Video on Demand :
Panasonic geht mit Netzkino in die Streaming-Offensive

Der werbefinanzierte Streamingdienst Netzkino.de ist mit seiner App nun auch auf Smart-TVs von Panasonic verfügbar. Dass die Zuschauer selbst über ihre Fernsehzeit bestimmen, lässtr sich nicht mehr zurückdrehen.

Text: Susanne Herrmann

Mit der Streaming-App Netzkino sind jetzt die Smart-TV-Geräte von Panasonic ausgerüstet.
Mit der Streaming-App Netzkino sind jetzt die Smart-TV-Geräte von Panasonic ausgerüstet.

Der werbefinanzierte Streamingdienst Netzkino.de ist mit seiner App nun auch auf Smart-TVs von Panasonic verfügbar. Der Video-on-Demand-Anbieter (VoD) Netzkino setzt auf Spielfilme - nicht topaktuell, aber handverlesen und regelmäßig wechselnd. Die Zuschauer können das Angebot ohne Gebühren oder Registrierung nutzen, bekommen dafür aber, wie im Free-TV gewohnt, Werbung gezeigt.

13 Millionen Video Views und sechs Millionen Unique User pro Monat erreicht Netzkino nach eigenen Angaben. Verbreitet wird das Angebot via Apps auf Smart-TVs (Samsung, LG, Sony) und seit Herbst 2016 auf der Box Apple TV, Apps für Mobilgeräte aller Betriebssysteme (rund 1,5 Millionen App-Downloads), via Browser unter Netzkino.de sowie mit einem eigenen Youtube-Kanal. Der hat inzwischen knapp 475.000 Abonnenten und verzeichnet seit 2010 143 Millionen Aufrufe. Vor allem ab 2015 wuchs der Dienst rasant.

Für den Gerätehersteller Panasonic bedeute die Kooperation eine Erweiterung der verfügbaren Streamingdienste (derzeit unter anderem Maxdome, Amazon Prime, Netflix und Sender-Mediatheken). "Unsere Kunden sind immer besser vernetzt und ihre Ansprüche an technische Geräte wachsen stetig. Daher ist es nur folgerichtig, dass wir hochwertige Steaming-Dienste, wie Netzkino, integrieren", erklärt Dirk Schulze, Marketing Manager TV bei Panasonic Deutschland. Für Netzkino wiederum ist das eine Gelegenheit, weitere Nutzergruppen zu erschließen.

Netzkino finanziert sich durch Videowerbung vor, während (ca. nach 10, 30 und 60 Minuten) und am Ende des Films (Pre-,Mid-,Postrolls) - ist also ein AVoD, ein Advertised-VoD-Anbieter, ähnlich wie der US-Dienst Hulu. Im Gegensatz zu großen Konkurrenten wie Maxdome, Amazon oder Netflix, die auf das Abo-Modell setzen (SVoD), Apples iTunes oder Videoload mit einer Abruf-Gebühr für einzelne Produkte (TVOD) oder spezialisierten Anbietern wie Pantaflix, wo ebenfalls wo Abruf bezahlt wird, die Filmrechte aber beim Produzenten bleiben

Netzkino wurde von Peter von Ondarza, Geschäftsführer des auf Video on Demand (VOD) spezialisierten Berliner Filmvertriebs Content Lizenz Agentur (CLA). Anfang 2015 übergab von Ondarza die Geschäftsführung von Netzkino an Hauk Markus, bis dahin ebenfalls Geschäftsführer der CLA.

Werbefinanziertes VoD ist ein Riesengeschäft - vor allem für TV-Sender

Zwar kommt der größte Teil der Erlöse aus kostenpflichtigen Angeboten (511 Millionen Euro). Aber werbefinanzierte Angebote, die für die Nutzer kostenlos sind, sollen Prognosen zufolge im laufenden Jahr immerhin 434 Millionen Euro erzielen (Grafik unten). Davon profitieren unter anderem Youtube, Facebook, Portale wie T-Online oder Web.de sowie die Webseiten der privaten Fernsehsender.

Der gesamte Umsatz mit Video-On-Demand-Angeboten wird in Deutschland 2017 voraussichtlich um 18 Prozent auf 945 Millionen Euro steigen. 2016 lag das Marktvolumen noch bei 800 Millionen Euro. Das ist mehr als doppelt so viel wie noch 2014. Der Umsatz mit Serien, Filmen und kurzen Video-Clips im Internet im siebten Jahr in Folge. Das teilte der Digitalverband Bitkom im Januar mit. Basis sind Daten des internationalen Marktforschungsinstituts IHS Markit

Zum ersten Mal werden im Jahr 2017 voraussichtlich höhere Umsätze mit Abo-Modellen (275 Millionen Euro) erzielt als mit Einzelabrufen (236 Millionen Euro). Beide einzeln betrachtet liegen deutlich hinter den Werbeerlösen mit VoD.

Die Umsätze mit VoD explodieren. (Grafik: Bitkom)

Laut einer Bitkom-Umfrage schauen gut drei Viertel (77 Prozent) der deutschen Internetnutzer ab 14 Jahren Filme, TV-Sendungen oder andere Videos als Stream im Internet. Videostreaming ist vor allem in den jüngeren und mittleren Altersgruppen beliebt: 88 Prozent der 14- bis 29-jährigen und 90 Prozent der 30- bis 49-jährigen Internetnutzer streamen Videos. Unter den 50- bis 64-jährigen Internetnutzern geben zwei Drittel (66 Prozent) an, Videos online zu schauen, von den über 65-jährigen ist es gut ein Drittel (36 Prozent).


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Die Lieblingsthemen von @DieRedakteurin reichen von abenteuerlustigen Gründern über Medien und Super Bowl bis Streaming. Marketinggeschichten und außergewöhnliche Werbekampagnen dürfen aber nicht zu kurz kommen.