Fußball-EM :
So feiert die Presse Deutschlands Sieg über Italien

#GERITA dominiert die Titelseiten nicht nur in Deutschland. Die "Bild" feiert Hector und enthüllt Elfmeter-Geheimnisse, die "Welt" feiert die Helden der Nacht. Italiens Gazetten sind stolz auf ihre Elf.

Text: Susanne Herrmann

Der Krimi im Ersten war am Samstagabend das Viertelfinale Deutschland gegen Italien - mit einem Sieg für Jogis Elf.
Der Krimi im Ersten war am Samstagabend das Viertelfinale Deutschland gegen Italien - mit einem Sieg für Jogis Elf.

#GERITA dominiert die Titelseiten nicht nur in Deutschland. Der Abend wird wohl in die Fußballgeschichte eingehen. Weil Deutschland endlich Italien in einem KO-Spiel besiegt hat. Weil zahlreiche Elfmeter verschossen wurden. Weil ausgerechnet die jungen Spieler die Nerven behielten. Und Italiens Torwart nie mehr ein EM-Spiel bestreiten wird.

Die "Bild" lobt Hector und enthüllt Elfmeter-Geheimnisse, die "Welt" feiert die Helden der Nacht (Bild oben) - und Bastian Schweinsteigers große Geste an Italiens Torwart Gianluigi Buffon.

Erst mal Buffon trösten: Schweinsteiger und seine Teamkollegen nach dem Elfmeterschießen.

Erst mal Buffon trösten: Schweinsteiger und seine Teamkollegen nach dem Elfmeterschießen. (Foto: Screenshot)

Der "Spiegel" analysierte bei allem Grund zum Jubel ("Endlich!") die angespannte Personalsituation. Erst einmal würdigte das Blatt aber Jogis Helden, allen voran Jonas Hector.

Der Kölner Verteidiger Hector erlöste die deutsche Nationalmannschaft.

Der Kölner Verteidiger Hector erlöste die deutsche Nationalmannschaft. (Foto: Screenshot)

 

Merkwürdiges Elfmeterschießen mit einem siegreichen Hector am Schluss. (Foto: Screenshot)

Merkwürdiges Elfmeterschießen mit einem siegreichen Hector am Schluss. (Foto: Screenshot)

Hector wird auch in britischen Medien gefeiert ("Hec of a finish" und "By Hec or by crook"/The Sun). "Heck" ist im Englischen ein Ausruf, der einem Fluch gleichkommt ("Wo zum Teufel" oder "verdammt"), "crook" der Gauner bzw. eine krumme Sache.

 

Und der britische "Mirror" zieht Lehren dem Elfmeterkrimi. Etwa, dass Jogi Löw aus Fehlern 2012 gelernt habe, Toni Kroos der Verlierer des neuen Systems war, Boateng und Bonucci eine besonders enge Verbindung haben - und dass die Regeln zu gelben Karten und wann sie verfallen erneut überarbeitet gehört.

Der britische "Mirror" entdeckt einiges Wissenswerte im Spiel Deutschland - Italien.

Der britische "Mirror" entdeckt einiges Wissenswerte im Spiel Deutschland - Italien.

Ein Virus, ein Fluch lag am Samstag auf den italienischen Spielern, schreibt die "Gazzetta dello Sport".

Ein Virus, ein Fluch lag am Samstag auf den italienischen Spielern, schreibt die "Gazzetta dello Sport".

Italiens Gazetten sind stolz auf ihre Elf. Trotz des knappen Scheiterns der Squadra Azurra sieht die Presse das Viertelfinale positiv - vor allem, weil die Mannschaft gezeigt habe, dass sie Herz hat. "Wir sind draußen, aber darauf kann man aufbauen", schrieb die "Gazzetta dello Sport". Und beschreibt den "Elmeter-Virus". "Corriere della Sera": "Das große Herz Italiens reicht nicht aus." 

Die Spanier, im Achtelfinale gegen Italien unterlegen, konstatieren ein wenig verschnupft: "Deutschland braucht drei Stunden, um Italien zu schlagen." (El Pais)

Die Franzosen boten sich schon vor ihrem Sieg gegen Island als Gegner fürs Halbfinale an, als sie den deutschen Viertelfinalsieg mit "Sie erwarten die Blauen" ("Ils attendent Les Bleus") titelten. Und Le Monde kürt Deutschland zu Titelfavoriten.

Der Schweizer "Blick" erklärte wie etliche andere Medien den Italien-Fluch für beendet - und fragt sich heute angesichts des Halbfinalgegners Frankreich und des EM-Aus für Gomez bang: "Wer soll jetzt für Deutschland Tore schiessen?"  

Die "FAZ" (unten) sammelte übrigens auf Faz.net schöne Memes zu den skurrilsten Momenten und Spielern des Abends: Boatengs folgenschwere Balletteinlage (Handelfmeter verursacht) und Zazas vergebliches Getrippel (von Italien eigens zum Elfmeterschießen eingewechselt). 

Im Netz regten vor allem Boateng und Zaza die Kreativität der Onliner an.

Im Netz regten vor allem Boateng und Zaza die Kreativität der Onliner an. (Foto: Screenshot)


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Und setzt sich als ehemalige Textchefin und Gelegenheitslektorin für Sprachpräzision ein. Ihre Lieblingsthemen reichen von abenteuerlustigen Gründern über Super Bowl bis Video on Demand – dazwischen bleibt Raum für Medien- und Marketinggeschichten.