Pressevertrieb :
Showdown im Grossostreit: Kann der Wirtschaftsminister schlichten?

Wird es ein Grossogesetz geben? Am Donnerstag treffen sich Grosso, Verlegerverbände, Bauer und der Einzelhandel in Berlin

Text: Judith Pfannenmüller

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Am 13. September, einen Tag nach der diesjährigen Grossotagung in Baden-Baden wird in Berlin unter Leitung des Bundeswirtschaftsministeriums eine letzte Schlichtungsrunde im Streit um das Grossosystem stattfinden.  Am Tisch sitzen die Bauer Media Group, die das Alleinauslieferungsrecht und das Verhandlungsmandat des Grossoverbands gerichtlich angreift, der  Grossoverband und die Verlegerverbände VDZ und BDZV sowie der Handelsverband HDE, der eine gesetzliche Absicherung des Grosso verhindern will.

Eine Einigung der Streitparteien gilt als unwahrscheinlich, da nach mehreren bilateralen Gesprächen zwischen Bauer und dem Grosso die Positionen weit auseinanderliegen. "Sollte es nicht zu einer Einigung kommen, wollen wir uns zügig um eine gesetzliche Absicherung des Pressegrosso kümmern," bekräftigt Frank Nolte, 1. Vorsitzender des Grosso, in Baden-Baden.  Grosso, VDZ und  BDZV wollen durch einen Zusatz in der  laufenden Kartellrechtsnovelle das Verhandlungsmandat des Grosso absichern. Dies soll verhindern, dass einzelne Grossisten zum Spielball  mächtiger Verlage werden und kleinere Verlage in der Folge benachteiligt werden. „Der freie Zugang zum Lesermarkt zu vergleichbaren Bedingungen bliebe erhalten,“ sagt Nolte. 

Politiker aller Bundestagsfraktionen hatten angekündigt, zu prüfen, ob das Grosso gesetzlich abgesichert werden könne, sollte es keine Einigung geben. Bauer, der Einzelhandel sowie Monopolkommission und Kartellamt halten ein Grossogesetz für überflüssig und plädieren für mehr Wettbewerb. 

Auch wirtschaftlich ist das Grosso weiter unter Druck: Im Kerngeschäft Presse ging der Umsatz im ersten Halbjahr 2012 um knapp 30 Millionen (2,2 Prozent) auf 1, 2 Milliarden Euro zurück. Der Marktdruck zwingt Pressegrossisten, sich zusammenzuschließen. Vier Fusionen meldeten Grossisten allein im ersten Halbjahr an. Rund ein halbes Dutzend weiterer Unternehmen hat konkrete Pläne, in den nächsten fünf bis sechs Jahren zu fusionieren. Zahlreiche weitere Betriebe schließen nach Aussagen des Verbands einen Zusammenschluss nicht aus.

Mehr zum Thema Grossofusionen in der kommenden Printausgabe der W&V (EVT: 13.09.).


Autor:

Judith Pfannenmüller
Judith Pfannenmüller

ist Korrespondentin für W&V in Berlin. Sie schaut gern hinter die Kulissen und stellt Zusammenhänge her. Sie liebt den ständigen Wandel, den rauhen Sound und die thematische Vielfalt in der Hauptstadt.



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