Internationale Initiative Fearless Democracy :
Gerald Hensel: "Jetzt geht es ums Bessermachen"

Gerald Hensel ist zurück. Der frühere Scholz-&-Friends-Stratege, der die Agentur im Dezember nach einem beispiellosen Shitstorm verlassen hat, startet eine neue Initiative gegen "Wutindustrie" und rechtspopulistische Medien: Fearless Democracy. Frank Zimmer hat mit ihm gesprochen. 

Text: Frank Zimmer

- 30 Kommentare

Gerald Hensel arbeitete bis Ende 2016 bei Scholz & Friends.
Gerald Hensel arbeitete bis Ende 2016 bei Scholz & Friends.

Gerald Hensel ist zurück. Der frühere Scholz-&-Friends-Stratege, der die Agentur im Dezember nach einem beispiellosen Shitstorm verlassen hat, startet eine neue Initiative gegen "Wutindustrie" und rechtspopulistische Medien: Fearless Democracy. Frank Zimmer hat mit ihm gesprochen. 

Gerald Hensel, Ihr Abschied von Scholz & Friends ist gut einen Monat her. Was haben Sie seitdem gemacht?


Ich bin erstmal runtergekommen, habe Weihnachten gefeiert und jetzt arbeite ich wieder sehr viel an einem neuen Konzept. Derzeit spreche ich mit vielen alten und neuen Freunden und professionalisiere mich. Für mich ist das ein Anfang, nicht ein Ende.

Was haben Sie gelernt?

Erst mal: Ich habe im Dezember 2016 über Politik und Marketing mehr gelernt als in meinem ganzen Leben zuvor. So habe ich die ungeheure arbeitsteilige Aggressivität meiner Widersacher komplett unterschätzt. Völlig logisch, dass man als Privatmann in so einer Situation auch Fehler macht.

Jetzt geht es aber ums Bessermachen. Fail-Kultur nennt man das, glaube ich. Denn nach vielen Gesprächen mit vielen schlauen Menschen ist mir klar, wie relevant die eigentliche Idee ist. Diese werde ich nun verfeinern: mit ruhigem Kopf, klugen Leuten und bald sichtbaren Aktionen.

Wie geht es konkret weiter?

Ich bin gerade am Gründen. Eine Komponente meines künftigen Konzepts wird ein Verein sein, der auf lange Sicht NGO (Nichtregierungsorganisation) mit internationalem Anspruch sein will. Wir heißen "Fearless Democracy“ und wollen die Strukturen und Wirkungsweise der Wutindustrie ins kollektive Bewusstsein bringen. Dazu gehören auch Schutzkonzepte für Menschen, die als Individuen in Shitstorms ertränkt werden sollen.

Es geht auch um die Zusammenarbeit mit und die Beratung von gesellschaftlichen Akteuren, für die die "Hate Economy" noch Neuland ist. Mit Blick auf die Marketingbranche lautet das Ziel: Das, was letztes Jahr privat begann, jetzt mit der Forderung "Stop Hatevertising" auf ein neues Level bringen. "Stop Hatevertising" muss ein Branchenthema werden, und dafür kämpfe ich.


Was ist der Unterschied zwischen "Kein Geld für Rechts" und "Stop Hatevertising"?  Rechtspopulistische Medien werden wahrscheinlich keinen machen und Ihnen erneut vorwerfen, Zensur auszuüben, zu denunzieren und Nazi-Methoden anzuwenden.

"Die" verdienen ihr Geld ohnehin mit Anschuldigungen und dem Mobben von Individuen. Das geschieht systematisch, um den Hass bei Twitter und Facebook zu schüren und die Wut-Filterblase zu festigen.

Um wieder auf meinen ursprünglichen Punkt zurückzukommen: Es gibt keinen Rechtsanspruch auf Online-Banner und Werbeeinnahmen. Marken müssen sich mehr denn je fragen, was gut für ihre Business- und Markenziele ist, und welcher Werbepartner auch inhaltlich diese Ziele stützt. Der Imageschaden für ein Unternehmen, das auf Seiten wie Breitbart oder PI News wirbt, kann immens sein.

Keine noch so günstige Mediaplanung rechtfertigt dies. Da muss es dringend ein neues Bewusstsein bei werbungtreibenden Unternehmen geben.

