Bilanzen von Springer und RTL :
Sattes digitales Plus dank Paid Content und Onlinewerbung

Bei Axel Springer stammen 85 Prozent der Werbeeinnahmen aus dem Digitalgeschäft, die Zahl der Digitalabonnenten von "Bild" und "Welt" stiegen um beinah 10 Prozent. Die RTL-Bilanz weist sogar ein Umsatzplus von 32 Prozent mit Digitalem auf.

Text: Susanne Herrmann

Mathias Döpfner: Zieht "Online first" durch.
Mathias Döpfner: Zieht "Online first" durch.

Der Medienkonzern Axel Springer setzt Mathias Döpfners 2006 ausgegebene Devise "Online first" konsequent um: Zwei Drittel des Umsatzes und 85 Prozent der Werbeeinnahmen 2016 stammen aus dem Digitalgeschäft. 

Auch bei RTL brummt es vor allem im Netz: Im vergangenen Jahr konnte die Bertelsmann-Tochter RTL Group den Umsatz um 3,4 Prozent auf 6,24 Milliarden Euro erhöhen (+ 3,4 Prozent). 

RTL legt online 31,9 Prozent zu

Der Umsatz durch das Digitalgeschäft kletterte um 31,9 Prozent auf 670 Millionen Euro. Damit steuerte das Segment mit Youtube-Kanälen und Werbung im Internet erstmals mehr als 10 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Der Gewinn bei Europas größter werbefinanzierten Sendergruppe fiel allerdings mit 720 Millionen Euro um fast 9 Prozent niedriger aus als im Vorjahr. Als Grund gab RTL höhere Steuerzahlungen an. 

52 Prozent der Umsätze kommen aus dem Geschäft mit Fernseh- und Radiowerbung, 21 Prozent setzt RTL mit Inhalten um, 10,7 Prozent mit Digitalem. Einer der größten Umsatzlieferanten im Konzern ist die deutsche RTL-Gruppe mit einem Ebidta von 705 Mio. Euro (2015: 684 Mio.). Die Mediengruppe RTL Deutschland habe über zehn Jahre diesen Wert damit mehr als verdoppelt, freut sich die Konzernmutter in Luxemburg: 2007 lagen die Gewinne vor Zinsen und Steuern bei 329 Mio. Euro.

Die RTL Group peilt 2017 dank deutlicher Zuwächse im Digitalgeschäft und einem guten Geschäft in Deutschland ein weiteres Umsatzplus an. Die Erlöse sollen im laufenden Jahr um 2,5 bis 5,0 Prozent steigen. Beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) werde eine Stagnation auf Höhe des 2016er-Werts erwartet. 

Allerdings: Das Ebitda (Gewinn vor Steuern) sei um knapp vier Prozent auf 1,41 Milliarden Euro gestiegen. Damit hinkt RTL dem Konkurrenten ProSiebenSat.1 weiter hinterher. Dieser schnitt sowohl 2016 besser ab und ist auch für 2017 etwas optimistischer. (Umsatz 3,8 Mrd. Euro 2016; plus 17 Prozent, Ebidta 1 Mrd. Euro/plus 10 Prozent, bereinigter Konzernüberschuss 513 Mio. Euro; plus 10 Prozent). 

Springer auf Digitalkurs

Bei Axel Springer liefert das Digitalgeschäft 67,4 Prozent des Konzernumsatzes von 3,29 Milliarden Euro und 72,5 Prozent des Konzern-Ebitda von 595,5 Millionen Euro (Gewinn vor Steuern). "Konsolidierungs- und währungsbereinigt stiegen die Umsatzerlöse der digitalen Medien um 10,7 Prozent", teilt Springer mit: von 2,06 auf 2,22 Mrd. Euro.

Die Werbeerlöse verbesserten sich im Geschäftsjahr um 5,5 Prozent auf EUR 2,2 Mrd. Euro (2015: 2,1 Mrd.). Die Vertriebserlöse gingen dagegen um 10,4 Prozent auf 646,9 Mio. Euro zurück (2015: 721,7 Mio.). Der Konzernumsatz legte (bereinigt) um 4,1 Prozent zu. 

Bezahlangebote spielten eine große Rolle bei der Entwicklung, außerdem die Rubrikenangebote (z.B: Immowelt, Stepstone). Hier rechnet Springer künftig mit einem Wachstum im niedrigen zweistelligen Prozentbereich; 2016 waren sie stärkstes Wachstumsfeld (Umsatzplus: 16,8 Prozent auf 879,5 Mio. Euro). 

Für 2017 kündigt Axel Springer an, dass trotz leicht rückläufiger Umsätze in den kommenden Jahren die Überschüsse stabil bleiben (bei 205 bis 225 Mio. Euro) werden. Der geplante Anstieg der Werbeerlöse werde den leichten Rückgang der Vertriebs- und sonstigen Erlöse "voraussichtlich überkompensieren". 2016 lagen die Überschüsse bei 299 Mio. Euro, 2015 bei 279 Mio. Und das, obwohl die Zahl der Mitarbeiter - unter anderem aufgrund der Akquisitionen - leicht gestiegen ist: Von 15.023 auf 15.323.

Paid Content - plus und minus

Spannend entwickelt sich bei Springer, wo für zahlreiche Digitalangebote die Bezahlschranke eingeführt worden war, der Paid-Content-Bereich: Sowohl Bild.de als auch Welt.de haben nach Verlagsangaben zahlende Abonnenten gewonnen, zusammen hatten sie Ende 2016 421.002 und damit 9,6 Prozent mehr als Ende 2015.

Weitere Einnahmen lieferten die internationalen Angeboten wie Business Insider (gekauft 2015) mit weltweit mehr als 100 Millionen Nutzern, Politico und Upday (Kooperation mit Samsung). Die Videoangebote auf Digitalplattformen des Konzerns erreichten 2016 durchschnittlich rund 2,7 Milliarden pro Monat.

Die Bezahlangebote erwirtschafteten demzufolge einen Umsatz von 1,48 Mrd. Euro - das sind rund 100 Mio. Euro weniger als noch 2015, was Axel Springer auf die Entkonsolidierung der Schweizer Aktivitäten zurückführt. Bereinigt sei der Umsatz lediglich um 1,6 Prozent zurückgegangen. "Zugleich entwickelten sich die digitalen Medien der Bezahlangebote mit einem organischen Wachstum von 14,7 Prozent besonders dynamisch", heißt es in der Konzernmitteilung.

 


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Und setzt sich als ehemalige Textchefin und Gelegenheitslektorin für Sprachpräzision ein. Ihre Lieblingsthemen reichen von abenteuerlustigen Gründern über Super Bowl bis Video on Demand – dazwischen bleibt Raum für Medien- und Marketinggeschichten.