TV-Spendings :
Lesetipp: Warum Mediakenner Thomas Koch den Daumen über RTL, Sat.1 und ProSieben senkt

Rüge ans Privat-TV von Thomas Koch: "Die einzigen Sender, die mit neuen Formaten experimentieren, sind die GEZ-finanzierten Öffentlich-Rechtlichen."

Text: Petra Schwegler

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Kein eitel Sonnenschein mehr beim milliardenschweren Kommerzfernsehen: Zu diesem Schluss kommt Mediaexperte Thomas Koch, der in seiner Kolumne in der "WirtschaftsWoche" die schwere Imagekrise von Sendern wie Sat.1 thematisiert. Aber nicht nur den offensichtlich angeschlagenen Münchner Sender sieht Koch gefährlich dümpeln: Sogar Marktführer RTL und das stets schicke ProSieben haben aus seiner Sicht riesige Probleme. Unter der Überschrift "Sat.1, ProSieben und RTL im Image-Sumpf" lenkt Koch den Blick auf die Bedeutung der flauen TV-Performance für den Werbemarkt. "Doch statt in Innovationen investieren die Fernsehbosse lieber in Online-Portale. Es wird spannend, wie die Werbekunden darauf reagieren", so Chef der Beratungsfirma tk-one.

Koch beklagt aus Media-Sicht, dass die drei großen Privatsender im vergangenen Jahr "fast vier Prozent ihrer Zuschauer" verloren haben und damit auf "den schwächsten Marktanteil seit zwanzig Jahren" zurückgefallen seien. Thomas Koch: "Sie verloren ihre Zuschauer unter anderem an das ZDF, das ein glänzendes Jahr hinlegte, an neue digitale Kanäle wie ZDFinfo und ZDFneo, das mit immer neuen Zuschauerrekorden überzeugt, und an den Bezahlsender Sky." Seine These: "Die Zuschauer wandern von den großen zu kleinen und vor allem zu öffentlich-rechtlichen Sendern ab, wo sie jedoch werblich nicht oder kaum zu erreichen sind. Sie gehen damit dem Werbemarkt verloren."

Thomas Koch, der sich kürzlich auch besorgt über das Handeln der Verlage gezeigt hat, bricht eine Lanze für ARD und ZDF - wenn er meint: "Die einzigen Sender, die mit neuen Formaten experimentieren, sind die GEZ-finanzierten Öffentlich-Rechtlichen." Innovationen suche man bei den Privaten vergebens. "Wie gewohnt, kopieren sie ihre Formate gegenseitig", rügt Koch.


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.



2 Kommentare

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Anonymous User 7. Februar 2013

naja, da spielen wohl auch viele Parameter eine Rolle, z.B. die verfügbaren Mittel: über wieviel GEZ Gebühren verfügen die ÖR's nochmal? Wieviel Werbebudget (bitte netto, liebe Experten ...) generieren die Privaten?
Und Skinny Norris: die genannten Beispiele machen btw den Unterschied zwischen Sparte (dazu zählt auch das Testfeld "ZDFneo") und "breitem" Fernsehen aus. Bei allem Respekt für Herrn Koch und seine Kompetenz, die ich für vorbildlich im Markt halte: es scheint sich hier um Kettenrasseln zu handeln, um über weitere Rabattpunkte bei den Vermarktern zu schachern ...

Anonymous User 6. Februar 2013

Thomas Koch hat völlig recht. Der Zuschauerrückgang ist die logische Konsequenz eines nur noch langweiligen, peinlichen, konturlosen und stumpfsinnigen Programms dieser drei Sender.

Wann habe ich zuletzt bewußt und länger als 5 Minuten eines dieser drei Programme gesehen? Ich meine, es war die Formel 1 Mitte November.

Früher waren die Sender wenigstens für regelmäßige Film-Highlights berühmt ("Event Movie" hieß das so schön - geile Wortkreation übrigens). Aber auch hier - nichts mehr.

Für den Werbemarkt nicht so relevant, aber inhaltlich ebenso bitter sind die Programmentwicklungen auf N24 und Sport1.

N24 zeigt nur noch Doku-Konserven aus den USA in der 33. Wiederholung - garniert von einer satten Stunde Shopping-TV mitten zur Primetime ("SonnenklarTV" - genau das, was die avisierte Männer-Zielgruppe zu der Zeit sehen möchte).

Und steht Sport1 eigentlich noch für Sport? Es gäbe weltweit zig interessante Sportrechte. Ausländische Fußballligen, Länderspiele, amerikanische Sportarten etc etc. Stattdessen laufen da nun "Sport Movies" - olle Kammellen, die auch schon 28x wonanders liefen und als DVD bereits jeder TV-Zeitschrift beilagen. Oder, wie neulich, die Regionallliga live mit dem Kracher Sportfreunde Lotte gegen Fortuna Köln (kein Witz!!!).

Es ist nur eine Frage der Zeit, wann diese Sender den MTV-Weg gehen.

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