Im Herbst ist Bundestagswahl. Werden Sie sich für eine Partei engagieren oder sind Sie in Kontakt mit bestimmten Politikern?

Nein, nicht direkt. Ich lebe in einem politischen Umfeld und habe Kontakt mit Menschen, die politisch überall im bürgerlichen Spektrum aktiv sind. Ich habe meine persönliche Meinung. Ich unterstütze aber keine bestimmte Partei aktiv.

Ich bin ein klassischer Typ aus der Mitte der Gesellschaft, der sich nach AfD, Brexit und Trump langsam mal wieder eine selbstbewusste Zivilgesellschaft wünscht. Es geht mir schlicht ums Bewahren von demokratischen Grundwerten, mit denen ich erwachsen wurde und an die ich glaube - das hat wenig mit Parteien zu tun. Wir müssen raus aus der Defensive und die offene Gesellschaft verteidigen.


In der Schweiz schreibt die "Handelszeitung" ganz unbefangen über Werbung auf Breitbart und konfrontiert sogar Marken damit. Mercedes hat daraufhin erklärt, Breitbart auf die Blacklist zu setzen, dort also nicht zu schalten. In Deutschland wäre das Wasser auf die Mühlen der rechtspopulistischen Blogs. Warum wird das Thema hierzulande so emotional diskutiert?

Mit der Distanzierung von Breitbart hat Mercedes-Benz gerade durchaus Mut bewiesen - so traurig es auch ist, dass man das heute sagen muss. Auf lange Sicht ist es aber richtig für ihre Marke und das Business. Und das ist nicht selbstverständlich: Generell finde ich, dass sich Marken und Institutionen in Deutschland zu passiv verhalten haben und zu sehr darauf setzen, unpolitisch zu sein. Dann, so der Glaube, gehen Konflikte an ihnen vorbei. 

Aber die digitale Dauerwut, die fast tagtäglich meist mit dem Ziel entfacht wird, Individuen oder Institutionen in groteske Verschwörungstheorien einzubinden, geht ja nicht einfach weg. Das ist ja kein Zufall. Das hat System. Und das werden viele Menschen, Unternehmen und Institutionen bis zur Bundestagswahl 2017 noch erleben müssen.

Angenommen, die Politisierung und Polemisierung in den Sozialen Netzwerken geht immer weiter. Wer würde langfristig gewinnen und wer verlieren? Wie würde es sich zum Beispiel auf Facebook auswirken, wie auf so genannte klassischen Medienmarken, wie auf Content-Marketing und Owned Media von Marken?

Zu all diesen Fragen gibt es viele Sichtweisen. Soziale Netzwerke sind ja erstmal Privatunternehmen, deren Aufgabe es anfangs nicht war, sich demokratietheoretische Fragen zu stellen. Warum auch? Dennoch: Mit 1,7 Milliarden aktiven Mitgliedern ist Facebook mittlerweile erfolgreicher als das Christentum. Da reicht es nicht mehr so zu tun, als ob die nun formal festgelegte Rolle eines "Nicht-Content-Produzenten" keine Folgen hätte. Erste Schritte gehen ja in die richtige Richtung. Da muss aber noch viel mehr passieren.

Stellen Sie sich vor, Sie eröffnen eine Kneipe. Jeden Abend tagen da ein Haufen sehr zwielichtiger Gestalten. Und wenn die Nachbarn sich beschweren, heben Sie die Hände und sagen: 'Ich kann nichts dafür, ich bin nur der Wirt.' Da ist etwas falsch in der Logik. 

Gerade die großen Tech-Player und Content-Akteure sollten sehr schnell verstehen, dass sie mehr als jede andere Branche von einer verbundenen, offenen Welt profitieren und deshalb Verantwortung tragen - nicht zuletzt sich selbst gegenüber. Lassen Sie es mich so sagen: Die Zeit des Zurücklehnens ist vorbei.

Anmerkung der Redaktion: W&V-Interviews werden seit einigen Jahren grundsätzlich in der "Sie"-Form geführt, auch wenn sich die Gesprächspartner eigentlich duzen. Das "Du" ist in der Werbebranche weithin üblich und sagt darum nichts über Nähe oder Distanz aus. 


