IVW I/2016 :
Print schrumpft weiter

Am Kiosk verlieren manche Zeitungen und Zeitschriften laut IVW besonders viele Leser. Einer der Trends der Auflagenzahlen im ersten Quartal.

Text: Petra Schwegler

20. Apr. 2016 - 2 Kommentare

Am Kiosk verlieren manche Zeitungen und Zeitschriften laut IVW besonders viele Leser.
Am Kiosk verlieren manche Zeitungen und Zeitschriften laut IVW besonders viele Leser.

Die Auflagen von Zeitungen und Magazinen sinken weiter – wenige von der IVW ausgewiesene Ausnahmen können am Gesamtbild kaum etwas ändern. Die Tageszeitungen verlieren im Jahresvergleich im ersten Quartal 7 Prozent der insgesamt verkauften Auflage. Die Publikumszeitschriften verzeichnen ein Minus von 1,6 Prozent im Jahresverlauf.

Vor allem beim Einzelverkauf mussten manche Printmarken große zweistellige Verluste hinnehmen. Deutlich ist diese Entwicklung bei den aktuellen Wochenmagazinen. Ging etwa beim "Spiegel" im 1. Quartal dieses Jahres die verkaufte Auflage im Vergleich zum Vorjahresstart um 10,2 Prozent auf 793.087 Exemplare zurück, so ist der Einzelverkauf in diesem Fall um ganze 18,4 Prozent abgesackt.

Härter trifft es den "Focus", dessen Einzelverkauf mit minus 25,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal regelrecht eingebrochen ist. Insgesamt hat das Burda-Blatt 8,2 Prozent weniger Exemplare binnen Jahresfrist abgesetzt – für "Focus" stehen 474.285 verkaufte Exemplare in der IVW-Quartalsbilanz.

Apropos schwache Performance am Kiosk: Der starke Minustrend aus dem Herbst setzt sich auch bei Tageszeitungen fort, unter anderem bei der Springer-Marke "Welt". Die verkaufte Auflage wird von der IVW fürs erste Quartal 2016 mit 180.059 Exemplaren angegeben, 10,5 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Beim Einzelverkauf indes muss Springer einen Einbruch um 43 Prozent binnen Jahresfrist hinnehmen.

Dass die Auflagen von Zeitungen im Großen und Ganzen weiter schrumpfen, liegt unter anderem auch an der Bereinigung von Verkaufskanälen (Bordexemplare) oder aber an Neuordnungen von Remissionen – wie im Fall der "SZ". Aber: Um fast 25 Prozent hat die Zahl der digitalen Ausgaben von deutschen Tageszeitungen gegenüber Vorjahr zugenommen; fast 693.000 abgesetzte E-Paper-Ausgabe zählt die IVW bei Zeitungen im 1. Quartal 2016.

Hier die generelle Kurve der IVW zur Entwicklung der Auflage bei der Gattung Tageszeitung:

Daraus zu schließen, Print sei nicht mehr gefragt, würde zu weit führen. Gute Inhalte, Orientierung, Kommentierung werden nach wie vor von Lesern geschätzt, unabhängig vom Kanal. "Die Zeit" schafft dies auch auf Papier: Das Hamburger Wochenblatt hat seine verkaufte Auflage im ersten Quartal 2016 im Vergleich zum Vorjahr erneut leicht steigern können. Von jeder Ausgabe wurden laut IVW zum Jahresstart durchschnittlich 507.159 Exemplare verkauft – 0,4 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Abo, Einzelverkauf und Sonderverkauf sind hier im Plus.

Noch ein Blick auf Newcomer in der IVW, darunter Bauers Weekly "People". Der Verlag kann 119.018 verkaufte Exemplare melden. Bauer zeigt sich zufrieden mit der Performance des Titels, der seit einem Jahr auf dem Markt ist. Die Hamburger richten ihr Augenmerk auf ein in jeder Hinsicht etwas älteres Magazin: Mit einem Wachstum von 12,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr nennt Bauer "Meins" mit 187.831 verkauften Heften "Marktführer bei den monatlichen Zeitschriften für Frauen 50plus". Die Folge: "Aufgrund des nachhaltigen Erfolgs wird Meins ab dem 4. Mai zweiwöchentlich erscheinen", teilt der Verlag mit.

Gruner + Jahr hat indes Premiere mit dem "Chefkoch"-Magazin in der IVW; der Printableger der Onlinemarke meldet für das erste Quartal erstmalig offizielle Zahlen. Die geprüfte Auflage des Foodmagazins liegt demnach bei 114.537 verkauften Exemplaren, davon 89.880  im Einzelverkauf. Ein aus Sicht des Verlags "überzeugender" Start. 

Bauer sieht sich übrigens angesichts der allgemeinen Verlustzahlen gut gerüstet – in mehreren Segmenten. So hat der Hamburger Verlag, der verkaufsfördernde Maßnahmen bei Kioskbesitzern angeschoben hat, mit "TV14" die "weltweit größte Kaufzeitschrift mit einer verkauften Auflage von mehr als 2,3 Millionen Heften" an Bord.

Hier noch die IVW-Kurve zur Entwicklung der Auflagen bei Publikumszeitschriften, dem nicht einmal der IVW-Liebling "Landlust" mit seiner Million-Leserschaft trotzen kann:

Die Entwicklung der einzelne Printtitel lässt sich hier einsehen. 


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.



2 Kommentare

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Anonymous User 22. April 2016

Die Auflage der Lügenpresse sackt weiter ab, laut IVW-Zahlen für das Quartal 1/16.Besonders zu begrüßen ist der dramatische Verlust beim Spiegel, dem Sturmgeschütz der Lügenpresse, fast 100.000 Verlust seit 1. Qu. 2015. Sogar die kostenlosen „visits“ bei Spiegel- online gingen weiter zurück- um fast 40%. Das unreife Praktikantengeschreibsel ist den Usern nicht mal mehr einen Tastendruck wert. Meine Hochachtung gilt den abgesprungenen Lesern und Abonnenten, die so ihr eigenständiges Urteil und ihre konsequente Haltung gegenüber Schund und Lügen bewiesen.

Anonymous User 21. April 2016

Und wenn man dann noch weiß, dass so ziemlich jeder Verlag Auflagenzahlen schönt ...

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