Stefan Sichermann :
"Fragen Sie einfach nach Renate": Postillon lässt "Bild"-Manager abblitzen

Bild "recherchiert" und findet - den Postillon. Die Kontaktanfrage eines Springer-Mitarbeiters weiß Satire-Könner Stefan Sichermann geschickt für sich und die Facebook-Gemeinde zu nutzen.

Text: Petra Schwegler

- 4 Kommentare

Springers Team der "Bild" ist "bei einer Recherche" auf den Postillon gestoßen. Nur – als Vertreter des Boulevardblatts so einfach mal per Mail nachhaken, ob man denn telefonisch den "branchenübergreifenden Austausch unter Medienkollegen" pflegen könnte, ist bei der Satiretruppe um Stefan Sichermann nicht so einfach möglich. Der Fürther Ober-Postillon hat die Anfrage des Leiters Strategie & Business Development bei "Bild" in Berlin (der Name sei nicht genannt, ist aber leicht recherchierbar) nicht im Redaktionsstübchen gelöscht, beantwortet oder archiviert. Nein, er hat sie umgehend am Mittwoch geschickt für die Satire-Sache genutzt, auf der Postillon-Facebook-Seite gepostet und die Fan-Gemeinde möglichst gemeine Antworten vorschlagen lassen.

Am späten Donnerstagnachmittag stehen die "herzlichen Worte" fest, mit der der Postillon auf die Anfrage des "Bild"-Managers reagiert. Ausgewählt hat sie "der kleine Timmy (9)", der sich durch "2847 Facebook- und 132 Google+-Vorschläge" gewühlt hat. Sie lauten:

"Sehr geehrter Herr ___,
es freut uns sehr, dass Sie bei Ihren Recherchearbeiten auf unser Portal aufmerksam geworden sind. Aufgrund tiefschürfender Gegenrecherchemaßnahmen kamen wir zu der Erkenntnis, dass dieses "Bild", für das Sie arbeiten, selbst in der Google-Bildersuche nicht eindeutig zuzuordnen ist.
Wir bitten Sie, uns doch ein kurzes Portfolio Ihrer bisherigen Arbeiten zukommen zu lassen, da wir es uns in unserer derzeitigen Position nicht erlauben können, jedem dahergelaufenen Blogger eine Kooperation anzubieten.
Gerne können Sie sich auch telefonisch zwischen 03:45 und 03:55 Uhr bei uns melden. Fragen Sie einfach nach "Renate". Unsere Dame an der Infohotline weiß Bescheid.
 Bezugnehmend auf aktuelle Abhörskandale bitten wir Sie allerdings, auf offenkundige Schlagwörter wie "Medien", "Zeitschrift", "Leser" und "Monetarisierung" zu verzichten und diese durch Namen von Fastfoodspeisen zu ersetzen.
Mit freundlichen Grüßen,"

Die E-Mail ging laut Sichermann – "ergänzt um die Postillon-Büro-Telefonnummer 09005 - elf 77 50 (1,99 €/Min. im dt. Festnetz, Mobilfunk ggf. abweichend)" – kurz vor dem erneuten Posting auf Facebook an den Springer-Kontaktmann raus. Sollte "Bild" oder der "Axel-Springer-Verlag" darauf noch antworten, will es der Postillon freilich nicht verheimlichen.

Übrigens: Der Verfasser der knackigen Antwort erhält ein Postillon-Buch geschenkt. Auf Wunsch handsigniert von Sichermann.


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.



4 Kommentare

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Anonymous User 20. Februar 2014

Das lässt doch noch an die Menschheit glauben, dass es noch Leute gibt, die sich der BILD bewußt verweigern, statt sich ihr aus schmierigem Opportunismus anzubiedern. Danke Postillon!

Anonymous User 16. Februar 2014

Der Konjunktiv ist nie ein Zeichen von Schwäche oder Unsicherheit sondern ein Konjunktiv. Wer keine Ahnung von Spraxhe und deren Bedeutung hat, möge schweigen und sich am besten selbst erschießen. Danke.

Anonymous User 14. Februar 2014

Der Konjunktiv ist immer ein Zeichen von Schwäche oder Unsicherheit - als Business Dev Manager sollte man davon absehen.
Aber ich muss dem Herren zumindest einen guten Geschmack zugestehen: der Postillon ist einfach großartig!

Anonymous User 14. Februar 2014

Zweimal in einem so kurzen Schreiben "Ich würde". Nicht gerade stilsicher der Kollege, oder?

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