Autor:

Frank Zimmer

Redaktionsleiter Online mit analogem Migrationshintergrund. Seit 1996 im Internet. Buchautor („Der Social-Media-Rausch“) und Gelegenheitsblogger. Interessiert sich für digitale Kommunikation und Design Thinking. Hat eine Schwäche für Agenturen, weil er mal in einer gearbeitet hat.



30 Kommentare

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Anonymous User 7. März 2017

Das hier thematisierte neue Projekt von Gerald Hensel (Fearless Demoracy) begrüße ich mit Nachdruck. Ich möchte an dieser Stelle auch offenkundigen Falschbehauptungen entgegen treten, wonach Gerald zuvor bei S&F entlassen wurde. Zutreffend dürfte vielmehr sein, dass sich Gerald und S&F offenkundig einvernehmlich getrennt haben. Die Behauptungen dienen meines Erachtens nur einem Zweck, nämlich Gerald Reputation in der Öffentlichkeit und in Fachkreisen herabzusetzen. Daher sei nochmalig betont: Gerald Hensel ist ein kompetenter und geachteter Werber und Digitalstratege, der nach den verfügbaren Informationen seine Tätigkeit bei S&F stets zur vollsten Zufriedenheit vollzogen hat. Sein Verhalten gegenüber Mitarbeitenden und Vorgesetzten erwies sich stets als konstruktiv und unproblematisch. Ich freue mich, dass Gerald seine sehr guten Fachkenntnisse und seine überzeugende, stets vorbildliche Persönlichkeit nun in das Projekt Fearless Democracy einbringen wird. Ich würde mich zudem darüber freuen, Gerald Hensel auch wieder in führend gestaltender Position unmittelbar in einer bedeutenden Werbeagentur zu sehen. Dies ist meine ehrliche Meinung, die - da bin ich sicher - auch von vielen anderen Werbetreibenden geteilt wird.

Anonymous User 29. Januar 2017

Sorry, mit Demokratie hat dieser Typ doch nun wirklich nix mehr zu tun. Soll er doch einfach bei Stasi-Kahane anheuern. Die zeigt ihm, wie man richtig und mit Steuergeldern maasregelt.

Anonymous User 20. Januar 2017

@Zulu
Hier geht es nicht um die NPD, sondern um rechte Medien wie Breitbart, Achse des Guten, Tichys Einblicke, FAZ und Welt.
FAZ und Welt sind dabei besonders gefährlich, da sie aus rechter Perspektive z.B. die fehlende Zustimmung des Bundestages zu Merkels Aussetzung des Dubliner Übereinkommens kritisieren.
Rechte Politiker wie Boris Palmer (der bewaffnete Grenzpolizisten gegen Flüchtlinge fordert) und Heinz Buschkowsky ("Multikulti ist gescheitert") finden auch immer wieder Gehör in FAZ & Welt.
Gerade FAZ und Welt haben eine weit größere Reichweite als Die Achse des Guten oder Tichys Einblicke. Wer ernsthaft rechte Positionen aus der Gesellschaft entfernen will wird nicht umhin kommen diese Zeitungen z.B. durch Werbeboykott zu bekämpfen.

Anonymous User 20. Januar 2017

Sorry, aber der Typ nervt mich einfach nur noch.
Selbstdarsteller, der gerade ein gekonntes Eigen-Marketing veranstaltet.
Was hat Herr Hensel bislang denn (außer einem Shitstorm) in seiner Karriere produziert? Wenn ich ihn google sehe ich überhaupt keinen Leistungsnachweis, der ihn in irgendeiner Form als Kompetenz auszeichnet.

Anonymous User 20. Januar 2017

Eine Sache muss festgehalten werden:

Sowohl On- wie Offline macht es wenig Sinn, bestimmte Inhalte pauschal zu verbieten oder zu stigmatisieren. Weil das Zensur ist. Und weil es dann immer andere Wege geben wird, um diesen Dreck zu verbreiten.

Aufrichtige Aufmerksamkeit, Dialog und Aufklärung sind von Nöten. Eine Diskussion auf Augenhöhe. Damit man sich nicht gegenseitig aus den Augen verliert.

Wenn Facebook Fake-News löscht, werden die auf andere Weise verbreitet. Wenn ein Werbeboykott Breitbart lahmlegt, kommen neue Seiten und Portale. Selbst aktiv menschenlebenverachtende Systeme wie Daesh / ISIS sind im Internet aktiv. Ein "der Staat muss es richten" oder "wir müssen die kaputt machen die gegen unser System sind" funktioniert nicht. Da muss Menschlichkeit und Interesse an seinem Nächsten her - zuallererst von denen, die es den anderen absprechen.

