Deutschlandstart :
Kann "Charlie Hebdo" deutsche Satire?

Zumindest Ex-"Titanic"-Macher Martin Sonneborn bezweifelt das. Angela Merkel indes bekommt es gleich mit "Charlie Hebdo" zu tun – als erstes Titelmotiv.

Text: Petra Schwegler

So wirbt "Charlie Hebdo" für den Deutschlandstart.
So wirbt "Charlie Hebdo" für den Deutschlandstart.

Das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo" liegt ab sofort auch am deutschen Kiosk. Die erste deutsche Ausgabe nimmt gleich einmal die erneute Kanzlerkandidatur von Angela Merkel aufs Korn. Eine Karikatur zeigt die Kanzlerin auf einer Wartungsrampe liegend, während ein Werkstattmitarbeiter ein Ersatzteil bringt: "Ein neuer Auspuff und es geht noch 4 Jahre weiter." Als Titelschlagzeile steht daneben: "VW steht hinter Merkel."

Auch AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry bekommt beim deutschen "Charlie Hebdo"-Start ihr Fett weg. Eine Karikatur auf der letzten Seite zeigt die Parteichefin mit einer an Adolf Hitler erinnernden Frisur. Der Text dazu lautet: "Den Scheitel hat sie schon. Fehlt nur noch das Bärtchen!".

Erste Zweifel daran, ob das französische Blatt "Charlie Hebdo" deutsche Satire kann, meldete kurz vor Start Martin Sonneborn an. Im Interview mit der Deutschen Welle sagte der Satiriker und Ex-"Titanic"-Chef, er glaube nicht, "dass das in Deutschland funktioniert, weil es doch einen sehr französischen Bezug hat und eine sehr eigene Form von Humor präsentiert".

Der aktuelle Chefredakteur des Satiremagazins "Titanic", Tim Wolff, sagte dem Radiosender SWR Info, auf den ersten Blick gefalle ihm "Charlie Hebdo" gut. Problematisch sei aber, dass nicht nur die Grenzen der Satire überschritten würden, sondern auch Landesgrenzen. Dabei gehe es sowohl um Fragen der Übersetzung, als auch des Zugangs allgemein. "Ich zum Beispiel wäre komplett überfordert, Witze über französische Politiker zu machen. Ich kann mir vorstellen, dass das umgekehrt auch nicht leicht ist. Und das merkt man dem ein oder anderen Witz auch an." 

Startauflage von 200.000 Exemplaren

"Charlie Hebdo" soll künftig wöchentlich auch auf Deutsch erscheinen, die erste deutsche Ausgabe kommt jetzt mit 200.000 Exemplaren heraus. Das Magazin hatte Anfang 2015 traurige Berühmtheit erlangt, als zwei Islamisten bei einem Terroranschlag auf die Redaktion zwölf Menschen ermordeten. Als Reaktion auf die Attacke gab es weltweit Solidaritätsbekundungen unter dem Slogan "Je suis Charlie". Die Zeitschrift ist für ihre bissige Satire bekannt.

Das Heft enthält auch eine Reportage mit dem Titel "Wie lebt man glücklich in Deutschland?" Die deutsche Ausgabe entsteht unter der Leitung der deutschen Chefredakteurin Minka Schneider - der Name ist ein Pseudonym. Sie soll zunächst vor allem Inhalte aus der französischen Originalversion enthalten, die übersetzt werden. Geplant sind aber auch Exklusivbeiträge, die das französische Team extra für die deutsche Ausgabe erstellt.

ps/dpa


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.