SRF/Vox :
Oprah-Sketch, Real Cool Runnings: Zu flache Witze mit Schwarzen?

Eine Oprah-Winfrey-Satire beim SRF und die Anni-Friesinger-Show "Real Cool Runnings" bei Vox stoßen wegen ihres Umgangs mit Farbigen auf.

Text: Petra Schwegler

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Kritiker in der Schweiz und hierzulande sind derzeit wenig amüsiert über den Umgang mit Farbigen im TV-Programm. Das Schweizer Fernsehen SRF etwa hat mit dem Nachwirkungen von "Täschligate" zu kämpfen und mit einer Parodie im "Endspott"-Jahresrückblick auf die Taschen-Affäre rund um die US-Talkmasterin Oprah Winfrey. Wir erinnern uns: Die millionenschwere TV-Managerin beklagte sich nach einem Besuch in einer Zürcher Luxusboutique, dass sie diskriminiert worden sei. Die Schweizer Parodistin Birgit Steinegger trat nun in einem SRF-Sketch zum Jahresende mit schwarz angemaltem Gesicht, Kraushaar-Perücke und dicken Lippen als Frau Nogumi auf, die das Personal einer Boutique ins Schwitzen bringt. Mehrere Kulturschaffende – darunter Raphael Urweider, Präsident der Autorinnen und Autoren der Schweiz (AdS) – schrieben daraufhin laut Schweizer Medien einen Protestbrief an den Sender. Sie drohten mit einer Anzeige wegen Verletzung der Anti-Rassismus-Strafnorm. Vor allem das "Blackfacing" liegt ihnen schwer im Magen: Das Schwarz-Anmalen von weißen Künstlern sei eine grundsätzlich rassistisch geprägte Kulturtechnik, so ihr Argument. Sogar SRF-Direktor Ruedi Matter räumt inzwischen ein, die "Täschligate"-Satire sei "sicher nicht das Lustigste und auch nicht das Beste, das wir im vergangenen Jahr gezeigt haben".

In Deutschland stößt indes die neue Vox-Show "Real Cool Runnings" auf, in der Eisschnellläuferin Anni Friesinger vier junge Kenianer auf Schlittschuhen für den 100-Kilometer-Marathon am Weissensee in Österreich fitmachen soll. Schon vor der Ausstrahlung ist der dreifachen Olympiasiegerin und dem Sender Anfang dieser Woche Rassismus vorgeworfen worden und dass sie die dunkelhäutigen Teilnehmer in der Show vorführe. Das Vorstandsmitglied der Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland, Tahir Della, hatte gegenüber der "Bild"-Zeitung seine Bedenken geäußert: "Auf diese Weise werden dunkelhäutige Menschen, wenn auch subtil, zum Gespött gemacht. Dass in der Sendung kein Weißer über das Eis stolpert, ist natürlich kein Zufall, weil das nicht halb so lustig wirkt." Man sollte kritisch hinterfragen, welche Stereotypen durch solch eine Sendung reproduziert würden. 

Friesinger weist die Vorwürfe im Interview mit "Focus Online" von sich. Die Teilnehmer ihrer Show würden keinesfalls vorgeführt. "Wir haben uns Kenianer ausgesucht, weil das die allerbesten Läufer sind. Wenn man mir ankreidet, dass die Jungs schwarz sind, ist das nicht fair. Der weltbeste Eisschnellläufer Shani Davies ist schwarz." Dass ihr in dem Artikel Rassismus vorgeworfen würde, findet sie absolut intolerant. Zudem sei sie selbst jahrelang im Ausland unterwegs gewesen und war so selbst Ausländerin. Es sei wichtig, die gesamte Sendung zu betrachten. So manche Kritik weicht indes nicht ab vom Kurs und kommt zu dem Schluss, dass "Real Cool Runnings" leider in seinen schlimmsten Momenten an "Wandermenagerien des 19. Jahrhunderts" erinnere, in denen Zirkusbesuchern "Negertruppen" als Kuriosität vorgeführt worden seien. Dabei hat Vox gar keine nennenswerte Quote mit dem Neustart machen können. Gibt es zur Zeit zu viele flache Witze mit Schwarzen im TV?


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.



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