Aus Bayern kommt noch mehr Kritik am kolportierten Münchner Sonderweg. "Ein hoch regulierter Hörfunkmarkt gerät weiter unter Druck durch eine einseitige Deregulierung", schimpft Antenne-Bayern-Boss Karlheinz Hörhammer. Die bayerische Staatsregierung, "die vor vielen Jahren diese vielfältige private Hörfunklandschaft geschaffen hat, gefährdet nun genau diese durch so eine Maßnahme", moniert der Privatfunk-Macher. Selbst wenn dies aus standortpolitischen Überlegungen entstanden sein sollte, "dürfte der Eintritt vieler nationaler TV-Anbieter in diesen Markt zu erheblichen Problemen und massiven Umsatzeinbrüchen auf Seiten der privaten Hörfunkanbieter im Freistaat führen", warnt Hörhammer.

Seit Mitte Dezember liegt der ProSiebenSat.1-Familie per Kadi die Erlaubnis vor, den Kunden des hauseigenen Vermarkters SevenOne Media auch regionalisierte Werbung anbieten zu dürfen. Seit Jahresanfang gibt es nun die Offerte, Opel war Premierenkunde. Seit dieser Woche hat der Konzern wichtige Verbündete im umstrittenen Angebot: den NRW/Hessen/BaWü-Netzbetreiber Unitymedia KabelBW und TV Bayern, Werbeverbund der regionalen privaten Fernsehsender im Freistaat – trotz Protesten aus den eigenen Senderreihen. Der Bayern-Deal sieht vor, dass SevenOne Media die kleinen TV-Stationen an der Hand nimmt bei der Vermarktung. Vielleicht muss der Schulterschluss mit den schwächeren Kleinsendern auch als strategischer Schritt der großen TV-AG eingestuft werden: als Türöffner für ein politisches Veto ausgerechnet aus der Münchner Staatskanzlei.



Petra Schwegler, Redakteurin
Autor: Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.