Gerald Hensel wünsche ich viel Erfolg und Freude bei seinem weiteren Weg.

Anonymous User 20. Januar 2017

Eine Sache muss festgehalten werden:

Sowohl On- wie Offline macht es wenig Sinn, bestimmte Inhalte pauschal zu verbieten oder zu stigmatisieren. Weil das Zensur ist. Und weil es dann immer andere Wege geben wird, um diesen Dreck zu verbreiten.

Aufrichtige Aufmerksamkeit, Dialog und Aufklärung sind von Nöten. Eine Diskussion auf Augenhöhe. Damit man sich nicht gegenseitig aus den Augen verliert.

Wenn Facebook Fake-News löscht, werden die auf andere Weise verbreitet. Wenn ein Werbeboykott Breitbart lahmlegt, kommen neue Seiten und Portale. Selbst aktiv menschenlebenverachtende Systeme wie Daesh / ISIS sind im Internet aktiv. Ein "der Staat muss es richten" oder "wir müssen die kaputt machen die gegen unser System sind" funktioniert nicht. Da muss Menschlichkeit und Interesse an seinem Nächsten her - zuallererst von denen, die es den anderen absprechen.

Gerald Hensel wünsche ich viel Erfolg und Freude bei seinem weiteren Weg.

Anonymous User 20. Januar 2017

Man könnte natürlich auch den Kapitalismus ansich als Hate-Economy bezeichnen. Schließlich basiert er nicht auf Liebe, Gemeinwohl und Solidarität, sondern auf Konkurrenz und verursacht so den immerwährenden Kampf um die Ressourcen unseres Planeten.

Anonymous User 19. Januar 2017

Leider bekommen jene Leute, die heutzutage verharmlosend "Die Rechten" genannt werden, ihr Geld nicht nur über Werbung, sondern in erster Linie über dunkle und auch offene Kanäle vom Staat. Wir erinnern uns, die NPD besteht überwiegend aus Verfassungsschutz. Die BRD ist ein Überwachungsstaat. Zehn Jahre lang durch die Republik ziehen und Menschen umbringen trotzdem möglich. Warum? Weil der Terror gewollt ist. Divide Et Impera nennt man das. Die Armen sollen sich gegenseitig bekämpfen, damit oben bleibt was oben ist. Mit Demokratie hat das natürlich rein gar nichts zu tun. Schon bei den Griechen wurde die demokratische Teilhabe den Meisten nur vorgegaukelt. Sicher, Faschisten zu bekämpfen ist ehrenwert, ändert langfristig allerdings gar nichts, so lange die Puppenspieler im Hintergrund nicht entfernt werden.

Anonymous User 19. Januar 2017

@ Silke
@ Andreas Dornow
@ user unknown

Vielen Dank für die differenzierten, wohltuenden Beiträge.
Allein diese tumben Begrifflichkeiten wie "#Fearless Democracy" und "#Stop Hatevertising" kann ich nicht mehr sehen. Das langweilt mich nur noch, dieser dämliche Kampf um Begrifflichkeiten, weil die eigene Ideologie der Auseinandersetzung mit den Inhalten nicht standhält.

Das sind nichts weiter als schlichte Buzzwords für schlichte Gemüter, schick im Tweet oder als Hashtag, aber ohne jeden Nährwert. Heiße Marketingluft.
Dazu passt die Egozentrik eines Gerald Hensel, der sein gefühltes Schwarz-Weiß-Weltbild allen überstülpen will. Hensel ist für mich ein Medienritter der traurigen Gestalt - ein von sich selbst besoffener Don Quichotte, der die Demokratie retten will, indem er sie zerstört.

Anonymous User 19. Januar 2017

"Ich bin ein klassischer Typ aus der Mitte der Gesellschaft, der sich nach AfD, Brexit und Trump langsam mal wieder eine selbstbewusste Zivilgesellschaft wünscht. "

genau das bin ich auch und sehe den nächsten Satz von Herrn Hensel
sehr kritisch und mutig ist ganz ehrlich auch was anderes

"Es geht mir schlicht ums Bewahren von demokratischen Grundwerten, mit denen ich erwachsen wurde und an die ich glaube"
sehr kritisch.
Demokratische Grundwerte kann und darf jeder für sich auslegen und es ist vermessen, wenn. nicht in diesem Fall fast arrogant seine eigene Wahrnehmung und Meinung anderen vorgeben zu wollen.

