"Liquid Democracy": "Zeit-Magazin" begibt sich in die Hände der Leser

Das "Zeit-Magazin" wagt ein journalistisches Experiment. Erstmals legt Chefredakteur Christoph Amend die Themenwahl für eine Ausgabe in die Hände einer breiten Öffentlichkeit. Nach der Methode der "Liquid Democracy" stimmen die Nutzer im Internet über die Vorschläge ab.

Text: Gregory Lipinski

20. Mar. 2012

Das "Zeit-Magazin" wagt ein journalistisches Experiment. Erstmals legt Chefredakteur Christoph Amend die Themenwahl für eine Ausgabe in die Hände einer breiten Öffentlichkeit. Dabei gibt es keine Beschränkungen. Laut Amend sollen es Vorschläge sein, die „die Leser bewegen und vielleicht in den Medien gar nicht auftauchen. Das kann genauso ein lokaler Skandal sein wie ein verrücktes Hobby“, erklärt der "Zeit-Magazin"-Chefredakteur dem "Kontakter".

Am 21. Juni soll das Heft erscheinen. Welche Themen das Rennen machen, soll nach der Methode der „Liquid Democracy“ umgesetzt werden. Hinter dem Wortungetüm steckt die Idee, das Internet zu nutzen, um das in einer Demokratie verankerte Recht auf Wahlfreiheit Wirklichkeit werden zu lassen. Auf einer eigens eingerichteten Internetseite können deshalb Nutzer bis zum 30. April über die eingereichten Vorschläge im Netz debattieren und abstimmen.

Je populärer die Nutzer ein Thema finden, desto höher rückt es in der Vorschlagsliste nach oben. Eingesetzt wird hierfür eine Software der Berliner Organisation Liquid Democracy e.V. Am Ende setzt die Redaktion das Thema um, das am höchsten bewertet wurde. Amend behält sich aber die letzte Entscheidung über die Themenauswahl vor, falls dahinter Interessen von Lobbygruppen oder Firmen erkennbar sind. Auch die Identität derjenigen, deren Thema ins Blatt kommt, werde von der Redaktion „gründlich recherchiert und geprüft“, sagt Amend.


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