MA 2017 Radio I/MA 2017 IP Audio I :
Radio-MA, Audio-MA: So fällt das Zwischenzeugnis für 2017 aus

Erstmals erscheinen an einem Tag die Reichweiten der MA Radio und MA IP Audio. Klar wird: Wer via UKW verliert, muss noch lange kein Verlierer sein. 

Text: Petra Schwegler

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Wer heutzutage wie Antenne Bayern via UKW verliert, muss noch lange kein Verlierer sein.
Wer heutzutage wie Antenne Bayern via UKW verliert, muss noch lange kein Verlierer sein.

Mehr Media-Analyse denn je: Die Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (agma) hat am Mittwoch zugleich die Reichweitendaten zur MA 2017 Radio I und zur MA 2017 IP Audio I vorgelegt. Auf einen Schlag erfahren damit Sender, Vermarkter und Werbungtreibende, wie es um Audio via UKW und Netz bestellt ist.

Schon trudeln unzählige Pressemitteilungen ein, die besagen, dass Radiostation A bei den Hörern gesamt die Nase vorne hat, während Konkurrent B die Marktführerschaft bei den Jungen für sich beansprucht. Oder bei 30- bis 35-jährigen Haushaltsführenden mit Anhang und Hund.

Doch das Getrommel bei diesen MAs ist von geringerer Bedeutung: Für die Preisbildung der kommenden Audiosaison 2018 werden die Zahlen aus den anstehenden Sommer-Analysen zugrunde gelegt. Jetzt geht es um Tendenzen im Radiomarkt, so eine Art Zwischenzeugnis.

W&V Online orientiert sich beim Einordnen der Leistungsdaten an der Radiowährung "Hörer ab 10 Jahren pro beworbener Durchschnittsstunde" im bundesweiten Vergleich zur Vorgänger-MA, der MA 2016 Radio II.

Mehr Verlust als Zuwachs via UKW

Die Tendenz zum Wachstum haben Sender wie R.SH (plus 37.000 Hörer auf 237.000), NDR 2 (plus 24.000 Hörer auf 795.000), WDR 2 (plus 32.000 Hörer auf 1,071 Millionen), der Lokalradiomantel in Form von Radio NRW (plus 27.000 Hörer auf 1,716 Millionen), HR1 (plus 23.000 Hörer auf 197.000), SWR1 (plus 24.000 Hörer auf 417.000), Antenne 1 (plus 25.000 Hörer auf 208.000), Bayern 2 (plus 19.000 Hörer auf 164.000), das Berliner Star FM (plus 24.000 Hörer auf 84.000) oder auch 104.6 RTL (plus 19.000 Hörer auf 180.000).

Ein Trend zeichnet sich ab: Es gibt in dieser Radio-MA mehr über Sender zu schreiben, bei denen laut agma Hörer verloren gehen. Dazu zählt dieses Mal auch der nach wie vor reichweitenstärkste deutsche Privatsender, Antenne Bayern, bei dem ein Wechsel in der Programmleitung stattgefunden hat. Veränderungen bedeuten auch Umbauten in der Hörerschaft – und im Zeugnis stehen nun 192.000 Hörer weniger.

Mit 1,011 Millionen Fans muss der Münchner Sender nicht den Status "UKW-Millionär" abgeben. Den Titel "reichweitenstärkster deutscher Einzelsender" trägt jetzt indes das öffentlich-rechtliche Programm WDR 2 (plus 32.000 Hörer auf 1,071 Millionen Hörer), das nach dem Wechsel der ehemaligen Antenne-Bayern-Programmchefin Valerie Weber zum WDR aufblüht. Die Hörfunkmarke mit der größten Reichweite bleibt Radio NRW.

Die Tendenz zum Verlust haben des Weiteren Sender wie Radio ffn (minus 21.000 Hörer auf 355.000), WDR 1 Live (minus 30.000 Hörer auf 1,042 Millionen), SWR 3 (minus 59.000 auf 1,031 Millionen), Hit-Radio FFH (minus 70.000 Hörer auf 459.000), HR 3 (minus 26.000 Hörer auf 308.000), Radio 7 (minus 28.000 Hörer auf 169.000), Bayern 3 (minus 34.000 Hörer auf 743.000), Berliner Rundfunk (minus 20.000 Hörer auf 130.000) oder auch R.SA (minus 20.000 Hörer auf 123.000).

Über alles hinweg fehlen dem Werbefunk laut agma gegenüber der preisbildenden Sommer-MA vom Vorjahr 1,266 Millionen Hörer bei jetzt knapp 21 Millionen Fans laut Werbewährung. Noch ist Zeit, um Fans für die kommende MA 2017 Radio II im Juli einzusammeln.

Digitaler Zuwachs macht UKW-Verluste relativ

Doch mit der parallel erscheinenden MA 2017 IP Audio I wird auch deutlich: Die Fans hören offensichtlich anders. Die agma misst inzwischen mehr als 250 Millionen Webradio-Sessions im Monat, wobei alle Angebote in Summe durchschnittlich auf rund 229,9 Millionen Hörstunden kommen. Diese Aussagen beziehen sich auf die Streamingabrufe des vierten Quartals 2016 über alle Empfangswege.

Eine durchschnittliche Webradio-Session dauert bereits etwas länger als 55 Minuten. Der im letzten Messquartal neu eingeführte Leistungswert "Hörstunde", also die Angabe wie viele Stunden ein Online-Audio-Angebot im Durchschnitt gehört wird, ist in Summe aller Online-Audio-Angebote von rund 200,2 auf rund 229,9 Millionen Stunden angestiegen. Aktuell werden 72 Publisher mit 634 Channels ausgewiesen – Tendenz: weiterhin steigend. Zu den Messteilnehmern zählen ferner User-Generated-Radios und Musik-Streamingdienste.

Ein genauer Blick in die Tabellen zeigt: Das UKW-Zwischenzeugnis relativiert sich. Die größten Verlierer der MA Radio gewinnen fast alle (Ausnahme: 1 Live) deutlich bei der MA IP Audio. Sowohl Antenne Bayern, als auch SWR 3, Bayern 3 und Hit-Radio FFH gehören zu den ausgewiesenen Marken, die im Netz Millionen Sessions auf sich vereinen. Tendenz: steigend.

Doch erneut gilt: Alle Wellen, die auch streamen, kommen nicht ans Dickschiff Spotify heran. Der schwedische Musikstreaminganbieter ragt mit mehr als 107 Millionen Webradio-Sessions im Monatsschnitt aus den agma-Listen heraus.

Warten Sie lieber mal auf die MA Audio ...

Fazit: Die Noten des UWK-Zwischenzeugnisses werden immer relativer. Für einen Gesamtblick auf die Vermarktung müssen Planer heutzutage das Zusammenspiel aus Analog und Digital bewerten, das die agma mit der seit 2015 jährlich aktualisierten MA Audio im Spätherbst vorlegen wird. Dann ist Zahltag.


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.



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