Gerade Demokratie hat Breit und Trump möglich gemacht und diesen Wählern die sich zum größten in einer anderen Schicht als Herr Wesel und die hier Vertretenen bewegen, ist es völlig egal wer wo wirbt und woher ihre gekauften Produkte kommen.
Wenn Herr Hensel etwas bewegen möchte sollte er aus seiner Blase herauskommen und sich an die Basis dessen bewegen was er versucht zu ändern.
"Fearless Democacy" klingt nach einem Projekt das die Welt nicht braucht, an den Realitäten vorbei ist, aber die eigenen Egos auf einfachem Niveau schön pampert.
Trotzdem alles Gute, man lernt ja nie aus ;-)

Anonymous User 19. Januar 2017

@user unknown:

Zitat: "Wenn ich die Idee weiterdenke, dann stehe ich irgendwann mit einer App im Supermarkt, die mir, nachdem ich markiert habe was für mich wichtige Themen und Positionen sind, zu jedem Produkt sagt, ob es politisch korrekt ist das zu kaufen oder nicht. Und womöglich wieviele Hopps es von einem Geächteten entfernt ist. "

Im Grunde genommen wäre diese Situation sogar fantastisch (abgesehen davon, dass das dann wohl kein Supermarkt wäre, sondern vermutlich ein Onlineshop)! Denn dann würden sich die Global Players endlich mal Gedanken machen, ob es sich wirklich lohnt zu Hungerlöhnen in Rumänien / Taiwan / Indien etc zu fertigen, wenn im Gegenzug weniger Menschen aufgrund mehr Transparenz ihre Produkte kaufen. Das Problem ist vielmehr, diesen Einkaufsverhalten einfach zu gestalten, denn nur über eine App wäre es zu komplex. Im Prinzip müsste eine große Handelskette (ob online oder offline) schon dafür garantieren, dass deren Produkte halbwegs makelfrei sind.
Halte ich aber prinzipiell für eine gute Sache und wäre sicherlich spannend zu erleben.

Es gibt ja schon Konsumenten, die genau so einlaufen (z. B. manche Veganer, Fairtrade-Käufer, Eine-Welt-Läden), es ist bloß noch nicht massenkompatibel genug.

Anonymous User 19. Januar 2017

"Stellen Sie sich vor, Sie eröffnen eine Kneipe. Jeden Abend tagen da ein Haufen sehr zwielichtiger Gestalten. Und wenn die Nachbarn sich beschweren, heben Sie die Hände und sagen: 'Ich kann nichts dafür, ich bin nur der Wirt.' Da ist etwas falsch in der Logik."

Nein, leider ist das die Logik, die einer Demokratie zugrunde liegt. Denn "zwielichtig" zu sein, ist für sich genommen noch kein Verbrechen. (Der Wirt kann lediglich belangt werden, wenn er selbst gegen geltendes Recht seinerseits verstößt, beispielsweise die Sperrstunde nicht einhält, um mal in dieser Metapher zu bleiben. Und auch die Gäste können erst belangt werden, sofern eine Straftat vorliegt.)
Was Hensel da von sich gibt, ist ein dubioser Rechts-Dilettantismus, der irgendeine gefühlte, subjektive "Moral" mit Gesetz und Rechtsprechung verwechselt, und damit auf eine für das Jahr 2017 schon beeindruckende Weise an allem vorbeisegelt, was Demokratie, Rechtsstaat und eine freie Gesellschaft fundiert. Falls sich mal wieder jemand bemüssigt fühlen sollte, "Wehret den Anfängen" zu rufen - hier wäre eine gute Gelegenheit dazu.

Anonymous User 19. Januar 2017

Wenn ich die Idee weiterdenke, dann stehe ich irgendwann mit einer App im Supermarkt, die mir, nachdem ich markiert habe was für mich wichtige Themen und Positionen sind, zu jedem Produkt sagt, ob es politisch korrekt ist das zu kaufen oder nicht. Und womöglich wieviele Hopps es von einem Geächteten entfernt ist.

