenmarkt betrifft: Die Markenwelt der "FAZ" wird durch "FAQ" um ein hochwertiges Premiummagazin erweitert, das auch für die Kunden der Werbewirtschaft sehr attraktiv ist.

Haben die kritischen Kommentare unter dem "Journelles"-Artikel Sie überrascht?

Nein, es hat uns nicht überrascht. Wenn man sich in den Social Networks engagiert, muss man sich darüber im Klaren sein, dass Feedback dazugehört – positives wie negatives. Kommentare sind fester Bestandteil in diesem Bereich. Sobald Posts erscheinen, werden sie kommentiert. Das war uns bewusst. Selten gibt es ein Thema, bei dem sich alle User einig sind. Insofern hat es uns gefreut, dass das überwiegende Feedback zu "FAQ" auf den Blogs, Facebook und Instagram positiv war.

Auch das schreiben Sie auf der offiziellen Seite von "FAQ": "dass also jemand, der eine gutgeschnittene Hose von einem Kartoffelsack unterscheiden kann, auch einen gut und genau geschriebenen Text von Gefloskel und Gestammel unterscheiden können wird. Und ein relevantes Thema von käuflichem Blabla."

Haben Sie den Influencern denn komplette Freiheit bei der Bebilderung und Ausformulierung ihrer Texte gelassen?

Wir wollen mit unserem Produkt überzeugen. Wenn man ernsthaft und sinnvoll Influencer Marketing betreiben will, sollte man Bloggern meines Erachtens nichts vorgeben. Jeder Blogger hat seinen eigenen Stil, sich Themen und Produkte zu nähern, darüber zu schreiben. Genau dadurch erreicht er oder sie ihre Follower. Ich bin der Meinung, dass dieser Stil auch bei Kooperationen beibehalten werden sollte. Nur dann bleibt auch ein sponsored Post glaubwürdig, nur dann ergibt Influencer Marketing Sinn. Wenn wir jeden Text und jedes Bild vorgeben wollten, wären wir bei Bloggern an der falschen Adresse.

Wie digital ist bzw. wird "Quarterly" denn sein? Oder ist der Name "FAQ" der einzige Wink an die Onlinewelt?

"FAQ" beschäftigt sich auch mit digitalen Themen – aber für den Moment vor allem auf Papier. Das haptische Leseerlebnis, die Muße beim Lesen spielt bei diesem Produkt eine große Rolle. Dennoch werden wir das Interesse der Leser im Auge behalten. Zudem wird die "FAQ"-Redaktion selbst ihre Social-Media-Aktivitäten im Vorfeld der kommenden Ausgaben steigern und von Shootings und Recherchen berichten.

Eine Wette auf die Zukunft und zugleich der Versuche, sie mitzugestalten: Wo steht "Quarterly" in einem Jahr?

In einem Jahr wird die fünfte Ausgabe von "FAQ" gerade am Kiosk liegen. Die Anzeigenseiten sind alle ausgebucht, wir haben eine treue Kernleserschaft gewonnen, das Magazin überzeugt mit jedem Titel neue Käufer – und wir haben bereits die ein oder andere Auszeichnung für unser Konzept gewonnen. Die ersten Anzeichen zeigen heute schon: Unsere Richtung stimmt!

Vielen Dank für diesen ersten Einblick. Die Auswertung der Blogs werden wir an dieser Stelle so bald wie möglich zur Verfügung stellen.


Autor:

Christa Catharina Müller
Christa Catharina Müller

Christa Catharina Müller ist Teil des Teams Digital Storytelling, der Entwicklungsredaktion des Verlags Werben und Verkaufen. Sie ist verantwortlich für die Konzeption und Umsetzung von Podcasts. Daneben experimentiert sie regelmäßig mit anderen Erzählformaten. Bevor sie zu W&V kam, war sie als freie Autorin mit den Schwerpunkten Mode und Digital tätig.