Andere, wie etwa "Stern" oder "Spiegel", halten sich eher zurück. Sie ergehen sich zwar in vielen Details über den Co-Piloten, lassen aber die volle Namensnennung und/oder die Abbildung sein. Aber dennoch wollen auch sie Kapital schlagen aus den Ereignissen - so bringt der "Stern" nach dem Absturz der Germanwings-Maschine  eine aktualisierte Ausgabe an die Kioske. Das Heft, das am Samstag ausgeliefert werde, berichte unter dem Titel "Der Todesflug: Rekonstruktion einer Tragödie" auf 45 Seiten über den Absturz in Frankreich, heißt es. 

Wenn sich Medien beim Kampf um die reißerischste Headline und das erste Foto überschlagen, passieren besonders viele Fehler - wie etwa das Abbilden des falschen Betroffenen, der den gleichen Namen trägt. Welche Folgen das Fleddern von Opfern und Tätern in den Medien bei Angehörigen, Freunden und den betroffenen Gemeinden haben kann, hat W&V-Chefredakteur Jochen Kalka vor einigen Jahren am eigenen Leib erfahren. Sein Heimatort Winnenden wurde nach dem Amoklauf eines Schülers von RTL, "Bild" und Konsorten belagert.

Alle Medien über einen Kamm zu scheren – das würde hier zu weit führen. Das ZDF etwa nimmt die Satiresendung "heute-show" wegen der Entwicklung rund um den Absturz der Germanwings-Maschine aus dem Freitagabendprogramm. Darauf hätten sich Moderator Oliver Welke und der Sender verständigt, heißt es. "Die heute-show ist ein Wochenrückblick. Und auf diese Woche satirisch zurückzublicken, ist unserer Meinung nach nicht angebracht", so Welke. Auch auf die Wiederholung der "heute-show" von vergangener Woche im Sender ZDFneo am Donnerstagabend wird verzichtet. Aus den gleichen Gründen werde auch Jan Böhmermanns "Neo Magazin Royale" am Freitagabend im ZDF und am Donnerstagabend in ZDFneo nicht ausgestrahlt. Einige Sender üben inzwischen Selbstkritik.

Der Deutsche Presserat hat bereits vor Bekanntgabe weiterer Details über die Absturzursache die Medien aufgerufen, bei ihren Berichten Respekt vor den Opfern und ihrer Angehörigen zu wahren. Der Schutz der Persönlichkeit habe dabei Vorrang. Schon am Mittwoch - einen Tag nach der Katastrophe - hätten den Presserat dazu Beschwerden erreicht. "Die Medien müssen selbstverständlich darüber informieren. Der Opferschutz hat jedoch Vorrang", erklärte die Vorsitzende des Beschwerdeausschusses zwei des Presserats, Katrin Saft. Immer wieder habe der Presserat die von Betroffenen oder Hinterbliebenen ungenehmigte Veröffentlichung von Opferfotos beanstandet, so das Gremium weiter. Aus Anlass des Germanwings-Absturzes hat der Presserat die Richtlinien des Pressekodexes für eine identifizierende Berichterstattung erläutert. Gemäß Ziffer 8 müsse bei einer identifizierenden Berichterstattung das Informationsinteresse der Öffentlichkeit die schutzwürdigen Interessen von Betroffenen überwiegen. Bloßes Sensationinteresse rechtfertige dies nicht. Auch der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) forderte, das Leid der Angehörigen zu achten. Journalisten dürften Trauernde nicht bedrängen, so der DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. Viele Mediennutzer wünschen sich das auch.

Übrigens: Das Persönlichkeitsrecht endet nicht mit dem Tod.



Petra Schwegler, Redakteurin
Autor: Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.