Der Hersteller ist vielleicht ok, läßt aber die Werbung bei xy machen, die auch für yz werben, welches tabu für mich ist. Oder die Limo ist sauber, aber der Abfüller hat schon mal ein Konzert gesponsort, auf dem rechte Bands aufgetreten sind, oder Bands, die zusammen mit rechten Bands aufgetreten sind - 3 Hopps bis evil.

Ich weiß nicht ob ich in einer Welt leben will, in der Verantwortung so gesehen wird. Gerade bei großen Versorgern wirds problematisch. Firma X liefert auch Strom für Y, Politiker Z hat einen Mobilfunkvertrag bei A. Kann das in einer extrem arbeitsteiligen Gesellschaft funktionieren?

Und wie sieht das aus, wenn der poltitische Gegner genauso arbeitet? Führt das nicht dazu, dass sich niemand mehr zu klaren Aussagen hinreißen lässt, weil ihn die Extremisten der anderen Seite dann auf ihre Blacklist setzen? Wer kann sich noch wehren, wenn er mal auf so eine Liste gekommen ist?

Im Prinzip handelt es sich bei der Aktionsform nicht um einen politischen Streit, bei dem Argumente ausgetauscht werden, sondern um einen Machtkampf. Wer zu schwach ist kann seinen Gegner nicht auf die einschlägigen Listen setzen, wer stark genug ist, sprich, die richtigen Verbündeten hat, wird es schaffen. Ich fürchte das bekommt, wenn es gelingt, eine unschöne Eigendynamik. Man überzeugt niemanden mehr, sondern zwingt die Opportunisten zur Konformität.

Mercedes wird jetzt nicht mehr daran gemessen, ob sie als Rüstungskonzern Milliardengewinne machen, sondern ob sie in einem Umfeld werben, in dem Breitbart verlinkt wird.

Anonymous User 19. Januar 2017

Wir erfahren: Herr Hensel unterstützt keine Partei aktiv. "Mir geht es schlicht ums Bewahren von demokratischen Grundwerten, mit denen ich erwachsen wurde und an die ich glaube - das hat wenig mit Parteien zu tun." Doch, Herr Hensel, doch. Und wie. Wir nähern uns dem Problem.

Anonymous User 19. Januar 2017

ADC Ehrenmitglied 2018. Wettet jemand dagegen?

Anonymous User 19. Januar 2017

@vonsoso: Was Sie unter Meinungsfreiheit verstehen, wissen wir ja schon.

Anonymous User 19. Januar 2017

Lieber David,

wollen sie bestreiten, dass Herr Hensel Opfer von Beschimpfungen und ähnlichem geworden ist. Er gesteht Fehler ein. Ob es die Punkte sind, die sie ihm vorwerfen mögen, das wissen wir leider nicht.

Ich finde es nachvollziehbar, dass man nach solchen Erlebnissen für eine andere Art und Weise des Umgangs kämpfen möchte. Und das meine ich ganz unabhängig von der Position, die man inhaltlich vertritt.

Meinungsfreiheit ist endlich, z. B. bei Beleidigungen. Das gilt unabhängig von der Meinung. Und in der Diskussion haben auf beiden Seiten einige Menschen arg überzogen in der Art ihrer Wortwahl. Ist doch gut, wenn wir darüber reden. Oder?

Ich habe mir eine gewisse Gelassenheit bei der Betrachtung der Selbstdarstellung von Menschen angewöhnt. Jeder hat seine Meinung.

Anonymous User 19. Januar 2017

Und was wir gelernt? Seitens Broder ist ein "Kauft nicht bei ..."-Aufruf eines Hensel ein hinreichendes Kriterium, ihn als Antisemiten fürs Leben zu brandmarken, aber wenn ein Höcke 1:1 NS Propaganda und Antisemitisches von sich gibt, hält der Broder lieber schön seine Klappe, könnte ihn ja Abos kosten. Wie nennt man sowas nochmal? Ach ja, "Meinungsfreiheit" ;-)

