Oschmann will Nürnberger "Abendzeitung" übernehmen

Der Nürnberger Telefonbuchverleger und Radiounternehmer Gunther Oschmann will die Nürnberger "Abendzeitung" und dessen Anzeigenblatt-Tochter "Frankenreport" kaufen. Dies bestätigt AZ-Geschäftsführer Dieter Schmitt gegenüber W&V Online.

Text: Thomas Nötting

Der Nürnberger Telefonbuchverleger und Radiounternehmer Gunther Oschmann will die Nürnberger "Abendzeitung" und dessen Anzeigenblatt-Tochter "Frankenreport" kaufen. Dies bestätigt AZ-Geschäftsführer Dieter Schmitt gegenüber W&V Online.

Der Verlag wolle damit "in einer schwierige Phase dem Titel eine bessere wirtschaftliche Perspektive geben", erklärt Schmitt. Auch nach einer Übernahme durch Oschmann soll das Blatt sowohl redaktionell wie in der Vermarktung weiter mit dem Münchner Stammhaus kooperieren. "Die Möglichkeit in der Gesamtausgabe München/Nürnberg zu schalten bleibt unverändert bestehen". Schmitt erwartet sich dadurch "positive Effekte auch für die Münchner Ausgabe".

Der 69-jährige Oschmann will den Ableger des Münchner Boulevardtitels stärker als regionales Blatt positionieren. "Wir glauben, dass man in der Region selbst so einen Titel wirtschaftlicher betreiben kann als ferngesteuert aus München“, sagt Oschmann-Manager Roland Finn. Der 52-Jährige, der für Oschmann dessen Rundfunkholding Neue Welle führt, ist designierter Geschäftsführer der "AZ Nürnberg". Stimmt das Bundeskartellamt zu, soll die Übernahme nach dem Willen der Beteiligten schnell über die Bühne gehen. Den Titel "Abendzeitung" wollen die Oschmann-Manager erhalten. Auch der Mantel soll weiter von München aus geliefert werden.

Die Nürnberger Ausgabe des Boulevardblatts kam in der 60er-Jahren mit der Übernahme des Vorgängertitels "8-Uhr-Blatt" zum Verlag. Die nordbayerische Dependance hatte zuletzt jedoch einen zunehmend schweren Stand. Ihre Auflage liegt bei lediglich 17.000 Exemplaren.

Der öffentlichkeitsscheue Oschmann ist mit seiner Firma Müller Medien an mehr als 60 regionalen Radio- und TV-Unternehmen beteiligt. Wohl aus kartellrechtlichen Gründen sind deshalb die Nürnberger Radio-Beteiligungen der "AZ" nicht Gegenstand des Deals. Der "Abendzeitung" gehört mehrheitlich der Sender Radio Gong Nürnberg, während Oschmann den Konkurrenzkanal Radio Charivari kontrolliert.

Der Münchner Verlag "Die Abendzeitung" ist im Besitz der Verlegerfamilie Friedmann. Sie hält auch 18,75 Prozent am Süddeutschen Verlag, in dem auch Werben & Verkaufen erscheint. Verleger Johannes Friedmann hatte im Oktober 2009 eine engere Kooperation der beiden Verlage angekündigt.


Autor:

Thomas Nötting
Thomas Nötting

ist Leitender Redakteur bei W&V. Er schreibt vor allem über die Themen Medienwirtschaft, Media und Digitalisierung.