An Comedy will Senderchef Bartl Neues nachlegen. Von den Machern der "Schillerstraße" wird eine neue Impro-Comedy mit Annette Frier und Cordula Stratmann nachgeschoben. Arbeitstitel: "Wir müssen reden!". Sie soll im Sommer starten. "Ladykracher" mit Anke Engelke und "Pastewka" kommen mit neuen Folgen. Und: "Wir arbeiten außerdem an einem Live-Comedy-Format aus München." Mit Engelke und Bastian Pastewka könnten übrigens neue Formate entwickelt werden; man sei in Gesprächen, so Bartl.

Neue Begriffe stehen bei Sat.1 für neue Infotainment-Formate: Im Bereich "Medicaltainment" plant der Münchner Sender mit "Diagnose Hoffnung" (AT) und "Die Insider" (AT) zwei Neustarts. Ersteres begleitet Schmerzpatienten auf ihrem Leidensweg und soll Hilfe aufzeigen. "Die Insider" führen ins Körperinnere - präsentiert vom bewährten Wissens-Duo Barbara Eligmann und Wigald Boning. Der Print-Hype um die "Landlust" - W&V Online hat das Thema rege begleitet - findet bei Sat.1 sein TV-Pendant: Mit der Doku-Reality "Landmagazin" (AT) trägt der Sender der Landnostalgie Rechnung und führt auch gleich den neuen Begriff "Countrytainment" ein. Unter "Oldietainment" versteht Sat.1 die Einbeziehung der agilen Best-Ager - die sechsteilige Dokutainment-Reihe "Forever Young - Der Rentnerchor" (AT) steht für die neue Losung. Um dem Umwelttrend und den Lohas gerecht zu werden, steuert Sat.1 des Weiteren das Reportagemagazin "Planet Mensch" (AT) bei. Andreas Bartl pocht auf den Ausbau der Info-Kompetenz - wohl auch als Reaktion auf die Kritik der Medienwächter im Zusammenhang mit den Plänen, den Schwestersender N24 künftig günstiger zu betreiben. Bartl überlegt nach wie vor, die Marke "Talk im Turm" wiederzubeleben. Doch er will sich Zeit lassen, um den Neustart des Polittalks auch erfolgreich stemmen zu können.

Ein neues Talk-Format ist bereits festgezurrt: Johannes B. Kerner wird mit Start der neuen Champions-League-Saison im Anschluss an die Fußball-Reihe "Ran" einen "Ran"-Talk anschließen. Überlegt wird auch, dass der erfolgreichen Wiederbelebung der Marke "Ran" ein eigenes Studio in München folgen soll. Apropos Kerner: An seinem bisherigen Talk-Format will Bartl festhalten, allerdings soll es überarbeitet werden. Das gleiche gilt für Oliver Pochers Engagement; auch er bekommt weiter die Chance, die Zuschauer zu sich zu holen.

Ganz besonders beschwört Andreas Bartl das Sat.1-Engagement bei deutscher Fiction - ein Pfund, mit dem der Sender neben der starken Comedy einst gewuchert hat und seit einigen Jahren kein glückliches Händchen mehr beweist. 2010 sollen viele Movies und Serien vorgelegt werden, wie etwa die Verfilmung der "Wanderhure" oder zahlreiche Dienstagsfilme - von Bartl zärtlich "GroSaFi" (Großer Sat.1-Film") genannt. Den Auftakt bei deutschen Serien machen am kommenden Montag "Der letzte Bulle" und "Danni Lowinski". Die gut funktionierende Crime-Schiene mit US-Serien am Sonntagabend soll auf einen zweiten Abend ausgeweitet werden: Im Sommer will Sat.1 mit Start des Spin-offs "Navy CIS: Los Angeles" und neuen Folgen von "Criminal Minds" einen zweiten US-Fiction-Abend platzieren. Bei den Spielfilmen fühlt sich Bartl sehr gut und Familien-affin aufgestellt: Gesichert sind Streifen wie "Asterix bei den Olympischen Spielen", "27 Dresses" oder "Das Lächeln der Sterne".

Alles in allem will Bartl, dass der Sender nach seinem Umzug aus Berlin in seiner "dritten Dekade" in München (Gründungsort ist Mainz) wieder erfolgreich wird. Er hat zwei Messlatten: das Jahr 2005, als Sat.1 im Schnitt mit 12,3 Prozent Marktanteil in der werberelevanten Zielgruppe abgeschnitten hat, und RTL. "Wir wollen wieder ohne Sehhilfe die Rücklichter von RTL erkennen", feixt Bartl. Zuweilen - wie am starken Champions-League-Mittwoch in dieser Woche - gelingt dies Sat.1 bereits. Selbstkritisch schließt der Senderchef: "Es wird ein Stück dauern, um Sat.1 zu alter Stärke zurückzuführen."



Petra Schwegler, Redakteurin
Autor: Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.