Erst eingedampft, jetzt pleite :
Funke schickt "Westfälische Rundschau" in die Insolvenz

Da Funke sieben Lokalausgaben von "WR" und "WAZ" nicht an Lensing verkaufen kann, liegt für den Verlag WZV nun ein Insolvenzantrag vor. Die Essener schieben dem Kartellamt dem Schwarzen Peter zu ...

Text: Petra Schwegler

Die Funke Mediengruppe weiß offensichtlich nicht mehr weiter bei der "Westfälischen Rundschau". Nachdem im Vorjahr das 120 Mann starke Redaktionsteam eingedampft wurde, ist das Blatt nun pleite. Der Westfälische Zeitungsverlag (WZV) hat nun Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt, wie die Funke Mediengruppe am Freitag verkündet. Zu diesem Schritt sehen sich die Essener gezwungen, nachdem das Bundeskartellamt Kooperationen mit dem Medienhaus Lensing untersagen wollte. Von der Insolvenzanmeldung seien keine Beschäftigungsverhältnisse berührt, versichert die Funke Mediengruppe.

Hintergrund: Lensing wollte sieben Lokalausgaben der Tageszeitungen "Westfälische Rundschau" und "WAZ" in den Städten Dortmund, Lünen, Schwerte und Castrop-Rauxel übernehmen. Alle Ausgaben werden vom Westfälischen Zeitungsverlag herausgegeben. Die Medienunternehmen hatten sich in nun dem Antrag beim Kartellamt auf eine Sanierungsfusion berufen. Das Medienhaus Lensing beabsichtigte die Lokalausgaben "langfristig weiterzuführen", beide Medienunternehmen hätten bei den Zeitungsinhalten zusammengearbeitet. Nun teilt der zuständige Funke-Geschäftsführer Thomas Ziegler mit: "Aus betriebswirtschaftlichen Gründen sehen wir keine Perspektive, die Westfälische Zeitungsverlag GmbH & Co. KG weiterhin im Portfolio der Funke Mediengruppe zu führen. Nach der überraschenden Entscheidung des Bundeskartellamts, das uns angekündigt hatte, einen Verkauf der sanierungsbedürftigen Lokalausgaben an das Medienhaus Lensing zu untersagen, bleibt uns nur eine Möglichkeit: Unter den Rahmenbedingungen eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung die Vermögenswerte zu sichern." Die Gesellschaft sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht zahlungsunfähig, es bestehe aber bereits Insolvenzantragspflicht bei einer negativen Fortbestehensprognose, so Ziegler.

Geregelt ist, dass das Insolvenzverfahren dem neuen WZV-Geschäftsführer, Sanierungsfachmann Helmut Balthasar von der Sozietät Görg, operativ verantwortet wird. Er soll so viele Vermögenswerte wie möglich sichern. Ziegler will retten, was geht: " Sofern es in unserer Macht steht, werden wir uns im Insolvenzverfahren dafür einsetzen, dass für die Lokalausgaben ein Käufer gefunden wird und sie erhalten bleiben."

Gegenüber "Newsroom.de" wehrt sich Kartellamtspräsident Andreas Mundt umgehend gegen die Funke-Vorwürfe. "Der Insolvenzantrag ändert nichts an unserer Bewertung. Die Voraussetzungen der Sanierungsfusion lagen nicht vor, da eine Insolvenznähe der sieben Lokalausgaben nicht feststellbar war", so Mundt.


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.