Den Mitarbeitern kamen Zweifel an den gemachten Zusagen und sie nahmen anwaltliche Hilfe in Anspruch. Danach hatte sich die im Stich gelassene Mannschaft entschlossen, die Daten der fertig gestellten Juni-Ausgabe erst dann an die Druckerei liefern, wenn alle ausstehenden Rechnungen bezahlt seien. In Österreich war man sich der brenzligen Situation bewusst: Tatsächlich gingen Teilzahlungen ein und die Redaktion gab die Daten frei. Verleger Otto Legerer muss das Verhalten gewurmt haben. Er soll sogar von Erpressung gesprochen haben. „Doch um Erpressung handelt es sich nur dann, wenn man sich persönlich bereichern will und davon kann nun wirklich keine Rede sein“, sagt Boden. Er geht davon aus, der Verlag habe die Situation bewusst zur Eskalation gebracht. Bis an jenem Dienstagnachmittag um halb drei. „Die Männer sind sehr massiv aufgetreten. Wir hatten kaum Zeit, unsere persönlichen Dinge an uns zu nehmen. Innerhalb von 30 Minuten mussten wir raus aus dem Büro und die Türe wurde verschlossen“, sagt Mänder. Er selbst wartet nach wie vor auf die Zahlung von zwei Monatsrechnungen. Seine Kollegin Uli Eder ist immer noch geschockt. „Niemand verdient es, so behandelt zu werden. Ich fühlte mich bedroht und meiner Würde beraubt“, sagt Eder. Noch heute wartet sie auf ausstehende Gehälter und die Begleichung ihrer Auslagen.

In einer österreichischen Pressemitteilung ließ Korntheuer verbreiten: "Das Redaktionsbüro München ist unverändert". Nach Kenntnisstand von w&v-online sind die Büroräume aber weiterhin verwaist. Das Magazin wird seither offenbar von Wien aus erstellt. Fraglich ist jedoch, von wem. Im Impressum von Penthouse.de wird kein Chefredakteur genannt. Die nächste Ausgabe sollte ursprünglich am 24. Juni an den Kiosk kommen. Diesen Termin können die Wiener nicht halten. Laut Pressehandel erscheint das nächste Heft mit einwöchiger Verspätung. Korntheuer war trotz mehrerer Versuche nicht für eine Stellungnahme zu sprechen.


Autor:

Lisa Priller-Gebhardt
Lisa Priller-Gebhardt

schreibt als Autorin überwiegend für W&V. Im Zentrum ihrer Berichterstattung steht die geschwätzigste aller Branchen, die der Medien. Nach der Ausbildung an der Burda Journalistenschule schrieb sie zunächst für Bunte und das Jugendmagazin der SZ, Jetzt. Am liebsten sind ihr Geschichten der Marke „heiß und fettig“.