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Second-Screen-Experiment beim ZDF: Murks mit App

Das ZDF hat am Montag den Film "App" mit Second-Screen-Anbindung gesendet. W&V-Redakteurin Anja Janotta hat den Film gesehen und teilt die mehrheitliche Meinung der Twitter-User: Schöne Idee, aber leider ziemlich vermurkste Geschichte.

Text: Anja Janotta

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2,12 Millionen haben am Montagabend den ZDF-Thriller "App" gesehen, der - wie der Titel schon andeutet - auch mit einer App auf dem Second Screen verfolgt werden konnte. Das entspricht einem Gesamtmarktanteil von 10,5 Prozent. Bei den Jüngeren kommt ein Marktanteil von 10,2 Prozent zusammen. Das sind ordentliche Werte für die späte Ausstrahlung ab 22.15 Uhr. Das junge Publikum goutierte dann auch den Ausflug in neue Sehgewohnheiten.

Gleich vornweg: Meine App blieb still - "Iris" stürzte ab und blockierte gleich mal meine Internetverbindung für den restlichen Teil des Abends. Das mag Zufall sein oder die ersten Anzeichen von Paranoia, die die App Iris (ein Anagramm für Siri) vermeintlich auch in mein Smartphone mit eingeschleust hat. Tatsächlich ist Paranoia das Einzige, was nach der holländischen Produktion hängen bleibt, denn die Handlung bleibt trotz vieler spektakulärer Morde und Handlungsstränge immer ein bisschen verworren, unrealistisch und letztlich unerklärt. Das gipfelte in einem Schuss in die Schläfe, der vermeintlich direkt aus dem Smartphone kommt. Vielleicht mag eine App viele Datenbewegungen kapern können - aber Schüsse abgeben und Schwerlaster in Bewegung setzen, das geht doch ein bisschen zu weit.

Dem erhöhten Erklärungsbedarf der Zuschauer allerdings kam das ZDF während der Ausstrahlung nur in Teilen nach:

Die Resonanz für die App selbst war recht beachtlich. Eine Viertelstunde nach Filmstart hatten neun User eine Rezension im Apple-Appstore geschrieben, am Dienstagmorgen sind es 115. Die Bewertung kommt aber auch mit mehr Rezensenten über zweieinhalb Sternchen nicht hinaus (von fünf möglichen). Bemängelt wurde hauptsächlich, dass die Ton-Erfassung der App schlecht funktionierte. Auch Twitter-User beschwerten sich, dass der Ton des Fernsehers zu laut eingestellt werden musste, damit die App die versprochenen Zusatzinformationen liefern konnte, wie etwa Geschichten, die passierten, nachdem sich die Tür die des Professors geschlossen hatte und zusätzliche Handykameraperspektiven zu bestehenden Szenen. "Ausbaufähig" beurteilen die meisten Twitter-Nutzer das Experiment.

Einige fordern deutlich mehr Mut vom Sender: "So interaktiv wie DVD-Bonusmaterial" ist beispielsweise das Urteil des Twitter-Kommentierers und ehemaligen BVDW-Specher Mike Schnoor. Er vermisst tatsächliche interaktive Einflussmöglichkeiten des Publikums auf die Handlung.

Das Fazit: Mit einer realistischeren Handlung und mehr Interaktivität hätten dem Film tatsächlich auf die Sprünge geholfen, vielleicht auch der Quote.

Wer die Ausstrahlung verpasst hat, muss leider auf das nächste Second-Screen-Experiment des ZDF warten, denn der "App-Film" wird nicht in die Mediathek gestellt:


Autor:

Anja Janotta, Redakteurin
Anja Janotta

seit 1998 bei der W&V - ist die wohl dienstälteste Onlinerin des Hauses. Am liebsten führt sie Interviews – quer durch die ganze Branche. Neben der W&V-Morgenpost, Kreativ- und Karrierethemen schreibt sie ab und zu was völlig anderes - Kinderbücher. Das jüngste dreht sich um  ein paar nerdige Möchtegern-Influencer.



1 Kommentar

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Anonymous User 27. Mai 2014

Das Smartphone hat doch keinen Schuss abgegeben, sondern sich so sehr überhitzt, dass es explodiert ist.

Aber ansonsten stimme ich zu. Der Ansatz war ganz gut und taugt zur Gesellschaftskritik, die Geschichte im Detail aber dann doch etwas zu unrealistisch.

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