Anonymous User 19. Januar 2017

Ich freue mich, von Gerald Hensel zu hören. Es ist gut, dass er neue Projekte angeht. Dafür wünsche ich ihm Kraft. Mithin möchte ich auch darauf hinweisen, dass Gerald Hensel nach allen verfügbaren Informationen in der Werbeindustrie bzw. bei Scholz & Friends stets zur vollsten Zufriedenheit gearbeitet hat. Seine Leistungen gelten als sehr gut und sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Mitarbeitern war sicherlich stets einwandfrei (ich kann mir hier eine Meinung bilden, da selbst werblich tätig). Er gilt als wissenschaftlich qualifiziert ausgebildeter und sehr fähiger Digitalstratege. Vor diesem Hintergrund würde ich mir wünschen, dass Gerald Hensel über die jetzigen Projekte hinaus auch wieder in einer bedeutenden Agentur werblich arbeitet, wo er seine fundierten Fachkenntnisse mit gewohnt hohem Engagement unter Beweis stellen kann.

Anonymous User 19. Januar 2017

Unglaublich, dass sich der Täter Hensel weiter als Opfer hinstellt. Und Medien wie W&V bieten solchen eine Plattform. Echt traurig, das.

Anonymous User 19. Januar 2017

Waren es die 15 Minuten wert?
Na, ich denke wohl nicht.
Willkommen im Bedeutungs-Nichts.
Eventuell lernen Sie ja noch was Meinungsfreiheit bedeutet.
Leider werden wir das nicht erfahren.

Anonymous User 19. Januar 2017

Wünsche Gerald Hensel nur das Beste! Lass Dich nicht unterkriegen!

Anonymous User 19. Januar 2017

Unglaublich. Selbst den Shitstorm lostreten und dann Robin Hood spielen. Was für ein Held.

Anonymous User 19. Januar 2017

Lieber Raimund Müller,

in diesem Interview sehe ich keine Intoleranz gegenüber Andersdenkenden. Herr Hensel will sich für Demokratie und eine gewisse Form des Umgangs engagieren. Das ist nicht verwerflich, sondern ziemlich nah am Grundgesetz unseres Landes. Das ist auch nicht schizophren.

Ich vermute, sie beziehen sich auf frühere Aktionen von ihm. Die Diskussion ist ganz sicher berechtigt und läuft ja schon einige Wochen.

Aber, hier würde mich auch Ihre Meinung zu dieser neuen Aktion interessieren. Wie denken Sie über diese Absichten und diese Initiative?

Anonymous User 19. Januar 2017

Von Demokratie reden, aber mit "Kauft nicht bei Andersdenkenden" zu argumentieren, ist schizophren.

Anonymous User 19. Januar 2017

Herr Hensel, schön, dass sie weitermachen!

Broder, Steinhöfel & Co. reagierten bisher sehr schnell, wenn es darum ging, politisch links Stehende mit Antisemitismus Vorwürfen zu konfrontieren. Bei Björn Höckes Äußerungen, wo die Vorwürfe jetzt mehr als angebracht wären, ist es seltsam still aus der "konservativen, liberalen" Ecke, die sonst ja so gerne für Demokratie und unsere Werte einsteht.

Wo bleibt der Aufschrei für bürgerliche Werte, für Demokratie?! Die Antwort liegt auf der Hand: Sie haben Angst, einen Großteil ihrer Leser und Unterstützer zu verlieren. Da offenbart sich das Geschäftsmodell der Wutindustrie in all seiner hässlichen Pracht.

Anonymous User 19. Januar 2017

Gut so! Inhaltlich war »Kein Geld für Rechts« richtig und die folgende Diskussion zeigte, dass auch die Kritik an Broders Blog gerechtfertigt gewesen ist. Nur weil man dort etwas besser heuchelt, lässt sich kaum übersehen, dass das Geschäftsmodell daraus besteht, Idioten aufzuhetzen.

Das sieht auch einer der Gründer kaum anders:
http://www.achgut.com/artikel/na_dann_ohne_mich

Anonymous User 19. Januar 2017

Und der dritte erst recht nicht:

Mann, was ein mutiger Kerl, der Hensel!!! Congrats! Supergeil! Thumbs up! Meinungsfreiheit, Demokratie und so. You rock, Alter!!! Let's change the world! Krass. OMG! Mir fehlen die Worte...

Anonymous User 19. Januar 2017

Der Zweite auch nicht!
Weiter so Gerald, was Du tust ist wichtiger den je.

Anonymous User 19. Januar 2017

Yeah, der erste Kommentar ist kein Hass-Posting. Go Gerald, viel Erfolg.

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